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Stalin-Büste vor der Kremlmauer.

Geheimdienst stoppt Forschungsprojekt

Das Schicksal der Russland-Deutschen unter Diktator Josef Stalin sollte das "Trauerbuch" dokumentieren. Doch der russischen Geheimdienst FSB sagt plötzlich "Njet" zu dem historischen Forschungsprojekt - die Behörden empfinden die Aufarbeitung der Stalin-Ära als nicht genehm.

Zeitgeschichte 05.10.2009

Unterlagen beschlagnahmt

Die Razzia des FSB traf den Geschichtsprofessor Michail Suprun völlig unerwartet. Er wollte im Auftrag des Deutschen Roten Kreuzes ein Buch über tausende deportierte und in sowjetische Straflager verschleppte Menschen fertigstellen, als das Einsatzkommando zuschlug.

Der FSB beschlagnahmte in Supruns Universitätsbüro und in seiner Wohnung in der Stadt Archangelsk im Norden Russlands Computer, Dateien, Dokumente sowie Dutzende Bücher und Forschungsergebnisse der vergangenen Jahre. Menschenrechtler und die deutsche Seite zeigten sich empört über das Vorgehen der russischen Behörden.

"Wie bemühen uns seit Jahren um die Aufklärung der vielen Schicksale. Nie hat es Probleme gegeben", sagte der Vizechef des Historischen Forschungsvereins der Deutschen aus Russland, Anton Bosch, in Nürnberg. Die Behörden werfen Suprun sowie Alexander Dudarew, dem Leiter des Informationszentrums der Innenbehörde von Archangelsk vor, mit der Veröffentlichung tausender Namen von Opfern des Stalin-Terrors die Persönlichkeitsrechte der Hinterbliebenen zu verletzen.

"Mein Lebenswerk ist zerstört"

"Das ist absurd. Ich kann über die Hintergründe dieses Vorgehens nur spekulieren. Nicht einmal das Internet haben sie mir gelassen", sagte Suprun. "Mein Lebenswerk ist zerstört." Die Bücher der Erinnerung habe es schon zu Perestroika-Zeiten in den 80er Jahren gegeben. Klar scheint aber, dass die unbequeme Recherche dieses Autors von mehr als 130 wissenschaftlichen Arbeiten offizielle Stellen stört. Die Aufarbeitung des blutigen Terrors unter Sowjetdiktator Stalin wird auch nach Einschätzung der Menschenrechtsorganisation Memorial nicht gern gesehen in Russland. Der Zugang zu den Archiven sei extrem schwierig.

Vorwurf: Amtsmissbrauch

Die russische Staatsanwaltschaft wirft Suprun vor, den Beamten Dudarew überredet zu haben, die Archive zu öffnen. Dudarew muss sich nun wegen Amtsmissbrauchs verantworten. "All diese Anschuldigungen sind absoluter Nonsens", sagt der Anwalt der Beschuldigten, Iwan Pawlow. Die Memorial-Expertin Irina Flige in St. Petersburg zeigte sich bestürzt über den neuen Versuch, Geschichtsaufarbeitung in Russland zu verhindern. Die Organisation, die Ende 2008 in St. Petersburg ebenfalls eine Razzia erlebte, wolle sich nun um zusätzlichen Rechtsbeistand kümmern, um Suprun zu entlasten.

Der Historiker hatte sich vor allem mit dem Schicksal der Russland-Deutschen im Norden Russlands befasst - tausende von ihnen waren auch auf die berüchtigte Gefängnisinsel Solowki des sowjetischen Geheimdienstes KGB im Weißen Meer oder in andere Straflager (Gulags) gebracht worden. Der in Nürnberg lebende Russland-Deutsche Anton Bosch erzählt, dass er selbst auch erst durch die Archive über das Schicksal seiner Verwandten Auskunft erhielt.

Viele Familien wissen bis heute nicht, was mit ihren Angehörigen passierte, als Stalin die Russland-Deutschen nach dem Krieg in den Norden und nach Sibirien deportieren ließ. Suprun arbeitete an diesem "Trauer-Buch" für die Region Archangelsk, in dem die Namen der Betroffenen, Kurzbiografien und einordnende Geschichtsdarstellungen zu den Sowjetverbrechen veröffentlicht werden sollten. Im Fall einer Verurteilung drohen dem 54-Jährigen Sozialarbeit und Geldstrafe.

science.ORF.at/dpa

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Forum

 
  • Russland ist keine Demokratie sondern eine

    stromhexe, vor 126 Tagen, 4 Stunden, 34 Minuten

    ausgeklügelte neue Diktatur. Wer hier träumt Russland werde jemals demokratische Regeln wie im Westen haben soll weiterträumen.
    Russland ist und bleibt ein Bär. Einmal provoziert holt er seine Pranke hervor und dann Gott Gnade. Der Bär kann nur beruhigt werden wenn er toben und sich fettfressen kann. Also der Bär möchte gefüttert werden. Dann wird er Ruhe geben und friedlich schlafen. Aber wehe denen die glauben der Bär wäre ein Mensch mit Verhaltensregeln. Das wäre zuviel verlangt.

  • Schnüfflern sollte man sowieso nicht in Russlands

    stromhexe, vor 126 Tagen, 11 Stunden, 32 Minuten

    Geschichte schnuppern lassen. Außer Verleumdungen und haltlose Anschuldigungen an die UDSSR wird es nichts neues geben. Der FSB hat völlig Recht so ein widerspenstiges Treiben und Ausspionieren Russlands einen Riegel vorzuschieben. Man kann sich an die Russischen Behörden wenden aber eigenmächtig Herumdoktern geht einfach nicht. Das FSB hat bereits wieder Argusaugen auf alles was sich verdächtig gegen Russland oder seiner Es-UdSSR richtet. Auch gut so.

    • Alle Tiere sind gleich.

      aw70, vor 126 Tagen, 3 Stunden, 28 Minuten

      Aber manche sind gleicher.

      Wenn Du einen ähnlichen haarsträubenden Stuss geschrieben hättest, in dem die andere grosse, kranke, menschenverachtende Diktatur des 20. Jahrhunderts gepriesen worden wäre...

      Dann hätte die Zensur vermutlich Deinen Beitrag entsorgt.

      Kleine Nachhilfe: der Hauptunterschied zwischen der UdSSR und Hitlerdeutschland waren die Firmenlogos. Und die Tatsache, das eine dieser Ausgeburten noch ein halbes Jahrhundert länger als die andere die Menschheit gequält hat.

      Für beide gilt: niemals wieder!

      Was die Handlungen des FSB da leider in einem sehr, sehr unguten Licht erscheinen lässt. Gut, wir in Österreich, mit unserer teilweise mehr als mangelhaften Aufarbeitung der Vergangenheit brauchen nicht reden. Aber gut ist es deswegen nicht, was da passiert.

  • moritz, vor 127 Tagen, 3 Stunden, 48 Minuten

    Ein weiterer wichtiger Punkt ist die hier schon wieder ganz offen praktizierte Demokratiefeindlichkeit. Ein Staat der Recherchen zur eigenen Vergangenheit als Terrordiktatur verhindert, begibt sich doch ziemlich in die Nähe ebendieser Vergangenheit.

  • zlozale, vor 127 Tagen, 11 Stunden, 42 Minuten

    was lernt man daraus: alles was man an daten zusammenträgt, sofort in kopie an sicherem ort verwahren, und sei es nur, dass man die dateien an freunde und bekannte schickt, auf verschiedenen uni- und andren servern parkt, speicherkarten im park vergräbt etc. etc.

    selber schuld, wer von allem nur EINE kopie irgendwo hat!

    • agentbluescreen, vor 127 Tagen, 10 Stunden, 1 Minute

      speicherkarten vergraben hör ich zum ersten mal ... lol

    • regow, vor 127 Tagen, 9 Stunden, 50 Minuten

      ... ist ganz ein alter Schmäh - wenn man ein Eichhörnchen ist.

    • zlozale, vor 127 Tagen, 9 Stunden, 49 Minuten

      es ist die antwort des kleinen mannes auf datenbeschlagnahme: usbstick in eine pet-flasche und dann im garten/park/wald vergraben. ist kostengünstig, absolut wasserdicht (=trocken), die daten sind (wennst tiefer als ca 1m gräbst) bei konstanter temp gelagert - was willst mehr? kannst sicher sein, das findet nie jemand ausser dir selbst. was glaubst, wie der oben genannte forscher jene herren auslachen tät, wenn er das gemacht hätt?

    • :)

      nelson, vor 127 Tagen, 8 Stunden, 32 Minuten

      werd gleich mal im stadtpark bissl graben gehen. bin gespannt was ich da so alles für USB sticks finde :)

    • zlozale, vor 127 Tagen, 8 Stunden, 26 Minuten

      ich stell mir grad vor: du in einer metertiefen 3x3m-künette, die polizei kommt: wos mochns denn do?!
      du: ich such usbsticks!
      was glaubst, dauerts 10min oder 20min, bis die netten kräftigen herren in weiss mit einer ichhabmichlieb-jacke da sind? ;)