
Süßigkeiten machen langfristig aggressiv
Zu viel des Guten
Es gibt viele Gründe, den Konsum von Süßigkeiten bei Kindern einzuschränken. Ein Zuviel davon macht auf Dauer dick und die Zähne schlecht. Außerdem gibt es Hinweise, dass in Schleckereien enthaltene Zusatzstoffe Hyperaktivität fördern können. (Studie,The Lancet, 2007).
Zucker gilt bei Suchtexperten auch als erste "Droge": Kinder, die anstelle von Zuwendung Naschereien zum Trost erhalten, sind später anfälliger für suchthaftes Verhalten.
Ernährung und Verhalten
Die Studie im "British Journal of Psychiatry": "Confectionary consumption in childhood and adult violence" von S.C. Moore et al.
Die aktuelle Studie liefert nun neue Argumente für einen reglementierten Verzehr von Süßem. Dafür haben die Forscher rund um Simon Moore von der Cardiff University im Rahmen der "1970 British Cohort Study" Essgewohnheiten und Verhaltensweisen von 17.500 Teilnehmern analysiert.
Bei dieser Langzeitstudie werden laufend Daten ein- und derselben Bevölkerungsgruppe erhoben und unter verschiedenen Gesichtspunkten untersucht.
Tägliche Dosis
Moore und seine Kollegen haben nun versucht, die langfristigen Auswirkungen der Ernährung im Kindesalter herauszufiltern. Dabei stellten sie fest, dass Menschen, die im Alter von zehn Jahren täglich Naschereien konsumiert hatten, mit 34 Jahren deutlich häufiger für Gewaltdelikte verurteilt worden waren als andere.
69 Prozent der Gewalttäter hatten täglich Süßigkeiten gegessen, bei den Gewaltlosen waren es lediglich 42 Prozent. Der Zusammenhang ist laut den Forschern signifikant, andere Einflussfaktoren wie etwa der Erziehungsstil der Eltern konnten demnach ausgeschlossen werden.
Nichterfüllung macht ungeduldig
Bleibt die Frage nach dem Warum? Die von den Forschern favorisierte Hypothese: "Wenn man Kindern regelmäßig Süßigkeiten und Schokolade gibt, lernen sie nicht zu warten bis sie etwas bekommen, was sie wirklich wollen", so Moore. Sie werden ungeduldig und bleiben unfähig, die Erfüllung von Wünschen auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben.
Das könnte langfristig dazu führen, dass sie sich impulsiver verhalten - vor allem dann, wenn sie eben nicht gleich erhalten, was sie wollen. Im Extremfall werden sie laut den Forschern dadurch sogar straffällig.
Jedenfalls sei diese neue Erkenntnis ein weiterer Grund, auf die Ernährungsgewohnheiten von Kindern zu achten.
science.ORF.at


