Zwei „Rülpser“ im Sternbild Bärenhüter

Astronomen haben ein Schwarzes Loch beim „Verspeisen“ riesiger Gaswolken beobachtet. Der Hergang ist äußerst ungewöhnlich und regt die Forscher zu Assoziationen aus dem Bereich der Verdauung an.

SDSS J1354+1327 heißt die im Sternbild Bärenhüter gelegene Galaxie, von der ein Team um Julie Comerford von der University of Colorado in Boulder nun berichtete. In ihrem Zentrum befindet sich ein supermassives Schwarzes Loch, millionenfach schwerer als unsere Sonne.

Das wäre an sich noch nichts Besonderes, denn Schwarze Löcher dieser Größenklasse gibt es in fast in jeder Galaxie (auch in der Milchstraße), wo sie das tun, was sie am besten können: Sie saugen Materie auf.

Bevor die Materie für immer in dem kosmischen Schlund verschwindet, spielt sich regelmäßig ein spektakuläres Schauspiel ab. Sie verdichtet sich zu einer rotierenden Scheibe, heizt sich durch Reibung auf und strahlt zwischenzeitlich so hell wie ein Stern. Das ist es, was Astronomen von solchen aktiven Galaxienkernen sehen können. Das war auch bei SDSS J1354+1327 so, außerhalb der Norm war allerdings ein Detail dieses Vorgangs.

Nachbargalaxie liefert Nachschub

Wie Comerford und ihre Kollegen im „Astrophysical Journal“ schreiben, bestand das kosmische Mahl in diesem Fall aus zwei Gängen. Das Schwarze Loch sog verdichtete Gaswolken auf, erstrahlte in hellem Licht, 100.000 Jahre später wiederholte sich das Ganze noch einmal. Dass Schwarze Löcher dazu prinzipiell imstande sind, hatten bereits Modelle nahegelegt. Beobachtet wurde so etwas bisher noch nie.

Das Zentrum der Galaxie SDSS J1354+1327 erstrahlt in hellem Licht
NASA , ESA, J. Comerford (University of Colorado-Boulder)
Leuchtende Reste: Rund um das Schwarze Loch blieben zwei Portionen ionisiertes Gas übrig

Comerford sieht sich dabei an ein medizinisches Phänomen erinnert: „Wir haben dieses Objekt dabei beobachtet, wie es speist, rülpst und schläft und dann wieder speist, rülpst und schläft, so wie es die Theorie vorhersagt.“

Dass sich das Schwarze Loch Materie innerhalb so kurzer Zeit - jedenfalls nach kosmischen Maßstäben - in zwei Tranchen einverleibte, liegt daran, dass SDSS J1354+1327 mit einer Nachbargalaxie kollidiert war, die offenbar materiellen Nachschub lieferte. Die Galaxie ist übrigens 800 Millionen Lichtjahre von der Erde entfernt. Der nun beobachtete Vorgang fand also zu einer Zeit statt, als auf der Erde gerade die ersten Vielzeller entstanden.

Robert Czepel, science.ORF.at

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