Der Yeti ist definitiv ein Bär

Der Yeti ist kein Schneemensch und kein Fabelwesen, sondern ein Bär vom Himalaya: Was schon öfters bewiesen wurde, bestätigten Forscher nun auf die bisher genaueste Art. Sie analysierten das Erbgut von „Yeti-Überbleibseln“ – u. a. aus dem Fundus von Reinhold Messner.

Schon 1998 hatte der Südtiroler Extrembergsteiger alle Spekulationen beendet, wonach der Yeti ein menschenähnliches Wesen oder eine unentdeckte Primatenart sein könnte. In einem Buch identifizierte ihn Messner eindeutig als Braunbären, der aufgrund seiner Größe und Statur aus der Ferne betrachtet menschenähnliche Züge hat.

Studie

”Evolutionary history of enigmatic bears in the Tibetan Plateau-Himalaya Region and the identity of the Yeti“, „Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences“, 29.11.17

Im Messner Mountain Museum in Südtirol lagern einige Fundstücke, die von „Yeti-Begegnungen“ stammen. Zusammen mit anderen Überbleibseln bildeten sie die Grundlage der Untersuchungen, die eine Gruppe um die Biologin Charlotte Lindqvist von der University of Buffalo im US-Bundesstaat New York nun in einer Studie vorgestellt hat.

Himalaya-Braunbären: Ein Weibchen und zwei Junge in einer Kamerafalle im Norden Pakistans
Norwegian University of Life Sciences und Snow Leopard Foundation
Himalaya-Braunbären: Ein Weibchen und zwei Junge in einer Kamerafalle im Norden Pakistans

Acht Bären – und ein Hund

„Wir haben u. a. zwei Objekte aus dem Messner-Museum genetisch untersucht: einen Zahn und eine Haarprobe“, so Lindqvist gegenüber science.ORF.at. „Das Haar gehört zu einem Tibetischen Braunbären, der Zahn zu einem Hund.“ Letzteres war eine Ausnahme: Die anderen der insgesamt 24 untersuchten Proben von neun „Yetis“ – neben Haaren und Zähnen auch Knochen, Gewebe und Stuhlproben aus mehreren Museen und Sammlungen – entpuppten sich allesamt als Überbleibsel von Asiatischen Schwarzbären, Himalaya-Braunbären und Tibetischen Braunbären.

Ö1-Sendungshinweis

Über das Thema berichteten auch die Ö1-Nachrichten, 29.11., 8.00 Uhr.

Zu diesem Schluss war auch schon eine Reihe früherer Studien gekommen. Lindqvist und ihre Kollegen legten aber die bisher umfassendste Untersuchung vor. Dafür entschlüsselten sie nicht nur die mitochondriale DNA (mtDNA) der neun „Yetis“, sondern auch 14 weiterer asiatischer Bären und verglichen sie dann mit derjenigen von Bären in anderen Teilen der Welt.

Charlotte Lindqvist
Icon Films Ltd.
Charlotte Lindqvist

Himalaya-Braunbär war isoliert

Tibetische Braunbären sind demzufolge mit denen in Nordamerika und Europa relativ eng verwandt. Himalaya-Braunbären hingegen haben sich evolutionär schon wesentlich früher, vor etwa 650.000 Jahren, abgespalten. In der damaligen Eiszeit hätten die Himalaya-Braunbären vermutlich über längere Zeit hinweg durch Gletscher abgetrennt und isoliert von den anderen gelebt, vermuten die Forscher.

Ihrer Einschätzung nach sind die Ergebnisse nicht nur wichtig, um die Herkunft der Tiere nachzuvollziehen, sondern auch für deren Gegenwart. „Die Himalaya-Braunbären sind vom Aussterben bedroht. Ihre Bevölkerungsstruktur und genetische Vielfalt zu klären kann auch helfen, ihre Bestände zu schätzen und Managementstrategien zu entwerfen“, so Lindqvist. Auch die Untersuchung weiterer „Yeti-Relikte“ könne dazu beitragen.

Reinhold Messner in dem Film "Yeti or Not?"
Icon Films Ltd.
Reinhold Messner in dem Film „Yeti or Not?“

“Menschen lieben Geheimnisse“

Die Forscherinnen gelangten zu den Überbleibseln über die britische Filmproduktionsfirma Icon, die dem Fabelwesen 2016 in dem Film „Yeti or Not“ nachgespürt hatte. Mit dabei waren sowohl Messner als auch Lindqvist – „wir haben uns aber leider beim Dreh nicht getroffen“, sagt die Biologin heute.

„Wissenschaftliche Arbeit kann helfen, Mythen zu erkunden und ihre biologischen Wurzeln freizulegen“, so Lindqvist. „Ich bin aber sicher, dass sie weiterexistieren. Der Yeti-Mythos ist wichtig für die Himalaya-Region und für die lokale Folklore – ähnlich wie Mythen in anderen Kulturen. Und selbst wenn es keine Beweise für Yetis und Co. gibt: Es ist unmöglich, komplett auszuschließen, dass sie dort, wo es die Mythen gibt, leben oder einmal gelebt haben – die Menschen lieben Geheimnisse!“

Lukas Wieselberg, science.ORF.at

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