Äpfel, Stare und andere neue Stars

Bekannte und unbekannten Arten in Fauna und Flora haben Forscher zur „Natur des Jahres“ gewählt. Darunter: Stare, Welse, Tigerschnegel und Skorpionsfliegen sowie der Salzburger Rosenstreifling, ein seltener roter Apfel.

Naturschutzorganisationen und Wissenschaftler küren vor Jahreswechsel Lebewesen zur „Natur des Jahres“ http://naturschutzbund.at/natur-des-jahres.html), um auf ihre besondere Schutzbedürftigkeit hinzuweisen und unbekannte Arten in das Rampenlicht zu rücken.

Tier des Jahres: Der Igel

Zum „Tier des Jahres“ ernannte der Naturschutzbund Österreich den Igel. Er ist in der Dämmerung und Nacht aktiv und verschläft die kalte Jahreszeit, für die er sich einen formidablen Fettpolster anfressen muss, um zu überleben. Seine Nahrung sind Regenwürmer, Schnecken, Raupen, Käfer und Eier sowie Jungtiere bodenbrütender Vögel. Bei Gefahr rollen sich Igel zu einem Stachelball zusammen.

Sie werden im Schnitt vier Jahre alt, allerdings ist die Sterblichkeit beim ersten Winterschlaf hoch. Hauptfeind ist der Straßenverkehr. Der Igel gilt hierzulande vor allem als gefährdet, weil seine Lebensräume schwinden. Die Bestände unterstützen könne man laut Naturschutzbund mit einem „nicht allzu penibel aufgeräumten Garten mit Unterschlupfmöglichkeiten“.

Igel im Waldboden
Wilhelm Gailberger Piclease

Vogel des Jahres: Der Star

Obwohl man ihn immer noch in großen Scharen sieht, haben die Bestände des Stars in den vergangenen paar Jahren um die Hälfte abgenommen. Er wurde von BirdLife Österreich und dem Naturschutzbund Deutschland (NABU) zum „Vogel des Jahres“ gekürt. Aus der Entfernung ist er recht unscheinbar, bei näherer Betrachtung sieht man allerdings sein Gefieder prächtig metallisch glänzen.

Ö1-Sendungshinweis

Dem Thema widmet sich auch ein Beitrag in Wissen aktuell: 18.12., 13:55 Uhr.

Er kommt in Städten genauso wie auf dem Land vor, doch geeignete Lebensräume mit Brutmöglichkeiten und passender Nahrung sind vor allem durch die intensive Landwirtschaft im Schwinden. Außerdem wird er vor allem von den Winzern alles andere geschätzt, weil er sich gerne vor ihnen an die Lese der Weinbeeren macht. Dabei galt er noch Anfang des 20. Jahrhunderts als wichtiger Vertilger landwirtschaftlicher Schädlinge.

Nutztier des Jahres: Der Barockesel

Ein kaiserlich, königliches Relikt ist - wie schon im Vorjahr - „Nutztier des Jahres“: der österreichisch-ungarische weiße Barockesel. In dieser Zeit galten weiße Tiere als Botschafter des „Guten“, das bleiche Grautier wurde damals als Statussymbol gehalten. Es wird in der Regel 30 bis 40 Jahre alt und ist im Karpatenbecken und Ostösterreich zuhause.

Mit nur jeweils gut hundert Hengsten und Stuten ist der Barockesel selten geworden und somit hoch gefährdet. Ernannt wurde er von „Arche Austria“. Neben der Landschaftspflege obliegt ihm nach erfolgter Ausbildung etwa ein Job als Reitesel, Kutschenzieher, Tragtier für Wanderer oder Therapieassistent (Asinotherapie). Möglicherweise gibt es auch noch nicht registrierte Exemplare auf Bauernhöfen, die dort bei landwirtschaftlichen Tätigkeiten aushelfen.

Barockesel
Katharina Zoufal

Fisch des Jahres: Der Wels

„Fisch des Jahres“ darf sich der größte Wasserbewohner Österreichs als Auserwählter des Österreichischen Fischereiverbands, des Bundesamts für Wasserwirtschaft und des Österreichischen Kuratoriums für Fischerei nennen. Der Wels lebt tief in der Dunkelheit von Seen oder langsam fließender Gewässern und versteckt sich zudem gerne hinter Baumstämmen, im Wurzelwerk, in Höhlen und Spalten.

Der bis zu drei Meter große Räuber hört und riecht ausgezeichnet, dafür sind seine Augen vergleichsweise winzig. Mit seinen Barteln lockt er Beute an, und wenn sie nahe genug ist, reißt er sein riesiges Maul auf, wodurch der Sog seine Opfer in ebendieses befördert. Dies können Fische sein, Würmer, Schnecken, Insekten, Krebse, Frösche, aber auch Ratten, Mäuse und Vögel, die ins Wasser gelangt sind.

Außer Anglern hat er keine natürlichen Feinde und zählt oft bis zu 80 Jahren. Seine Bestände sind noch stabil, doch es fehlt ihm wie vielen anderen Fischen an seichten, bewachsenen Uferstellen zum Ablaichen. Deswegen wird er als gefährdet eingestuft.

Lurch des Jahres: Der Grasfrosch

Eine „Allerweltsart“, die allerdings zu den gefährdeten Tieren gehört, hat die Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde in Kooperation mit der Österreichischen Gesellschaft für Herpetologie zum „Lurch des Jahres“ gewählt: den Grasfrosch. Er ist bräunlich gefleckt und ausgewachsen sechs bis neun Zentimeter lang. Wenn die Temperaturen im Frühling über die Fünf-Grad-Marke steigen, wandern die Grasfrösche von ihren Winterverstecken in die Laichgewässer und gehören damit zu den ersten Amphibien, die sich nach der kalten Jahreszeit regen.

Sie fressen Insekten und Spinnentiere, Schnecken und Würmer. Gefressen werden sie wiederum von Mardern, Füchsen, Wildschweinen, Eulen, Greifvögeln, Reihern und Störchen. Fische und Molche laben sich außerdem an ihren Eiern und Kaulquappen. Mehr als diese natürlichen Feinde bedrohen ihn aber die Zerstörung seiner Lebensräume durch die intensive Landwirtschaft, sowie Pestizide und Straßen.

Weitere Auszeichnungen in der Tierwelt: die Gemeine Skorpionsfliege als „Insekt des Jahres", die Fettspinne als „Spinne des Jahres“ und der Tigerschnegel als „Weichtier des Jahres“.

Blume des Jahres: Der Ehrenpreis

Aber nicht nur in der Fauna wurde auch heuer wieder Arten des Jahres gekürt, sondern auch in der Flora: Zur „Blume des Jahres“ kürte der Naturschutzbund den „Langblättrigen Ehrenpreis“. Er säumt Flüsse an naturnahe Flussauen. Dieser Lebensraum sei einer der stärksten bedrohten Ökosysteme in Österreich.

Rund drei Viertel des auch für den Hochwasserschutz und CO2-Speicherung wichtigen Auenbestandes seien bereits verschwunden. Die lila Blüten des Langblättrigen Ehrenpreis sind im Hochsommer zu bewundern und traubenförmig. Oft laben sich Bienen, Hummeln und Fliegen an ihrem Nektar. Er ist auch als Garten- und Balkonpflanze beliebt.

Salzburger Rosenstreifling
Siegfried Bernkopf

Streuobstsorte des Jahres: Salzburger Rosenstreifling

Auch Kulturpflanzen können zu Ruhm und Ehren kommen, so wie der Salzburger Rosenstreifling als „Streuobstsorte des Jahres“. Da er immer mehr aus den Obstwiesen der Salzburger Bauern verschwindet, hat ihm ARGE Streuobst zu diesem Titel auserlesen. Es handelt sich hierbei um eine rote Apfel-Variante, die man frisch genießen oder für Saft und Most pressen kann. Die Bäume sind hinsichtlich des Bodens anspruchslos, bevorzugen aber sonnige Hänge.

Weiters ausgewählt wurden: der gestielte Tannen-Schwarzborstling als „Pilz des Jahres", das Echte Apfelmoos als „Moos des Jahres“ und die Fransen-Nebelflechte als „Flechte des Jahres“.

science.ORF.at/APA