Stolz schützt vor Stürzen

Alle Jahr wieder veröffentlicht das „British Medical Journal“ zu Weihnachten kuriose Erkenntnisse aus der Welt der Medizin. Eine Auswahl: Stolze Menschen stürzen selten, Männergrippe gibt es wirklich - und in Vollmondnächten drohen Unfälle.

„Hochmut kommt vor dem Fall“ - Michael Daly hat sich von dem biblischen Sprichwort wissenschaftlich inspirieren lassen, allerdings in spezieller Lesart: Den Fall interpretiert der Psychologe von der University of Stirling nämlich im physischen Sinne.

Erhöht Hochmut die Sturzgefahr? Um das zu beantworten, durchforstete Daly die Gesundheitsdaten von 6.400 Engländer/innen der Altersgruppe 60 plus und führte das Ganze mit Ergebnissen einer Befragung zusammen. Resultat seiner Analyse: Einen solchen Zusammenhang gibt es tatsächlich, nur umgekehrt. Hochmut schützt statistisch gesehen vor dem Fall. Warum das so ist, bleibt unklar.

Warum Männer so stark leiden

Die sogenannte Männergrippe, also das Leiden der Männer an virusbedingten Unpässlichkeiten, war Forschungsgegenstand der kanadischen Medizinerin Kyle Sue. Wie sie im „British Medical Journal“ schreibt, reagieren Männer tatsächlich emfindlicher auf Influenza. Was sich unter anderem an Krankenhausstatistiken ablesen lässt.

Ihr Immunsystem scheint nicht so schnell anzuspringen wie jenes der Frauen - das haben kürzlich auch Immunologen bei einer Tagung festgestellt. Schuld daran dürfte der hormonelle Hintergrund sein, Östrogen stimuliert die Immunantwort, Testosteron hingegen hemmt sie. Den Faktor Wehleidigkeit hat Sue übrigens nicht untersucht. Witze über die Männergrippe dürfen also weiterhin erzählt werden.

Der Vollmond-Effekt

In die Kategorie „Wir haben es geahnt“ fällt eine Studie von Donald Redelmeier. Der Mediziner von der University of Toronto hat sich die Unfallstatistiken von Motorradfahrern in Kanada, Australien, Großbritannien sowie den USA angesehen - und dabei einen Zusammenhang mit den Mondphasen entdeckt.

Vollmond am Nachthimmel
APA/dpa-Zentralbild/Ralf Hirschberger
Bei Vollmond: Obacht im Straßenverkehr

Bei Vollmond war die Unfallgefahr messbar erhöht, besonders gefährlich sind laut Redelmeier Supermonde. Damit sind Vollmonde gemeint, bei denen sich der Trabant nahe dem erdnächsten Punkt seiner Umlaufbahn befindet und daher besonders groß erscheint. Redelmeier empfiehlt - wenig überraschend - sich in Vollmondnächten in defensivem Fahrstil zu üben und auf den Helm nicht zu vergessen.

Was die möglichen Ursachen betrifft, hält er sich leider weitgehend bedeckt. Möglich wäre, dass das Mondlicht schlicht vom Verkehr ablenkt. Der Zusammenhang könnte freilich auch indirekter Natur sein: Vollmond, schreibt Redelmeier, „fördert Freiluftaktivitäten jeglicher Art“. Mithin ein Beleg dafür, dass reine Beobachtungsstudien meist dort abbrechen, wo es spannend werden könnte.

Hausbesuche von Doktor Braunbär

Catherine Bell, praktische Ärztin in Sheffield, stellt sich seit längerem die Frage, warum ihre Patienten selbst mit geringfügigen Wehwehchen zu ihr in die Praxis kommen. Als Mutter eines Kleinkindes ist sie auch mit dem Kinderprogramm im TV vertraut. In der Serie „Peppa Wutz“ fiel ihr ein Motiv auf, das offenbar auch die Herausgeber des „British Medical Journal“ erhellend fanden.

Für alle, die die Serie nicht kennen: Peppa ist ein Ferkel, das allerlei Abenteuer im Kindergarten und auf dem Spielplatz erlebt. Wie der Alltag so ist, fangen sich auch Schweine mitunter eine Erkältung ein. Dann ist regelmäßig Doktor Braunbär zur Stelle: Er macht nicht nur umgehend Hausbesuche, er spart auch nicht mit Arzneien, um kleine Infektionen zu behandeln - mit Erfolg, seine Medikation wirkt immer. Das, notiert Bell, komme ihr irgendwie bekannt vor.

Robert Czepel, science.ORF.at

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