Neues Mittel gegen Bienenschädling

Forscher haben ein neues Mittel gegen die von Imkern gefürchtete Varroamilbe entdeckt: Lithiumchlorid soll befallene Bienenstöcke von dem Schädling befreien. Die Milbe zählt zu den gefährlichsten Feinden der Bienen. Sie kann ein Bienenvolk komplett ausrotten.

Bisher mussten Imker befallene Bienenstöcke mit aggressiven organischen Säuren oder chemischen Milbenbekämpfungsmitteln behandeln, die allerdings Resistenzprobleme und Rückstände verursachen. Lithiumchlorid sei hingegen nicht nur einfach herzustellen und relativ preiswert, erklären die Forscher.

Nach bisherigen Erkenntnissen habe das Mittel auch keine gefährlichen Nebenwirkungen für Bienen, Imker oder Verbraucher und komme in der Natur reichlich vor. Auch für eine Ablagerung im Honig gebe es bisher keine Anzeichen.

In Zuckerwasser verfüttert

Die weltweiten Vorräte des Leichtmetalls Lithium werden auf mehr als 40 Millionen Tonnen geschätzt. Als Lithiumchloridsalz findet es sich in Salzlaugen, Salzseen und Heilquellen. Das leicht in Wasser lösliche Salz wird unter anderem als Trocknungsmittel und Enteisungslösung verwendet. In der Humanmedizin wird es seit Mitte des 20. Jahrhunderts als Antidepressivum eingesetzt.

Von Varroamilben befallene Jungbiene
Universität Hohenheim / Bettina Ziegelmann
Von Varroamilben befallene Jungbiene

Lithiumchlorid kann Bienen in Zuckerwasser aufgelöst gefüttert werden. Bei den Versuchen der Forscher von der Universität Hohenheim in Deutschland reichten bereits geringe Mengen der Salzlösung aus, um innerhalb weniger Tage die auf den Bienen aufsitzenden Milben abzutöten.

Bevor der Wirkstoff als Medikament für Bienen auf den Markt kommen kann, sind weitere Tests zum Beispiel zur genaueren Dosierung nötig. Derzeit laufen den Angaben zufolge bereits Gespräche mit Unternehmen. Experten beobachten das Bienensterben seit Längerem mit großer Sorge. Als Grund gelten neben der Varroamilbe der vermehrte Einsatz von Insektiziden in der industrialisierten Landwirtschaft und Umweltveränderungen.

science.ORF.at/APA/AFP

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