Der Forscher unter den Habsburgern

Kaiserin Sisi und Michael Douglas haben eines gemeinsam: Sie beide schätzen bzw. schätzten den gleichen Landstrich im Nordwesten Mallorcas. Kultiviert hat die Idylle Ludwig Salvator – der Forscher unter den Habsburgern.

Ludwig Salvator (1847-1915) war ein Cousin von Kaiser Franz Joseph sowie Sohn von Leopold II., dem Großherzog der Toskana, und Maria Antonia von Neapel-Sizilien. Er erhielt eine umfassende Ausbildung im Sinn der Aufklärung und wurde ein Vorreiter als Wissenschaftler, Pazifist, Naturschützer und Schriftsteller.

TV-Sendungshinweis

„Ein Habsburger auf Mallorca – Ludwig Salvator und der Zauber des Meeres“ – 3sat, am 11.12.2017 um 21.05 Uhr: Erstausstrahlung einer TV-Doku von Rosa Maria Plattner.

Als Besitzer des „Kapitänspatentes der langen Fahrt“ und der Dampfsegelyacht „Nixe“ war er jahrzehntelang im Mittelmeerraum unterwegs, um das Interesse der Öffentlichkeit für unentdeckte Regionen zu wecken - von Alboran bis Zypern, von Triest bis an die nordafrikanische Küste. Sein besonderes Interesse galt der Erforschung damals unbekannter Inseln, deren Bewohnern sowie Flora und Fauna.

Der Chronist des Mittelmeeres hielt die Schönheiten der Inselwelt in prachtvollen Büchern fest. Für sein Monumentalwerk „Die Balearen. In Wort und Bild geschildert“ erhielt er auf der Pariser Weltausstellung 1889 die Goldmedaille.

Ausschnitt aus dem Salvator-Film
ORF/GS Film/Rosa Maria Plattner
Ausschnitt aus dem Ludwig-Salvator-Film

Die Historikerin Helga Schwendinger hat über Ludwig Salvator dissertiert und über 25 Jahre auf Mallorca gelebt – ist also berufen wie kaum eine andere, um anlässlich einer neuen TV-Doku Auskunft zu geben.

Wann ist Ludwig Salvator zum ersten Mal nach Mallorca gekommen?

Helga Schwendinger: 1867, bei einer großen Studienreise. Er war gleich von der Schönheit der Landschaft fasziniert und erwarb an der Nordwestküste der Insel das Landgut Miramar, aus dem er dann seinen Lebensmittelpunkt machte. Bis kurz vor seinem Tod 1915 kam er immer wieder auf die Mittelmeerinsel zurück. Ein Küstenabschnitt von 16 Kilometer Länge war sein kleines Fürstentum. Er kaufte nach und nach Landgüter, Weingärten und Grundstücke auf. Auf seinem Besitztum war die Jagd verboten, und es durften keine Bäume gefällt werden. Der Erzherzog errichtete hier eines der ersten Naturschutzgebiete und gilt als Pionier des sanften Tourismus.

Ludwig Salvator ließ viele Gebäude sanieren, aber nur ein einziges errichten …

Schwendinger: Ja, die S´Estaca bei Valldemossa, und zwar im sizilianisch-maurischen Stil. Dort wohnte seine Verwalterin, die eine große Rolle in seinem Leben spielte – Catalina Homar, die Tochter eines Tischlers. Catalina war intelligent und wissbegierig. Unter der Fürsorge des Erzherzogs lernte sie lesen und schreiben. Er nannte sie liebevoll „der einsame Spatz“. Die schöne und kluge Frau verwaltete das Anwesen mit Weingut und Olivenhainen zur vollsten Zufriedenheit Ludwig Salvators. Immer wieder erwähnte er ihr gutes Herz. Für ihn waren es „sonnige Tage für die Estaca.“

Ludwig Salvator galt auch als sehr gastfreundlich. Wissenschaftler und Künstler kamen zu Besuch, aber auch Kaiserin Sisi. Was hat die beiden verbunden?

Schwendinger: Sie sah sich als „verwandte Seele“ Ludwig Salvators. Während ihres zweiten Besuchs auf Mallorca im Jänner 1893 kam sie in die S´Estaca. Kaiserin Elisabeth hat dort auch Catalina getroffen und sich sehr gut mit ihr verstanden. Ludwig Salvator hat einmal geschrieben, dass „in beiden das menschliche Gefühl gleich wach war“.

Landschaft in der Nähe der S'Estaca
ORF/Rosa Maria Plattner
Landschaft in der Nähe der S’Estaca

Heute gehört das Gebäude dem Hollywood-Star Michael Douglas: Wie steht er zu Ludwig Salvator?

Schwendinger: Douglas hat die S´Estaca Anfang der 1990er Jahre erworben - gemeinsam mit seiner ersten, auf Mallorca aufgewachsenen Frau Diandra Luker. Dort, wo früher Ludwig Salvator seine Naturbeobachtungen in Wort und Bild festhielt, lud Douglas Prominente ein wie Jack Nicholson, Michelle Pfeiffer, Nicole Kidmann und Tom Cruise. Trotz ihrer Scheidung sind Douglas und Luker noch immer gemeinsam Eigentümer. Sie teilten sich bisher im Halbjahres-Rhythmus die Nutzung des Anwesens. Inzwischen wurde der Verkauf der Finca beauftragt – der Preis soll bei 36,5 Millionen Euro liegen. Bis heute ist Douglas ein großer Verehrer von Ludwig Salvator. In Valldemossa initiierte er das Informationszentrum „Costa Nord“, wo Ludwig Salvators Rolle als Vorbild für Nachhaltigkeit, als Naturschützer und adeliger Aussteiger dokumentiert wird.

Sie haben sich lange mit Ludwig Salvator beschäftigt: Worin liegt sein Vermächtnis?

Schwendinger: Er war sehr fortschrittlich in seinem Denken – ein Pazifist, der kurz vor dem Ausbruch des ersten Weltkriegs mit Bertha von Suttner in Austausch stand. Das Völkerverbindende war ihm wichtig. Seine Meinung war: Je mehr sich Menschen kennen lernen, desto weniger bekriegen sie sich. 1905 schrieb er „Eroberern, welche Hunderttausende zur Schlachtbank führten – ihnen wird ein Denkmal errichtet … Um die Geschichte wohltätiger Wesen, welche ihre Mitmenschen liebten, ihnen halfen, um die kümmert man sich kaum; ihre Stimme verhallt ungehört wie die der nützlichen Singvögel in der Waldesstille verklingt.“

Interview: Rosa Maria Plattner, Regisseurin; Bearbeitung: science.ORF.at

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