
Präsenz von Frauen zieht Frauen nach
Die Fakten sind seit Jahren bekannt: Viele Frauen sind bestens ausgebildet, aber nur wenige üben im Wissenschaftsbetrieb Leitungsfunktionen aus. So sind laut Wissenschaftsministerium derzeit nur 16 Prozent der Professoren weiblich. Kann spezielle Frauenförderung das ändern? Das hat science.ORF.at bei der Tagung die deutsche Pionierin Marion Schick gefragt.
"Manche Männer brauchen Förderung"
Tagungsprogramm:
Von Frauenförderung ist oft die Rede, doch müssen Frauen tatsächlich noch mehr in ihre Ausbildung und Karriere investieren? Zugespitzt gefragt: Brauchen Frauen in der Wissenschaft Rückendeckung durch Quoten und Förderprogramme? Schick, Vorstandsmitglied der deutschen Fraunhofer-Gesellschaft (zuständig für Personal und Recht), der größten anwendungsorientierten Forschungseinrichtung in Europa, meint dazu:
"Vielleicht brauchen sie auch heute keine spezielle Förderung mehr, sondern vielleicht brauchen wir ein Bewusstsein in der Wissenschaft darüber, dass 'Diversity' eine Selbstverständlichkeit sein sollte. Ketzerisch gesagt: Vielleicht brauchen manche Männer eine spezielle Förderung, diese Erkenntnis aktiver und proaktiver in ihr Handeln einzubauen."
Förderinstrumente weiterhin notwendig
Marion Schick war im Jahr 2000 als Präsidentin der Hochschule München die erste Frau an der Spitze einer Hochschule in Bayern. Allein ihre Präsenz habe viele Frauen ermutigt, sich für eine Professur zu bewerben, sagt sie. Mehr Pionierinnen scheinen notwendig, um schneller Nachahmerinnen zu finden.
Die gängigen Instrumente wie etwa Quotenregelung, Kinderbetreuungsplätze, Mentoring und Headhunting brauche es weiterhin, so Schick.
"Ich würde das allerdings nicht als spezielle Förderung bezeichnen, wenn man gezieltes Headhunting betreibt, um Frauen in bestimmte Positionen zu bekommen - das läuft bei mir nicht unter 'Förderung'. Das sollten wir alles tun und diese Instrumente nutzen. Nur: Das Ziel muss natürlich sein, dass die handelnden Personen - und das sind in der Mehrheit noch Männer - den Gedanken verinnerlichen, und nicht, dass wir die Frauen immer noch mehr ertüchtigen, sich besser zu adaptieren an die bestehenden Normen und die bestehende Welt."
Basis fehlt
In der Fraunhofer-Gesellschaft sind 20 Prozent des wissenschaftlichen Personals Frauen. Wie in vergleichbaren Institutionen ist ein Grund für den geringen Frauenanteil, dass nur wenige Frauen ein einschlägiges Studium beginnen. "Wenn wir heute in Deutschland acht Prozent weibliche Studienanfänger im Bereich der Elektrotechnik haben, dann haben wir keine Chance, durch spätere Headhunting-Aktionen ausgebildete Elektroingenieurinnen für bestimmte Positionen zu gewinnen."
Die Fraunhofer-Gesellschaft versucht daher bereits bei Schülerinnen ab zehn Jahren, das Interesse an Wissenschaft zu wecken. "Wenn wir die Grundgesamtheit nicht erhöhen, aus der wir schöpfen können, können wir später nicht mehr Erfolge erzielen."
Barbara Daser, Ö1 Wissenschaft


