Hör mal, wer da hämmert

Wenn Spechte mit ihrem Schnabel auf den Baumstamm hämmern, dann geht es dabei nicht nur ums Fressen. In den Klopfgeräuschen ist auch eine Botschaft versteckt. Sie lautet: „Hier bin ich!“

Im akustischen Fach waren die Vögel immer schon gut. Zebrafinken haben einen individuellen Gesangstil - und erkennen so ihre Lebensabschnittspartner auch auf Distanz. Junge Königspinguine wiederum erkennen die Stimmen ihrer Eltern selbst im Großkonzert einer tausendköpfigen Kolonie.

Specht sitzt auf einem Ast
Michal Budka

Das Gezwitscher (oder Gekrächze, je nach Art) erzeugen die Vögel jedenfalls ähnlich wie wir Menschen mit Hilfe eines Stimmapparates, Syrinx genannt. Das ist allerdings nicht die einzige Möglichkeit.

Jeder Specht klopft anders

Spechte beispielsweise sind für ihre weithin hörbaren Klopfgeräusche bekannt, die beim Hämmern auf Baumstämme entstehen. Das tun sie, um an Insekten in der Borke zu gelangen - aber nicht nur, wie der polnische Biologe Michal Budka nun berichtet.

Fazit der Studie im Fachblatt „Plos One“: Jeder Specht klopft anders. Vermutlich dient das Klopfen auch der Kommunikation unter Artgenossen. (Audio: Specht im Originaltempo sowie vierfach verlangsamt.)

Das legt zumindest ein Computermodell nahe, mit dessen Hilfe Budka und seine Kollegen die Klopfgeräusche analysiert haben. 86 Prozent aller Aufnahmen konnten die Forscher so anhand von Rhythmus und Frequenz individuellen Spechten zuordnen. Laut Budka spricht vieles dafür, dass das auch die Spechte schaffen. „Ich halte das für sehr wahrscheinlich, denn Vögel hören generell viel besser als wir Menschen es tun“, so Budka im Gespräch mit science.ORF.at. „Ich glaube, dass das Klopfen der Spechte dem Gesang von Singvögeln ähnelt.“

Ein Fitness-Signal?

Möglicherweise ist das Klopfen sogar ein Signal, das über die Fitness der Vögel Auskunft gibt. Anstrengend ist es allemal: Der Helmspecht etwa hämmert bis zu 20 Mal pro Sekunde gegen das Holz, 12.000 Mal pro Tag. Wie Forscher von der Boston University School of Medicine letzte Woche herausgefunden haben, fordert die dauernde Klopferei mit den Jahren ihren Tribut.

Im Gehirn von Spechten lassen sich nämlich Anzeichen von Gehirnerschütterungen nachweisen - was angesichts der wirkenden Kräfte nicht verwundert: Rammt der Vogel seinen Schnabel ins Holz, wirkt beim Aufprall die 1.200-fache Erdbeschleunigung.

Robert Czepel, science.ORF.at

Mehr zu diesem Thema: