Deutlich weniger Vögel und Insekten

In Deutschland ist die Zahl der Vögel und Insekten laut zwei neuen Studien in den vergangenen Jahren deutlich geschrumpft. Die Ursachen dafür sind nicht gänzlich geklärt, aber intensive Landwirtschaft und Umweltgifte dürften eine Rolle spielen.

Zwischen 1998 und 2009 sind in Deutschland knapp 13 Millionen Vogelbrutpaare verloren gegangen, berichtete der deutsche Naturschutzbund (NABU). Das sei ein Minus von 15 Prozent, so NABU-Vogelschutzexperte Lars Lachmann am Donnerstag.

Besonders betroffen seien etwa der Haussperling (minus 22 Prozent) und der Star (minus 42 Prozent). Lachmann wertete Bestandsdaten aus, die die deutsche Bundesregierung 2013 an die EU meldete. Neuere Zahlen werden erst 2019 erwartet.

75 Prozent weniger Insektenmasse

Eine am Mittwoch veröffentlichte Studie untermauert außerdem einen erheblichen Rückgang von Insekten in Deutschland. „Ein direkter Zusammenhang mit dem Vogelrückgang ist sehr wahrscheinlich, denn fast alle betroffenen Arten füttern zumindest ihre Jungen mit Insekten“, sagte Lars Lachmann.

In den vergangenen 27 Jahren nahm die Gesamtmasse der Insekten laut Studie um mehr als 75 Prozent ab, berichten Wissenschaftler im Fachmagazin „PLOS ONE“. Die Analyse bestätigt erste, im Sommer vorgestellte Ergebnisse.

Grafik zur Abnahme der Insektenmasse in Deutschland
Radboud University
Durchschnittsgewicht der gefangenen Insekten pro Tag zwischen 1989 und 2016

Caspar Hallmann von der Radboud University in Nijmegen (Niederlande) und sein Team haben Daten ausgewertet, die seit 1989 in 63 Gebieten mit unterschiedlichem Schutzstatus in den Bundesländern Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Brandenburg gesammelt wurden. Die Insekten wurden mit Hilfe von Fallen gefangen und deren Masse bestimmt. Der Schwund habe einen weit verheerenderen Effekt als bisher erkannt, stellen die Autoren fest.

Mögliche Gründe: Intensive Landwirtschaft, Klima, ...

Auf der Suche nach möglichen Gründen für den Insektenschwund untersuchten die Wissenschaftler etwa den Einfluss von Klimafaktoren, der landwirtschaftlichen Nutzung und bestimmter Lebensraumfaktoren. Die Analyse brachte jedoch keine eindeutige Erklärung.

Für den Rückgang bei Insekten und Vögeln machen Naturschützer vor allem eine intensive Landwirtschaft verantwortlich. Der Deutsche Bauernverband warnt hingegen vor voreiligen Schlüssen. Bei beiden Untersuchungen sei die Datenlage unzureichend.

... weniger Lebensraum und mehr Umweltgifte

Wolfgang Fiedler vom Planck-Institut für Ornithologie vermutet neben weniger Insekten eine Vielzahl von Gründen für den Vogelschwund, für die allerdings in erster Linie der Mensch verantwortlich sei: eine weniger vielfältige Naturlandschaft für Feldlerche und Goldammer, weniger Unterschlupf in der Stadt für Schwalben und Mauersegler. Dazu kämen generell mehr Umweltgifte und Fremdstoffe, die Einfluss auf die Fruchtbarkeit von Vögeln haben könnten. Auch die Jagd auf Zugvögel im Ausland spiele eine Rolle.

Die Folgen des Verlusts seien schwer einzuschätzen, sagte Fiedler. „Vögel verbreiten Samen und halten Parasiten in Schach.“ Und ein Ökosystem werde generell weniger stabil, je weniger Elemente es enthalte.

science.ORF.at/dpa

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