2018 - das Jahr im All

Nach dem Krachen der Silvesterraketen nehmen bereits ihre großen Verwandten Aufstellung: Auf den Startrampen in Cape Canaveral, Kasachstan und Kourou laufen die Vorbereitungen für die Raumfahrtmissionen des neuen Jahres. Sie führen zu Merkur, Mond und Mars.

2018 wird so einige Premieren im All mit sich bringen. Gemeinsam mit den Japanern wollen die Europäer erstmals aufbrechen zum sonnennächsten Planeten Merkur. Dafür gebe es viele Gründe, sagt Johannes Benkhoff, Projektwissenschaftler für die Raumsonde „BepiColombo“ beim europäischen Weltraumforschungszentrum ESTEC im holländischen Noordwijk: „Bei Merkur handelt es sich um einen Planeten, der einfach noch nicht besonders gut untersucht worden ist.“

Dies berge eine gewisse Spannung. Merkur werde oft mit dem Mond verglichen, weil er ihm äußerlich ähnle und weil er der kleinste Planet sei. „Aber jedesmal, wenn wir Merkur untersuchen, entdecken wir etwas Neues, was mit dem Mond überhaupt nichts zu tun hat“, betont Benkhoff. „Merkur ist eben immer wieder für eine Überraschung gut!“

Raumsonde BepiColombo vor dem Planeten Merkur
ESA
BepiColombo: der Sonne entgegen - bis zum Planeten Merkur

Während „BepiColombo“ am Anfang einer mehrjährigen Entdeckungstour steht, beginnt es für „Dawn“ im neuen Jahr zu dämmern. Seit 2015 umkreist diese US-Raumsonde den Zwergplaneten Ceres im Asteroidengürtel.

Sendungshinweis:

Dem Thema widmet sich auch ein Beitrag im Ö1-Mittagsjournal vom 29.12.

Ihr Sprit wird in der zweiten Jahreshälfte aufgebraucht sein. Da es auf Ceres organische Moleküle geben könnte, wolle die US-Raumfahrtbehörde NASA diese möglicherweise bewohnbare Welt nicht mit irdischen Bakterien der Raumsonde infizieren, so Keri Bean, Dawn-Ingenieurin am Jet Propulsion Laboratory (JPL) im kalifornischen Pasadena. „Unser Plan ist, die Sonde am Ende ihrer Lebenszeit in einen Friedhofsorbit zu überführen.“

So wolle die NASA sicherstellen, dass „Dawn“ nicht in Kontakt kommt mit möglichem flüssigem Wasser. Der Friedhof der Sonde soll so aussehen: Dawn wird abgeschaltet und ihr Leben als einsamer, künstlicher Mond beenden, der Ceres für immer umkreist – ein ewiges Überbleibsel des Weltraumjahres 2018.

Besuch beim Mann im Mond

Auch Indien will etwas für die Ewigkeit hinterlassen, und zwar auf dem Mond: Im ersten Quartal des neuen Jahres soll die Mission „Chandrayaan-2“ einen Rover auf der Mondoberfläche platzieren. Damit dürfte es dort bald eng werden, denn auch fünf Firmen haben sich dieses Ziel gesetzt. „Wir reden hier über kleine Lander von der Größe eines Stuhls“, erklärt Bob Richards. Der Amerikaner ist einer der Gründer und der Geschäftsführer von Moon Express.

Lander MX-1 auf dem Mond
Moon Express, Inc.
Einer der Favoriten im Wettrennen zum Mond: der Lander von Moon Express

Mit der gleichnamigen Sonde will das Unternehmen in wenigen Wochen als erste Privatfirma auf dem Mond landen und einen Rover einen halben Kilometer über die Oberfläche fahren lassen. Gelingt dies, gewinnt das US-Team den mit 30 Millionen Dollar dotierten Lunar X Prize. Doch es sind noch vier andere Firmen im Rennen. Wer zuerst erfolgreich fliegt, bekommt das Geld.

Zweite Generation des „Drachens“

Darum geht es auch dem kalifornischen Unternehmen SpaceX, das – gegen Bezahlung – seit sechs Jahren die Internationale Raumstation mit Nachschub von der Erde versorgt, gut verpackt an Bord seiner „Dragon“-Kapseln. 2018 soll erstmals die „Dragon V2“ starten, die zweite Version des „Drachen“. „Das ist das Vehikel, das Menschen ins All tragen wird, und zwar bis zu sieben Passagiere“, erklärt Gwynne Shotwell, die Präsidentin von SpaceX. Es handelt sich um eine wiederverwendbare Kapsel. Die Konfiguration ist ein wenig anders als bei den bisherigen Dragon-Raumschiffen: In den unbemannten Kapseln gibt es Regale für die Nutzlasten, in den bemannten wird es Sitze für die Astronauten geben.

Vier Landebeine tragen das Raumschiff. Sie fahren kurz vor dem Aufsetzen unten aus dem - ebenfalls verbesserten – Hitzeschild heraus. Das Raumschiff selbst hat die typische, konisch gebaute Kapselform. Es ist etwa drei Meter hoch, im oberen Teil weiß und an den Seiten und unten schwarz. Seitlich am Rumpf befinden sich Notfalltriebwerke, falls sich die Kapsel bei einem Fehlstart blitzschnell von der Trägerrakete lösen muss. Ein Großteil der Technik und des Landesystems ist jedoch von außen unsichtbar.

Zweimal will SpaceX im neuen Jahr die zukünftige Passagierkapsel „Dragon V2“ starten – zunächst zu einem unbemannten Testflug, dann erstmals mit Astronauten. Dies wäre dann der erste bemannte Weltraumstart der USA seit dem Ausmustern der Space Shuttles 2011. Es sei denn, der Luft- und Raumfahrtkonzern Boeing kommt SpaceX zuvor. Denn im neuen Jahr will auch Boeing seine Kapsel, den „Starliner“, zweimal in eine Erdumlaufbahn schicken – ebenfalls einmal unbemannt, einmal mit Astronauten, auf dem Weg zur ISS, genauso wie SpaceX. Wettbewerb im Weltraum.

Wachablöse auf dem Mars

Und wie könnte ein Jahr im All vergehen ohne den obligatorischen Flug zum Mars? Diesmal ist die US-amerikanische Mission „InSight“ an der Reihe. Im November soll die Sonde beim Roten Planeten ankommen – einen Monat bevor für eine andere Marssonde die Lichter ausgehen. Silvester 2018 will die ESA bei „MarsExpress“ den Stecker ziehen. Fast 15 Jahre lang wird diese europäische Raumsonde dann den Mars umkreist haben. Das wird sie nach Silvester weiterhin tun, dann aber funktionslos.

„’MarsExpress’ wird in dem gleichen, stabilen Orbit bleiben, den sie derzeit schon hat“, so Gerhard Kminek, der Planetenschutzbeauftragte der ESA. „Dort kann sie noch für mindestens 50 Jahre den Mars umkreisen und damit die internationalen Richtlinien zum Planetenschutz leicht erfüllen.“ Hintergrund dafür ist: Wenn ein Orbit für 50 Jahre stabil ist, ist er meistens auch noch wesentlich länger stabil. Hauptsache, „MarsExpress“ stürzt nicht auf den Mars und verseucht den Planeten mit Bakterien von der Erde.

Das neue Jahr also wird ein Jahr der Abschiede von der einen oder anderen Mission werden. Aber auch der Beginn für neue Abenteuer im All.

Guido Meyer, science.ORF.at

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