Fünf Jungforscherinnen ausgezeichnet

Wie eine Metallbox Pilzbefall bei Pflanzen automatisiert erkennt, bevor man eindeutige Symptome sehen kann, zeigt die Molekularbiologin Angelika Czedik-Eysenberg und bekommt dafür eines von fünf „For Women in Science“-Stipendien.

Fünf Nachwuchsforscherinnen aus den Bereichen Chemie, Biologie und Statistik nehmen heute die L’ORÉAL Österreich Stipendien FOR WOMEN IN SCIENCE in der Höhe von je 20.000 Euro an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften entgegen.

Die Stipendien werden jährlich von L’Oréal Österreich, der UNESCO und der Österreichischen Akademie der Wissenschaften vergeben. Eine der Stipendiatinnen ist die Molekularbiologin Angelika Czedik-Eysenberg, die untersucht, wie sich Pflanzen verändern, wenn sie von einem Pilz befallen sind.

Pilze in der „Phenobox“ erkennen

Mit einem Behälter, die etwa so groß wie eine Waschmaschine ist, will Angelika Czedik-Eysenberg den Pilzbefall von Pflanzen automatisch erkennen. Die „Phenobox“ registriert phänotypische Veränderungen von Pflanzen. Czedik-Eysenberg, die am Gregor-Mendel-Institut für molekulare Pflanzenbiologie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften forscht, erklärt: "Die Box hat innen eine Drehscheibe mit einem Motor. Auf der Scheibe dreht sich die Pflanze und eine Spiegelreflexkamera macht Bilder von ihr.“ Die Bilder werden automatisch analysiert und statistisch ausgewertet.

Die Phenobox

Untersuchungseinheit für Pflanzen
Angelika Czedik-Eysenberg

Die Software, die Pilzerkrankungen automatisch erkennt, hat Czedik-Eysenbergs Team selbst geschrieben. Die Idee ist der Biologin gekommen, als sie das Gras Brachypodium genauer untersuchte, das vom Pilz Ustilago bromivora befallen sein kann. Dieser Pilz zeigt sich durch schwarze Sporen in den Ähren der Pflanze – dort wo eigentlich die Samenkörner sein sollten: "Deutlich sehen kann man das erst, wenn die Pflanze geblüht hat. Wir haben herausgefunden, dass sich die Pflanze aber schon viel früher äußerlich verändert, wenn sie vom Pilz befallen ist. Sie wächst langsamer und ist weniger buschig.“ An Gräsern forscht Czedik-Eysenberg, weil auch Getreidepflanzen Gräser sind: „Bei Getreidesorten wie Reis, Mais oder Gerste gibt es problematische Pilzerkrankungen, die einen enormen Einfluss auf die Welternährungssituation haben.“

Ö1-Sendungshinweis

Dem Thema widmet sich auch ein Beitrag in Wissen aktuell: 22.11., 13:55 Uhr.

Die „Phenobox“ könne man generell dafür verwenden, Veränderungen von Pflanzen zu messen. Das sei nicht auf Pilzerkrankungen beschränkt: „Zum Beispiel kann ich auch herausfinden, wie eine Pflanze reagiert, wenn sie zu wenig von einem Nährstoff hat oder zu viel Hitze ausgesetzt ist.“ Die Baupläne will Czedik-Eysenberg frei zur Verfügung stellen: „Es gibt ja auch andere Lösungen, nur sind die meist unglaublich aufwendig und teuer. Das Material, das man braucht, um unsere Box nachzubauen, kosten nur etwa 3.000 Euro.“ Auch die entwickelte Software ist Open Source, kann also frei verwendet und modifiziert werden, „damit sie für die Bedürfnisse anderer Labors verändert werden kann“, so Czedik-Eysenberg.

Drei Stipendiatinnen von der MedUni Wien

Die vier weiteren Stipendiatinnen des L’ORÉAL Österreich Stipendiums FOR WOMEN IN SCIENCE beschäftigen sich alle mit Themen, die der menschlichen Gesundheit dienen sollen:

Die Chemikerin Laura Castoldi, PhD-Studentin der pharmazeutischen Chemie an der Universität Wien will Kohlenstoffverbindungen herstellen, die die Grundlage für Medikamente bilden sollen. Sie sucht neue Wege zur synthetischen Herstellung der chemischen Verbindungen: „Mein Ziel sind verlässliche, unkomplizierte chemische Umwandlungen, die breit angewendet werden können“, sagt Castoldi.

Für ihre Forschung zum Bauchspeicheldrüsenkrebs erhält die Genetikerin Katharina Rindler, Post-Doc am Institut für Krebsforschung der Medizinischen Universität Wien, das Stipendium. Weil sich der Bauchspeicheldrüsenkrebs sehr aggressiv im Körper ausbreitet und schwer zu erkennen ist, ist er eine der am häufigsten tödlich verlaufenden Krebsarten. Katharina Rindler beschäftigt sich mit der genetischen Struktur der Tumorzellen und will durch die Ausschaltung gewisser Gene im Labor besser verstehen, wie sich der Tumor im Körper breit macht.

Die Statistikerin und Mathematikerin Susanne Urach erhält das Stipendium für die Verbesserung statistischer Verfahren. Sie forscht im Rahmen ihres PhD-Studiums am Institut für Medizinische Statistik der Medizinischen Universität Wien daran, wie effektiver gemessen werden kann, ob Medikamente wirken. Sie möchte, dass mehrere Effekte in einer einzigen Studie getestet werden können, ohne dass das zu verfälschten Ergebnissen führt: „Durch bessere Verfahren wollen wir erreichen, dass weniger Patienten für klinische Studien benötigt werden und dass den Erkrankten effektive Medikamente möglichst rasch zur Verfügung stehen“, so Urach.

Ebenfalls an der MedUni forscht die Biochemikerin und Strukturbiologin Laura Dolores Gallego Valle. Sie beschäftigt sich am Zentrum für Medizinische Biochemie mit der Frage wie Histone durch das Protein Ubiquitin modifiziert werden. „Histone sind das ,Packmaterial der DNA‘. Mit ihrer Hilfe kann die DNA kompakt im Zellkern verstaut werden“, erklärt Gallego Valle. Die Art, wie DNA verstaut wird, sei relevant dafür, wie der Zugang zu einzelnen Genen und deren Aktivität reguliert ist. „Da eine fehlerhafte Aktivierung unserer Gene die Ursache unzähliger Krankheiten ist, ist es wichtig, die Mechanismen der Genregulierung besser zu verstehen.“

Katharina Gruber, Ö1-Wissenschaft

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