Chili macht Speisen salziger

In fast allen Ländern konsumieren die Menschen zu viel Salz - und das ist ungesund. Chinesische Forscher präsentieren nun einen simplen Trick, der dies verhindern könnte: Man streue eine Portion Chili ins Essen.

Wenn Chili die Mundhöhle in ein brennendes Inferno verwandelt, würde man eher nicht annehmen, dass dies der Sensibilität der Geschmacksknospen zu Gute kommt. Doch genau das haben Wissenschaftler aus Shizuoka, Japan, vor ein paar Jahren herausgefunden. Der Wirkstoff Capsaicin verstärkt offenbar die Wahrnehmung von Salzigem.

Salzarme Kost, niedriger Blutdruck

Dieser Befund ist auch Zhiming Zhu von der militärisch-medizinischen Universität in Chongqing zu Ohren gekommen. Der chinesische Kardiologe hat nun untersucht, welcher Mechanismus dahinterstehen könnte. Dafür befragte er zunächst 600 Landsleute nach ihren Ernährungsgewohnheiten und führte danach einige medizinische Untersuchungen durch.

Resultat: Jene mit einer Vorliebe für Scharfes konsumierten tatsächlich weniger Salz als der Rest, die Differenz betrug 2,5 Gramm pro Tag - zum Vergleich: Laut WHO sollte der Tageskonsum fünf Gramm täglich nicht überschreiten, tatsächlich nimmt ein großer Teil der Weltbevölkerung deutlich mehr zu sich, nämlich zwischen 7,5 und 15 Gramm.

Drei Männer sitzen in einem Pool mit schwimmenden Paprikaschoten und essen Chilis
APA/AFP/STR
„Mit scharf“: Chili ist gesund, man kann es aber auch - wie diese Herren aus Ningxiang - übertreiben

Die Chili-geeichten Probanden hatten laut Zhus Untersuchungen auch einen niedrigeren Blutdruck (5 mm systolisch, 8 mm diastolisch). Was nicht überrascht, zu salzige Speisen gelten als Hauptrisikofaktor für Bluthochdruck. Das wurde schon in vielen Untersuchungen belegt, im größeren Stil etwa vor drei Jahren im „New England Journal of Medicine“.

„Salzige“ Hirnregionen werden angeregt

Wie Zhu und seine Mitarbeiter im Fachblatt „Hypertension“ schreiben, lässt sich der festgestellte Zusammenhang auch an Hirnscans ablesen. Die Areale für die Empfindung von Salzigem und Scharfen zeigen nämlich Überlappungen. Ist das Gericht scharf, wird gleichzeitig auch das „salzige“ Areal in der sogenannten Inselrinde sowie im Frontallappen des Großhirns aktiviert. Das erklärt, warum Chili die Sensibilität für Salz verstärkt.

Richard Wainford von der Boston University School of Medicine zeigt sich in einem begleitenden Kommentar von den Ergebnissen angetan. Nicht nur, weil mit 2,5 Gramm weniger Salz schon eine ganze Menge erreicht wäre, schließlich führt hoher Salzkonsum neben Bluthochdruck auch zu Schlaganfällen, Herzinfarkten und Nierenleiden.

Sondern auch, weil die Studie aufzeigt, wie sich Salzreduktion durch Genuss erreichen ließe. So ein hedonistischer Zugang habe allemal bessere Erfolgsaussichten als Verbote, schreibt Wainford. Bliebe noch zu zeigen, dass auch die Bewohner westlicher Länder für den Chili-Effekt empfänglich sind.

Robert Czepel, science.ORF.at

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