Europas ältestes bekanntes Schlachtfeld

Ein Talgebiet im heutigen deutschen Bundesland Mecklenburg-Vorpommern gilt als ältestes Schlachtfeld Europas. Vor rund 3.200 Jahre tobte eine Schlacht, über die nicht viel bekannt ist. Seit 2009 graben dort Archäologen, jetzt gibt es eine eigene Ausstellung.

Ein Gemetzel enormen Ausmaßes: Hunderte, vielleicht Tausende junge Männer stehen sich um 1250 vor Christus am Ufer des Flusses Tollense gegenüber. Ihre Bewaffnung: Schwerter, Lanzen, Keulen, Messer, Pfeil und Bogen.

Ein Damm führt an dieser Stelle über das 250 Meter breite Flusstal, ein strategisch wichtiger Ort. Der Damm ist deutlich vor 1250 erbaut worden und über Generationen instandgehalten worden, berichtet Mecklenburg-Vorpommerns Landesarchäologe Detlef Jantzen. Viel mehr ist nicht bekannt über die kriegerische Auseinandersetzung auf dem ältesten Schlachtfeld, das bisher in Europa ausgegraben worden ist. Ab Freitag (6.10.) erzählt eine Ausstellung im Archäologischen Freilichtmuseum Groß Raden ein Jahr lang davon: „Blutiges Gold - Macht und Gewalt in der Bronzezeit“.

Schädel, die auf dem Schlachtfeld gefunden wurden
dpa-Zentralbild/Z1017 Bernd Wüstneck
Schädel, die auf dem Schlachtfeld gefunden wurden

Bisher Überbleibsel von 130 Menschen gefunden

Jantzen ist sicher: „Wir sehen im Tollensetal zum ersten Mal einen Krieg in seinen Überresten vor uns.“ Aus Aufzeichnungen sei aus so alter Zeit nur die Schlacht bei Kadesch zwischen Ägyptern und Hethitern 1274 vor Christus bekannt. Dort der sei genaue Ort bisher aber nicht gefunden worden.

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Wer hat da an der Tollense gekämpft, in wessen Auftrag und unter wessen Befehl? Auf diese Fragen können die Archäologen noch keine Antworten geben. Nur so viel ist klar: Es gab viele Tote. Bisher seien etwa zehn Prozent des Schlachtfeldes ausgegraben und dabei Gebeine von mehr als 130 Menschen gefunden worden, sagt Jantzen.

„In der Hauptsache waren es junge Männer.“ Einem sei der Schädel mit einer Keule eingeschlagen worden. Andere Knochen hätten Verletzungen von Pfeilen. Hinweise auf die Anwesenheit von Frauen gebe es bisher keine. Auch Siedlungsreste fanden die Archäologen noch nicht.

Wer die Kämpfer waren, ist noch unklar

Zu den aufregendsten Funden gehören Goldringe, die laut Jantzen entweder am Finger oder im Haar getragen wurden, sowie Zinnringe, die im Wasser der Tollense die Jahrtausende überdauert haben. „Das ist eine besondere Rarität, denn Zinn zersetzt sich im Lauf der Zeit“, sagt Jantzen. Jetzt werde untersucht, wo das Zinn für die Ringe abgebaut wurde. Dies könnte Hinweise darauf geben, welche räumlichen Beziehungen die Menschen der Bronzezeit unterhielten.

Ein Echo auf die Schlacht in schriftlichen Aufzeichnungen gibt es nicht. Doch die Archäologen ziehen Querverbindungen. „Es ist auffällig, dass wir aus dieser Zeit eine Reihe reich ausgestatteter Gräber haben“, sagt Jantzen. In der Ausstellung wird unter anderem das „Häuptlingsgrab von Crivitz“ vorgestellt. Aus einer Grabung bei Güstrow sind Reste eines vergoldeten Schwertes zu sehen. Außerdem wird der Bogen zum „Horn von Wismar“ geschlagen. Es ist mit bildlichen Darstellungen verziert - unter anderem von zwei Menschen mit Schild und Lanze.

Anhand der Dimension der Schlacht gehen die Archäologen davon aus, dass es mächtige Organisationen in der Region gegeben haben muss, die in der Lage waren, so viele Menschen in einen Kampf zu schicken. Mehr Licht ins Dunkel sollen weitere Grabungen bringen, auf die Jantzen hofft. 2016 seien die Ausgrabungen eingestellt worden, weil die Förderung ausgelaufen war. Neue Förderanträge liefen.

Iris Leithold, dpa

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