Hirn ist „stärker“ als Muskeln

Damit es gut arbeiten kann, braucht das menschliche Gehirn genug Energie. Was passiert, wenn Hirn und Muskeln gleichzeitig Bedarf haben? Experimente mit Ruderern ergaben: Im Zweifelsfall setzen sich die grauen Zellen durch.

Das menschliche Gehirn kostet den Organismus eine ganze Menge. Es benötigt etwa ein Fünftel des aufgenommenen Sauerstoffs, obwohl es nur einen Bruchteil - etwa ein Fünfzigstel - des Körpergewichts ausmacht. Und es braucht eine dauerhafte Zufuhr von Zucker, pro Tag verbrennen die Nervenzellen mehr als zehn Esslöffel reine Glucose.

Nicht nur das Gehirn ist ein Energiefresser, auch die Körpermuskulatur verbraucht eine ganze Menge. Bei einem erwachsenen Mann macht sie ein Fünftel des Grundumsatzes aus, und das schon im Ruhezustand.

Wer bekommt wie viel?

Was passiert nun, wenn Hirn und Muskeln gleichzeitig einen erhöhten Bedarf haben? Wie wird der „Kuchen“ aufgeteilt? Das haben die Forscher um Danny Longman von der University of Cambridge nun experimentell untersucht, an 62 Mitgliedern des universitären Ruderklubs.

Ruderer von der University of Cambridge
Danny Longman
Ruderer von der University of Cambridge

Sie mussten zwei Tests absolvieren: einen dreiminütigen Merktest, bei dem sich die Probanden an Wörter erinnern mussten, und einen körperlichen Belastungstest an der Rudermaschine, ebenfalls drei Minuten lang. Zuerst beides hintereinander, dann beides gleichzeitig.

Egoistisches Hirn

Erwartungsgemäß reduzierte die Doppelbelastung die körperliche und die geistige Leistung, die körperliche war aber deutlich stärker beeinträchtigt. Im Durchschnitt fiel die physische Leistung um knapp 30 Prozent stärker ab.

Die Ergebnisse stützen laut den Forschern die These vom „egoistischen Gehirn“. Demnach stelle das Gehirn den eigenen Energiebedarf über jenen aller peripheren Organe. „Ein gut genährtes Gehirn sichert in schwierigen Situationen eher das Überleben als gesättigte Muskeln“, mein Longmann dazu in einer Aussendung.

Eva Obermüller, science.ORF.at

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