Testlauf für Schüler-Marsrover

In der Wüste Omans herrschen Bedingungen wie auf dem Mars. Das Österreichische Weltraum Forum startet dort deshalb nächste Woche eine Marssimulation. Mit dabei: ein windbetriebener Marsrover, den Schüler aus Wien entwickelt haben.

Der Wind soll den Rover der drei Schüler der Sir Karl Popper Schule über die Oberfläche des Mars rollen lassen. Deshalb haben sie ihn „Tumbleweed“ genannt, zu Deutsch „Steppenroller“. Der Prototyp des Tumbleweeds ist nun mit an Bord bei AMADEE-18, der zwölften Marssimulation des Österreichischen Weltraum Forums (ÖWF).

In der Region Dhofar im Südwesten des Omans wird Tumbleweed gemeinsam mit 14 anderen Projekten zwischen 8. und 28. Februar auf seine Einsatzfähigkeit am Mars getestet. Die omanische Wüste sei der Marsoberfläche sehr ähnlich und deshalb gut für solche Experimente geeignet, heißt es beim ÖWF.

Kugelform für schnelles Datensammeln

Leichter und billiger als die üblichen Marsrover soll das Tumbleweed sein, denn es sei keine der üblichen „Kisten auf sechs Rädern“, erklärt der Schüler Julian Rothenbuchner vom Team Tumbleweed. Das kugelförmige Gefährt besteht nämlich aus einem Gerüst aus Plastikstangen, auf dem Segel gespannt sind. In der Mitte des Tumbleweeds befindet sich ein kleiner Kasten mit Sensoren, Kameras, Solarakku und der notwendigen Software. Die Mission des windbetriebenen Gefährts: schnell Daten über Wind, Wetter und Bodenbeschaffenheit großer Gebiete sammeln. Den Strom zur Datensammlung liefern Solarzellen auf den Segeln.

Simulation Tumbleweed
Team Tumbleweed
So könnte Tumbleweed im Einsatz aussehen

Ö1-Sendungshinweis

Dem Thema widmet sich auch ein Beitrag in Wissen aktuell: 30.1., 13:55 Uhr.

„Mit den Satelliten und Rovern, die jetzt schon am Mars sind, kann man nur gewisse Gebiete erreichen und einige Informationen fehlen daher“, erklärt Rothenbuchners Mitschüler Moritz Stephan: „Tumbleweeds könnte man mehrere aussetzen, die dann schnell größere Gebiete abdecken und für die teureren Rover vorselektieren, welche Objekte sie untersuchen sollen.“

Weitertüfteln für den Einsatz am Mars

Mit einem Vorgängermodell haben die 17- bis 18-jährigen Schüler und ihr Physiklehrer Josef Pürmayr vergangenen Sommer den europaweiten Jugendbewerb „Youth for Space Challenge – ODYSSEUS II“ gewonnen. In der omanischen Wüste soll nun getestet werden, ob der Rover so rollt, wie er soll, und ob er die Daten korrekt sammelt und verarbeitet. Gearbeitet wird noch daran, dass Tumbleweed automatisch ein- und ausfährt, dass sich seine Bewegungen besser steuern lassen und dass es auch gestoppt werden kann.

Tumbleweed-Team
Katharina Gruber, ORF
Tumbleweed-Team: Physiklehrer Josef Pürmayr (li.) mit seinen Schülern Stefan Rietzinger, Moritz Stephan und Julian Rothenbuchner

Einen Einsatz am Mars sehen die Schüler noch in weiter Ferne, Gedanken darüber machen sie sich dennoch. Hundert Tumbleweeds würden sie gerne auf den Mars schicken, erklärt Stefan Rietzinger: „Wir würden sie im Marssommer auf den Mars schicken, wenn hohe Winde erwartet werden. Man würde sie zu den Polen hinaufstellen und sie würden zum Äquator hinuntertumbeln.“

Physiklehrer Pürmayr dazu: „Dadurch könnten wir die prognostizierten Winde noch genauer erforschen. Würde man eine Marsmission mit Menschen planen, wären diese Informationen sehr wichtig.“ Und wenn ein Tumbleweed am Mars nicht mehr weiterrollt? Dann hätte man eben eine lokale Wetterstation – oder vielleicht sogar den idealen windstillen Platz für eine bewohnte Marsstation in der Zukunft gefunden.

Katharina Gruber, Ö1-Wissenschaft

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