Klimaopfer leitet UNO-Klimagipfel

Pazifikstaaten wie Fidschi leiden am meisten unter der Klimaerwärmung: Die Meeresspiegel steigen, das Wetter wird extremer. Nun sitzt Fidschi der alljährlichen Klimakonferenz vor, die am Montag beginnt – aus guten Gründen aber nicht im Pazifik, sondern in Deutschland.

Erster Grund: Für die rund 25.000 Teilnehmer und Teilnehmerinnen der zweiwöchigen Konferenz COP23 (Conference of Parties, Konferenz der Parteien, Nummer 23) reichen trotz Südsee-Tourismus die Zimmer nicht. Sie findet deshalb 16.000 Kilometer entfernt in Bonn statt.

Zudem - Stichwort CO2-Bilanz - hätte es sich wohl auch nicht gut gemacht, wenn so viele Klimaschützer zu Verhandlungen einmal um die halbe Welt geflogen wären. Wichtigster Grund ist aber, dass am Rhein das UNO-Klimasekretariat seinen Sitz hat. Nach dessen Satzung findet der Gipfel in Bonn statt, wenn sich in der Weltregion, die eigentlich an der Reihe wäre (dieses Mal: Asien), kein Gastgeber bereiterklärt. China und Japan lehnten ab. Und so führt nun Fidschi den Vorsitz, und Deutschland ist Co-Gastgeber.

Der Zyklon Evan verursachte im Dezember 2012 auf Fiji schwere Schäden
AP
Der Zyklon Evan verursachte im Dezember 2012 auf Fiji schwere Schäden

Ganze Dörfer werden verlegt

Kosten für Deutschland, das sich auf ihr Klima-Engagement einiges einbildet: mehr als 100 Millionen Euro. Die Zusammenarbeit mit Fidschi, wo nach zwei Militärputschen ein bulliger Ex-General namens Frank Bainimarama mit harter Hand regiert, lobt man in der deutschen Bundesregierung sehr. Zudem engagieren sich die Deutschen in dem Inselstaat mit einer Reihe von Projekten. Etwa bei der Umsiedlung des Dorfes Narikoso auf Ono, einer von mehr als 300 Inseln des Pazifikstaats Fidschi.

Das Dorf hat eigentlich alles, was es zu einer Südsee-Idylle braucht: Strand, Palmen, blaues Meer. Nur, dass es vom Wasser mittlerweile zuviel wird. Bei Flut steht der Pazifik in Narikoso nun direkt vor den Häusern. Grund dafür: der steigende Meeresspiegel.

Narikoso ist deshalb eines von insgesamt 42 Dörfern, die Fidschis Regierung auf absehbare Zeit ganz oder teilweise verlegen will. Experten schätzen, dass es mehr als hundert sein werden.

Meeresspiegel um 15 Zentimeter gestiegen

Fidschi gehört zu den Ländern, die unter dem Treibhauseffekt besonders leiden. Seit 1993 stieg der Meeresspiegel hier pro Jahr um durchschnittlich sechs Millimeter - also fast schon 15 Zentimeter. Wenn nichts getan wird, wird das Wasser zum Ende des Jahrhunderts vermutlich 1,40 Meter höher stehen. Aber selbst wenn das Pariser Klimaabkommen umgesetzt würde, wären es noch 65 Zentimeter.

Auf manchen Fidschi-Inseln verlief die Küstenlinie vor ein paar Jahren noch 25 Meter weiter draußen. Zudem wird das Wetter extremer. Vergangenes Jahr nahm ein Wirbelsturm, wie es ihn hier noch nie gegeben hatte, 44 Menschen das Leben. Die höheren Wassertemperaturen gefährden die Korallenriffe und die Fischwelt.

Trotzdem ist das Interesse im Rest der Welt gering, zumal es Fidschi in der Region noch verhältnismäßig gut geht. Das Land hat immerhin Hügel und richtige Berge. Andere Inselstaaten wie Kiribati ragen am höchsten Punkt nur wenige Meter aus dem Wasser.

Pessimismus für die Zukunft

Auf die wichtigsten Verursacher der Erderwärmung, die Industriestaaten, sind sie in Narikoso nicht gut zu sprechen. Allerdings wissen die Leute, dass sie auch selbst Schuld tragen. Auch hier wurden über Generationen hinweg Mangrovenwälder abgeholzt - um zu heizen, zu kochen, zu bauen. Vielerorts löst sich der Sandboden jetzt auf wie Strickzeug, aus dem jemand die Nadeln gerissen hat.

„Natürlich sind wir Teil des Problems“, gibt der Fischer Saimono Vatu zu. „Die Leute haben sich einfach keine Gedanken gemacht.“ Inzwischen kostet es 1000 Fidschi-Dollar (etwa 410 Euro), wenn man beim Abholzen erwischt wird, mehr als ein monatliches Durchschnittseinkommen.

Was die Zukunft ihres 250 Jahre alten Dorfes angeht, sind die Leute in Narikoso pessimistisch. „Eines Tages wird das ganze Dorf auf einem Hügel stehen“, meint Saukitoga. „Wenn es überhaupt noch Leute gibt.“ Im letzten Jahrzehnt sind etwa hundert Dorfbewohner - so viele, wie es jetzt noch sind - auf andere Inseln gezogen.

Zudem ist die Umsiedlung ja auch keine Garantie, dass das Leben besser wird. Auf Fidschi sind inzwischen drei Dörfer komplett von der Küste wegverlegt worden. In den meisten Fällen haben sich die Leute damit abgefunden. Es gibt aber auch welche, die in ihre alten, beschädigten Häuser zurückzogen sind.

Christoph Sator, dpa

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