Protein soll „Mauern zum Einstürzen“ bringen

Die junge Molekularbiologin Nicole Heinzl hat einen Ansatz gefunden, wie man Krebs eines Tages besser bekämpfen könnte - und zwar über das Protein p53. Das verschaffte ihr den Sieg beim „Falling Walls“-Wettbewerb in Wien.

„Ich bin überwältigt und kann es noch gar nicht glauben. Es gibt in jedem Fall einen riesigen Motivationsschub“, sagt die 24-jährige Molekularbiologin von der Medizinischen Universität Wien, kurz nachdem sie sich gegen elf Nachwuchsforscher beim „Falling Walls Labs Austria“ durchsetzen konnte.

Drei Minuten hatten die Teilnehmer jeweils Zeit, um eine achtköpfige Jury davon zu überzeugen, dass ihre Forschungsidee „Mauern zum Einstürzen“ bringen kann. science.ORF.at hat vorab über den Bewerb am Freitag berichtet.

Nicole Heinzl, Gewinnerin des Falling Walls Labs 2018
ORF - Ruth Hutsteiner
Nicole Heinzl, Gewinnerin des Falling Walls Lab 2018

Prionen als Schlüssel zur Krebstherapie?

Seit zwei Jahren sucht die Molekularbiologin nach einer Möglichkeit, wie Krebs besser bekämpft werden kann. Zu oft zeigt sich der Körper nämlich gegenüber einer Therapie resistent, wodurch die Tumore nicht behandelt werden können. Der Schüssel heißt Heinzl zufolge p53: „Grundsätzlich hat das Protein jeder von uns im Körper, und wenn es normal funktioniert, wenn wir gesund sind, dann beschützt es uns vor Krebs. Wenn es aber mutiert ist, dann begünstigt es die Entstehung von Krebs bzw. von Therapieresistenzen.“

Entwickelt sich das mutierte Protein im Körper weiter und faltet sich zu sogenannten Prionen, könnte das allerdings wiederum das Leben der Patienten verlängern, so die Molekularbiologin. „Wir in unserer Arbeitsgruppe sind im Moment die ersten, die zeigen, dass diese p53-Prionen wirklich eine Relevanz haben, wenn es um das Überleben der Patienten geht.“

Ö1-Sendungshinweis

Diesem Thema widmet sich auch ein Beitrag in „Wissen aktuell“ am 16.4. um 13:55.

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p53-Prionen erhöhen Überlebenschance

Konkret leben 70 Prozent der Patienten mit einer hohen Anzahl an Prionen auch fünf Jahre nach Therapiebeginn noch, unabhängig von anderen Faktoren, wie etwa dem Stadium des Tumors. Jene mit keinen oder wenigen Prionen hingegen überlebten nur zu knapp 25 Prozent. „Dass man somit Krebs, zumindest zum Teil, auch als Prionenerkrankung anzusehen hat, ist ein komplett neues Forschungsfeld.“ Warum das Protein das macht und wie man sich diesen Mechanismus für eine bessere Therapie zunutze machen kann, will Heinzl nun in ihrem Doktorat untersuchen.

Für die Juryvorsitzende Helga Nowotny ist dies ein Forschungsansatz, der „Mauern zum Einstürzen“ bringen könnte. „Das ist eine Idee, die das Potenzial hat, etwas zu bewirken.“ Davon gilt es im Herbst auch die Jury beim großen Finale in Berlin zu überzeugen, dem Ursprung des Wettbewerbs. Dieser geht auf den Fall der Berliner Mauer zurück und ist Symbol dafür, dass Mauern und Hürden in der Forschung niedergerissen werden und sich junge Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen aus aller Welt vernetzen.

Gewinner des Falling Walls Labs 2018
ORF - Ruth Hutsteiner
Die ersten Drei des Falling Walls Lab 2018

Noch ein weiteres Ticket zu vergeben

Neben Nicole Heinzl haben auch noch die beiden Zweitplatzierten - der Mathematiker und Physiker Donald Ruggiero Lo Sardo sowie die Medizininformatikerin Cosima Prahm, beide von der Medizinischen Uni Wien, - die Chance, das zweite Ticket nach Berlin zu lösen.

Während Lo Sardo versucht, das Gesundheitssystem auf eine immer älter und kränker werdende Gesellschaft vorzubereiten und logistisch effizienter zu rechnen, hat Cosima Prahm eine App entwickelt, mit der Menschen nach einer Amputation spielerisch trainieren können, die einzelnen Muskelstränge getrennt zu bewegen. Auf diese Weise lässt sich eine High-Tech-Hand beispielsweise mit einem Muskelsignal öffnen und mit dem anderen schließen. Das bedarf allerding viel Übung. „Die Rehabilitation dauert sechs bis 24 Monate und ist ein sehr repetitiver und langwieriger Prozess. Da verlässt uns die Motivation der Patienten recht schnell.“

Die Idee zur App und damit zum Ansatz, die Reha spielerisch zu gestalten, entstand übrigens in der Wohngemeinschaft der Nachwuchsforscherin. „Da wir eine sehr videospielaffine WG sind, die aus vielen Informatikern und einem Gamedesigner besteht, hat sich das so ergeben.“

Wie erste Untersuchungen zeigen, üben die Patienten mit der App tatsächlich mehr und können die Muskeln besser separat steuern. Wer von den beiden zweitplatzierten Nachwuchstalenten letztlich mit nach Berlin fährt, wird in einem Mini-Wettbewerb im Sommer bei den Technologiegesprächen in Alpbach entschieden.

Ruth Hutsteiner, Ö1-Wissenschaft