Standort: science.ORF.at / Meldung: "Jahrhundertealtes Rätsel geknackt "

Mathematische Formel

Jahrhundertealtes Rätsel geknackt

Tausend Jahre hat ein persischer Mathematiker seine Nachfolger damit beschäftigt, eine von ihm gestellte Aufgabe zu lösen. Nun ist es einem internationalen Team zu einem großen Teil gelungen. Die Forscher rechneten dafür mit Zahlen, die so groß sind, dass sie per Hand ausgeschrieben von der Erde zum Mond und wieder zurück reichen würden.

Mathematik 22.09.2009

Simple Frage

Schon Schüler lernen, wie man die Fläche eines rechtwinkeligen Dreiecks berechnet. Wenn man die Aufgabe nur ein wenig ändert, kann aus einer einfachen Rechnung aber ein komplexes mathematisches Problem werden.

Dabei klingt die Frage simpel: Wie viele rechtwinkelige Dreiecke gibt es, deren Flächen die Größe einer ganzen Zahl haben und deren Seitenlängen ebenfalls ganze Zahlen oder ein Bruch daraus sind. Die Flächen solcher Dreiecke werden als kongruente Zahlen bezeichnet. Das Problem besteht nun darin, für jede beliebige ganze Zahl zu überprüfen, ob es sich um eine solche handelt.

Harte Nuss

Bild Dreieck

Rechtwinkeliges Dreieck mit den ganzzahligen Seitenlängen 3, 4 und 5.

Manche dieser Lösungen kannte man schon. Das aus der Schule bekannte Dreieck mit den Seitenlängen 3, 4 und 5 besitzt zum Beispiel eine Fläche von sechs Quadrateinheiten. Es ist das kleinste rechtwinklige Dreieck, dessen Seitenlängen ganze Zahlen sind. Unterbieten lässt sich das noch mit Brüchen: Das kleinste aus der Gruppe solcher Dreiecke misst die Fläche 5 und die Seitenlängen 3/2, 20/3 und 41/6.

Mathematiker aus Nord- und Südamerika, Europa und Australien haben nun immerhin einen Teil der Lösung gefunden: Unter den möglichen Dreiecken mit der Fläche eins bis eine Billion (einer Eins mit 12 Nullen oder 1.000.000.000.000) gibt es immerhin 3.148.379.694 Dreiecke, die die Anforderung erfüllen.

Lange Geschichte

Das Rätsel geht auf den iranischen Mathematiker Al-Karaji (953-1029) zurück. Im Lauf der Zeit konnten immer wieder Beweise für kongruente Zahlen geliefert werden, doch erst 1915 wurden alle kongruenten Zahlen bis 100 bewiesen und noch 1980 war der Beweis für einige Zahlen unter 1.000 ausständig.

Erste Schritte gelangen dem Mathematiker Leonardo Fibonacci im Jahr 1225, der für die Zahlen Fünf und Sieben zeigen konnte, dass sie kongruente Zahlen sind. Für die Zahl Eins behauptete er, dass sie keine sei, blieb den Beweis aber schuldig. Ihn erbrachte Pierre de Fermat im Jahr 1659.

Neue Software

Wenn man weiter rechnet, werden die Zahlen jedoch irgendwann so groß, dass sie heutige Rechner nicht mehr einfach verarbeiten können. Für die jetzt veröffentlichte Lösung haben die Wissenschaftler daher ein eigenes Programm geschrieben, um mit diesem Rechenaufwand fertig zu werden.

Das Programm wollen die Forscher gratis bereitstellen. Wer also einen besseren Rechner hat, kann versuchen, den Rekord zu brechen oder ähnliche Aufgaben zu lösen. Mit leistungsfähigeren Computern könnten dann auch weitere theoretisch schon von anderen Mathematikern erstellte Reihen überprüft werden, die bis zu einer Billiarde Lösungen untersuchen (einer Eins mit 15 Nullen).

Zwei Computer

An dem Problem weiter gearbeitet haben nun zwei Gruppen: Bill Hart von der Universität Warwick in Großbritannien mit Gonzalo Tornaria von der Universidad de la Republica in Uruguay sowie Mark Watkins von der Universität Sidney mit Robert Bradshaw von der Universität Washington in Seattle.

Da bei solch aufwendigen Rechnungen Fehler durch die Komplexität und die Computer passieren können, haben die Wissenschaftler unabhängig gearbeitet und zwei verschiedene Computer mit zwei unterschiedlichen Algorithmen rechnen lassen.

Finanziell unterstützt wurden die Gruppen vom American Institute of Mathematics. "Alte Probleme wie dieses wirken manchmal obskur, aber sie erzeugen viel interessante und brauchbare Forschung, wenn sich Menschen ihnen auf neuen Wegen nähern", sagt dessen Direktor Brian Conrey.

Weitere Rätsel

Rätsel, an denen Mathematiker lange Zeit zu kauen hatten, gab es immer wieder. Jener Fermat etwa, der sich auch mit den kongruenten Zahlen beschäftigte, behauptete im 17. Jahrhundert, dass der pythagoreische Lehrsatz (a2+b2=c2) nur mit dem Quadrat und keiner anderen Potenz funktioniert (wenn a,b und c nicht Null sind).

Die Studie (10 MB!) von Andrew Wiles:
"Modular elliptic curves and Fermat's last theorem" in den "Annals of Mathematics" .

Gelöst haben das Problem erst 1995 der britische Mathematiker Andrew Wiles.

Ein weiteres Beispiel ist das sogenannte Vier-Farben-Problem. Der südafrikanische Mathematiker Francis Guthrie vermutete 1852, dass vier Farben ausreichen, um eine Landkarte so einzufärben, dass keine zwei benachbarten Länder die gleiche Farbe zeigen. Mathematisch bewiesen wurde dies erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, als mit Computern gerechnet werden konnte.

Mark Hammer, science.ORF.at

Mehr zum Thema:

Die ORF.at-Foren sind allgemein zugängliche, offene und demokratische Diskursplattformen. Die Redaktion übernimmt keinerlei Verantwortung für den Inhalt der Beiträge. Wir behalten uns aber vor, Werbung, krass unsachliche, rechtswidrige oder beleidigende Beiträge zu löschen und nötigenfalls User aus der Debatte auszuschließen. Es gelten die Registrierungsbedingungen.

Forum

 
  • Die Frage war, bitte schön,

    tantemaria, vor 872 Tagen, 13 Stunden, 16 Minuten

    wieviele es überhaupt gibt und nicht wieviele es unter einer Billion gibt. DAHER: Nochmals Steuermillionen investieren für bessere Forscher und schnellere Computer.

  • immerwieder schön ....

    nelson, vor 872 Tagen, 17 Stunden, 15 Minuten

    ... zu sehen für was forschungsgelder ver(sch)wendet werden.

  • was wurde hier bewiesen?

    albundyfan, vor 873 Tagen, 20 Stunden, 41 Minuten

    ein beweis ist doch nicht, wenn man einen leitungsfähigen rechner hat und dann für eine bestimmte zahlenreihe ausrechnet, ob eine annahme stimmt...
    wenn man so vorgeht, dann weiß man nicht, ob dies für die nicht überprüften bereiche auch gilt.

    ein beweis ist aber so eindeutig, daß man nicht mit zahlenreihen die formel füttern muß und am ende sieht, ob die annahme für diese zahl stimmt oder nicht sondern man weiß, ohne nachzurechnen, durch den theoretischen beweis, daß die annahme stimmt.

  • Was sollen das für mathematische Beweise sein

    hosenbeisser, vor 874 Tagen, 7 Stunden, 55 Minuten

    wo irgendwelche Rechner wie wild ein bisserl was herumrechnen.

    Das mag in speziellen, endlichen und stark abgegrenztzen Fällen ja nett sein. Aber die Mathematik lebt davon, Zusammenhänge allgemein zu zeigen und nicht wie der Techniker nur für bestimmte Intervalle irgendeine Gültigkeit darzustellen.

  • gleichschenkelig _und_ rechtwinkelig?

    slartibartfast, vor 874 Tagen, 9 Stunden, 31 Minuten

    das geht nur im grenzfall, wenn einer der nicht 90-grad winkel gegen 0 geht. da wird dann aus dem dreieck eine linie.

    • zlozale, vor 874 Tagen, 7 Stunden, 53 Minuten

      gleichschenkelig und rechtwinkelig soll nur in einem grenzfall gehen, bei dem beide (!!!! weil sie ja gleich groß sein müssen) nicht-90%-winkel gegen null gehen?!
      na dann schau dir mal ein handelsübliches geodreieck an! genau das ist ein gleichschenkeliges rechtwinkeliges dreieck, die winkel 2x45° und 1x90° (also ganz wie es sich für ein ordentliches dreieck in der ebene gehört, zusammen 180°)

    • du realisierst seine aussage nicht.

      archetyp, vor 873 Tagen, 14 Stunden, 2 Minuten

      er meint bei gleicher länge a und b kann sich als c nur das 1,41-fache von a oder b ergeben.
      und wird nie zu einem ganzzahligen seitenverhältnis.

      das gilt auch im grenzwert : mit nur 3 nulldimensionalen punkten kann ich nur ein gleichseitiges, aber kein rechtwinkeliges dreieck bilden.

    • slartibartfast, vor 873 Tagen, 8 Stunden, 42 Minuten

      oh, du hast recht. daran hab ich gar nicht gedacht, zlozale ... ich hab mir mir den rechten winkel auf der falschen seite vorgestellt und die beiden gleichen schenkel ebenfalls. schad, dass ich es hier nicht aufzeichnen kann.

  • zlozale, vor 874 Tagen, 11 Stunden, 11 Minuten

    und meine frage: gibts da auch *gleichschenkelige* rechtwinkelige dreiecke für die gilt: aquadrat ist geradzahlig und die wurzel aus 2aquadrat ist ganzzahlig? (oder gar: ...ist ganzzahlig und gerade)

    bleibt die frage nach dem sinn solcher rätsel - abgesehen vom denksport und als vorführmöglichkeit von rechenleistung von computern.

    • eher unwahrscheinlich

      clonelinesk8er, vor 874 Tagen, 10 Stunden, 43 Minuten

      Seien die Schenkel a lang und rechtwinkelung zueinander und die dritte Seite c. Dann gilt (Pythagoras) a^2 + a^2 = c^2 2 a^2 = c^2 c = sqrt(2 a^2) c = sqrt(2) * a. a und c ganzzahlung ist daher imho Ding unmöglich. War jetzt mehr Denksport, geht aber nicht ohne Computer, da ja die Antwort gepostet werden will.

    • clonelinesk8er, vor 874 Tagen, 10 Stunden, 42 Minuten

      kleiner-zeichen, gleich-zeichen, gleich-zeichen, größer-zeichen bitte an den richtigen Stellen einfügen.

    • muriem, vor 874 Tagen, 8 Stunden, 23 Minuten

      @clonelinesk8er Damit ist es bewiesen, dass es nicht geht!

      sqrt(2) ist eine transzedente Zahl. Kann eine transzedente Zahl multipliziert mit einer reellen (nicht Null) eine reelle Zahl ergeben? Nein! Denn wäre es möglich, dann wäre die transzedente keine transzedente sondern der Bruch der beiden anderen reellen Zahlen.

    • @muriem

      31415927, vor 874 Tagen, 5 Stunden, 39 Minuten

      sqrt(2) ist keine transzendente zahl, da sie als nullstelle des polynoms (x^2-2) auftritt, pi und e sind zum beispiel transzendente zahlen, sqrt(2) nennt man algebraisch (siehe oben). ich glaube, du meinst irrationale zahlen (die sind im gegensatz zu den rationalen zahlen nicht als (endliche) brüche darstellbar).

      clonelinesk8er wollte ja gerade beweisen, dass das von zlozale behauptete falsch ist (und war erfolgreich damit).

    • muriem, vor 874 Tagen, 3 Stunden, 46 Minuten

      Ja du hast recht. irrational nicht transzedent. clonelinesk8er hats auch richtig ausgeführt, war vom text nur nicht sicher das c = sqrt(2) * a bedeuted das c und a nicht gleichzeitig rationale zahlen sein können. Genau das können sie nicht sonst wäre sqrt(2) = c/a auch rational!

    • Sagt mal,

      idomeneo, vor 872 Tagen, 20 Stunden, 58 Minuten

      Wenn Ihr so etwas macht, habt Ihr dann auch Schmerzen dabei oder kommen die Anfälle unbemerkt?
      Was sagt der Arzt Eures Vertrauens? Kann das für die Angehörigen gefährlich werden? Gibt es schon wirksame Medikamente dagegen?

      (Fragt jemand, für den Mathematik bereits ab der 5. Klasse zunehmend zu einer spanischen Großstadt wurde - spanisches Dorf wäre zu wenig aussagekräftig. :-))

    • muriem, vor 872 Tagen, 19 Stunden, 19 Minuten

      und? bist auch noch stolz darauf ignorant zu sein?

    • interessanter artikel dazu:

      poiuqwerty, vor 872 Tagen, 14 Stunden, 15 Minuten

      http://www.sueddeutsche.de/kultur/815/408590/text/

      [...]dass man in der Öffentlichkeit mühelos Punkte sammelt, wenn man sich als Null in Mathe outet. Schließlich hat jeder von uns in der Schule gelernt: 1. Der Mathestreber hat fettige Haare und kommt beim Weitsprung kaum über 1,20 Meter. 2. Cool und kreativ sein und gut in Mathe geht einfach nicht.[...]

      [...]niemand auf die Idee käme, sich zu brüsten, dass er Analphabet ist.[...]