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mürrissche Jugendliche

Die anti-revolutionäre Generation

40 Jahre nach Woodstock und 25 Jahre nach Hainburg ist von der rebellischen und visionären Jugend nicht mehr viel übrig. Eine Studie scheint zu bestätigen, was viele schon lange vermuten. Sind junge Menschen wirklich unkritisch, angepasst und planlos?

Jugendkultur 09.10.2009

Jugend war mehr als ein Alter

Die 68er-Bewegung ist das Synonym für eine revolutionäre Jugend. Seit Mitte der 1960er Jahre hatten sich in mehreren westlichen Ländern zeitgleich Studenten- und Bürgerrechts-bewegungen gegen das "Establishment" aufgelehnt.

Ein Grazer Student stellt in der ersten Reihe des Hörsaals ein Stofftier neben dem anderen auf. Der Universitätsprofessor fragt ihn, warum er das tut, und der Student antwortet ihm: "Ich erzähle den Stofftieren zu Hause immer, welchen Blödsinn Sie reden. Jetzt habe ich sie mitgenommen, damit sie es mir auch glauben."

1968: Jean-Paul Sartre spricht zu den Studenten
Jean-Paul Sartre spricht im Mai 1968 zu den Studenten der Sorbonne-Universität in Paris.

Das war in den 1960er Jahren. Aufbruchsstimmung, Rebellion gegen die Elterngeneration, Emanzipation und revolutionäres Bewusstsein sind Begriffe, die mit dieser Zeit unweigerlich in Verbindung stehen. Jugend war nicht nur ein Alter, sondern eine kritische Haltung. Sich gegen das Establishment aufzulehnen und zu rebellieren war schlicht und einfach schick.

"Früher" ist Kurt Cobain

Beate Großegger vom Wiener Institut für Jugendkulturforschung hat junge Menschen interviewt und herausgefunden: Von dieser Mentalität ist nichts mehr übrig. Die Ergebnisse veröffentlichte sie in dem Bericht "Die anti-revolutionäre Generation. Selbstverständnis und Grundbefindlichkeit Jugendlicher vierzig Jahre nach Woodstock".

Großegger fragte die Jugendlichen, welche Bedeutung die Rebellion von "früher" für sie heute noch hat. "Früher", stellte sie fest, assoziieren die Jugendlichen nicht mit der revolutionär denkenden Jugend der 1960er und 1970er Jahre, sondern mit den 1990er Jahren und Kurt Cobain.

"Heroisches und revolutionäres Denken", so Großegger in ihrem Bericht, "ist den Jugendlichen heute fremd." In den letzten 20 Jahren hätten sich Jugendkulturen vom Protest gegen die Bürgerlichkeit verabschiedet - viele von ihnen seien sogar Teil davon geworden.

Das heiße aber nicht, dass sie keine Missstände etwa in Bezug auf das Bildungssystem, den Arbeitsmarkt und Integrationsfragen erkennen. "Sie sehnen sich nach Veränderung - sie versuchen aber nicht aktiv, etwas zu verändern", so die Jugendkulturforscherin. Gehe es nach den jungen Menschen, solle "es" zwar anders werden, aber "wir wollen die Welt nicht verändern".

Kein Gemeinschaftsgefühl

John Lennon und Yoko Ono beim Friedensgruß
John Lennon und Yoko Ono "demonstrieren" für den Frieden, 1969.

Großegger erklärt dieses Phänomen mit dem Gemeinschaftsgefühl, das es nicht mehr gebe. Politische Jugendgenerationen verstanden sich als Kollektiv, das gemeinsam die Welt verändern kann.

Es gab nur Freunde, Feinde und Identifikationsfiguren an der Schnittstelle zwischen Pop und Politik: Das waren beispielsweise Musiker wie Bob Dylan, John Lennon und Rio Reiser. Diese Schnittstelle gibt es heute nur noch im Bierzelt einer Wahlveranstaltung, wenn Musiker zwischen Politikerreden die Bühne betreten.

Entpolitisierte Jugendkultur

"Politisierung" und "Jugendkultur" seien heute ein Widerspruch. "Jugendliche", so Großegger, "sagen heute ganz offen, dass sie es satt haben, von politisierten Alt-68ern immer wieder hören zu müssen: 'Wenn euch etwas nicht passt, dann müsst ihr protestieren.'"

Die Erwachsenengeneration erwarte von Jugendlichen, dass sie soziale Utopien und Zukunftsperspektiven entwickeln, so die Forscherin gegenüber science.ORF.at. "Das sind völlig falsche Erwartungen. Erwachsene sehen oft nicht, dass Jugendliche überfordert sind und in einer schwierigen Zeit groß werden." Man müsse es sich als Jugendlicher überhaupt erst einmal leisten können, Engagement zu zeigen.

Wenn Jugendliche doch einmal protestieren, dann in Form von Provokation und ohne revolutionäre Intention. Das ist in einer taburesistenten Gesellschaft gar nicht einfach: Was übrig bleibt, sind beispielsweise Gewalt gegen wehrlose andere und das Wählen rechter Parteien.

Individualisten ohne Systemzusammenhang

Streitet ein Teenager heute mit seinen Eltern, sieht er das nicht mehr als Rebellion gegen das Establishment, sondern als privaten Konflikt an. Das heißt: Jugendliche denken nicht mehr in großen Systemzusammen-hängen. Sie sind Individualisten, die nicht für eine gesellschaftspolitische Idee oder die Weltveränderung rebellieren, sondern für sich selbst.

"Jugendliche sind, was gesellschaftspolitische Fragen betrifft, aber nicht grundsätzlich ignorant", so Großegger. Trotzdem scheitern Politiker oft am Dialog mit den Jugendlichen: Das habe mit den abstrakten Systembegriffen, die Politiker tagtäglich gebrauchen, zu tun. Ein Jugendlicher verstehe diese "Erwachsenensprache" nicht. Es sei aber nicht nur die Aufgabe der jungen Menschen, sondern auch die der Erwachsenen, das zu ändern.

Christine Baumgartner, science.ORF.at

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Forum

 
  • und was nutzen Proteste?

    deepwater, vor 953 Tagen, 6 Stunden, 20 Minuten

    z.B 1996 lange universitäre Anti-Sparpaketproteste. Es wird gespart. Basta, Gerechtigkeit soll sein.

    Und nochmals Schnauze, dann folgt Studiengebühr. Blablaberlabap euch gehts doch eh soooo gut und ist gerecht.

    Kurzum, wird eh gemacht was sein soll. Die Alten fressen noch einander die Butter vom Brot (das Gurkerl und der Schinken is scho weg) bezüglich künftiger Pensionskürzungen.

    Und Autoanzünden wie in Paris is doch etwas unschick und trifft wohl die Falschen. :P

    • Da ist was wahres dran.

      wilf123, vor 952 Tagen, 22 Stunden, 22 Minuten

      Zum protestieren und politischen engagieren gehört natürlich auch ein gewisses Mass an Naivität dazu.

    • Vielleicht wollen sie das System, das die Südvietnamesen

      alfredsinnegger, vor 952 Tagen, 13 Stunden, 37 Minuten

      durch die erfolgreichen Proteste ihrer Eltern erhalten haben, selbst doch nicht sofort am eigenen Leibe verspüren und lassen sich deshalb nicht von dieser altvorderen 68iger Generation zur schnelleren Herbeiführung diese Systems, zum Abfackeln der Städte wie in Griechenland oder Frankreich motivieren.

  • Nur Junge Menschen?

    hosenbeisser, vor 953 Tagen, 12 Stunden, 4 Minuten

    Wenn ich mir heutige Manager und WU-Wurschtln so anschaue, dann ist das erste was einem dazu denen einfällt: planlos, ziellos, hirnlos. Ausser wenns ums grosse Abkassieren (in die eigene Tasche) geht.

    Also, wenn hochbezahlte Manager im Regelfall völlig planlos und geistige Nackerpatzerln sein können, ist es für die Jugend nur recht und gut. Ausserdem sind das die neuen Vorbilder.

  • freiwelt, vor 953 Tagen, 19 Stunden, 28 Minuten

    die ikonische darstellung von john lennon und yoko ono im bett, beim bettfruehstueck, wies scheint, weckte in mir eine etwas untypische assoziation, naemlich die einer "levee", so hiess, glaub ich, das hofzeremoniell eines ludwig des 14 (wenn ich mich nicht taeusche), bei welchem der hof das grosse privileg genoss, beim aufstehen und der morgentoilette des absoluten herrschers und seiner gemahlin, im oder nahe seinem schlafzimmer in versailles, anwesend sein zu duerfen. ein privileg, ja, und dieses aufs feinste zu machtzwecken instrumentalisiert. je naeher ein hoefling, eine kurtisane, desto besser deren zuschauerplatz beim morgenzeremoniell.

    ein ausgekluegelter repraesentations und manipulationsmechanismus, dessen erscheinen mit dem aufsteig absolutistister regimes einher gin

    der assoziation folgend, koennte man denken, lennon und ono scheinen also bei ein aehnliches zeremoniell eingefuehrt zu haben. in dem fall sind es die seitenblicke und popjournalisten, die sich um priveligierte zuschauerplaetze raufen, die massenmedien also, und mit ihnen die millionen und milliarden initimaetssuechtigen gaffer des globalen publikums

    • freiwelt, vor 953 Tagen, 19 Stunden, 13 Minuten

      der schluss liegt auf der hand: auch hier manifestiert sich macht, die macht der kommerziellen popmaschine

      die sog "revolutionaere generation" der 70er begaffte noch ehrfuerchtig die levee ihrer popikonen... es versteht sich, dass die folgegeneration - punk - versuchte diese zu stuerzen, im bewusstsein, dass auch sie alsbald vom alles verschlingenden verwertungsmechanismus kapitalismus ihrer substanz beraubt werden wuerde.

      ich nehme an, viele haben heute schon vor eintritt in die adoleszenz verstanden, dass revolutionen zuallererst modeerscheinungen sind. moden zu folgen bietet ein besonderes vergnuegen. genussfaehige oder gar leidenschaftliche menschen fragen sich allerdings nicht, ob dieses den aufwand rechtfertigt

    • mynona, vor 953 Tagen, 15 Stunden, 7 Minuten

      "levee", davon habe ich auch gelesen. Ja, wie sich die Bilder gleichen!

    • tauceti, vor 952 Tagen, 11 Stunden, 14 Minuten

      "Bed-in" nannten sie das - angelehnt an "sit-in".

    • tauceti, vor 952 Tagen, 11 Stunden, 13 Minuten

      Es gibt Filmaufnahmen davon. Da stehen ca. 30 Journalisten im Halbkreis um die beiden herum... Vollkommen sinnlose Aktion ;-)

    • tauceti, vor 952 Tagen, 11 Stunden, 10 Minuten

      Es war aber nicht beim Aufstehen, sondern die beiden sind "aus Protest" mindestens einen Tag lang im Bett geblieben - umringt von Journalisten. Habe ich schon erwähnt was ich davon halte? ;)

  • Vielleicht folgt auf eine "revolutionäre" Generation...

    wilf123, vor 953 Tagen, 22 Stunden, 42 Minuten

    eben immer eine "konformistische"? Wenn man revolutionäre Eltern bedeutet es vielleicht gerade Auflehnung wenn man konformistisch ist. Gegen die heutige Jugend werden die eigenen Kinder wahrscheinlich wieder rebellieren und das nicht zu knapp.

  • die heutige jugend kennt nur eines:

    iniquity, vor 953 Tagen, 22 Stunden, 45 Minuten

    "ich kaufe, also bin ich"

    das stichwort lautet KOMMERZ statt revolution, so bitter das auch ist :-/

    • ah geh...

      wienerwasserwerke, vor 953 Tagen, 15 Stunden, 51 Minuten

      vor allem sind sie sehr verschieden... und das ist gut so...

  • slartibartfast, vor 954 Tagen, 13 Stunden, 25 Minuten

    zitat: "Streitet ein Teenager heute mit seinen Eltern, sieht er das nicht mehr als Rebellion gegen das Establishment, sondern als privaten Konflikt an."

    so ein kaese wieso sollen denn die eltern stellvertretend fuer "das establishment" herhalten? kommt es da nicht auch noch auf den inhalt des streits an? wie koennte etwa ein "du bist um mitternacht zu hause - und wehe, du riechst nach alkohol" als streit gegen das phrasenabgedroschene "establishment" aufgefasst werden?

    • muriem, vor 954 Tagen, 10 Stunden, 44 Minuten

      frag das die 69er generation, für die war das das

    • Vielleicht ist unsere Gesellschaft heute moderner...

      wilf123, vor 953 Tagen, 23 Stunden, 6 Minuten

      geworden und früher gab es tatsächlich sinnlose aber allgemein akzeptierte Normen, denen man sich eben nicht mehr unterwerfen wollte? Ich bin selbst später aufgewachsen und weiss es nicht aus erster Hand.

  • Evolution

    karl273, vor 954 Tagen, 16 Stunden, 25 Minuten

    Na, ja, zu erst werden einige junge Menschen auf die üblichen populistischen Demagogen herein fallen.

    Aber ein wenig später werden diese jungen Menschen ihre wahren Empfindungen spüren.

    Keine Revolution, aber eine Evolution.

    • solala, vor 954 Tagen, 11 Stunden, 40 Minuten

      Das wäre dann der Beweis das es doch ein bioligisiche Rückentwicklung gibt.

  • Gefahr!

    fuchsrob, vor 954 Tagen, 17 Stunden, 40 Minuten

    Bei der heutigen Jugend, wie sie im Artikel gut charakterisiert wurde, haben Demagogen wie H.C.Strache leichtes Spiel!
    Statt wie vom Rattenfänger von Hammeln eine Flöte, werden von H.C. Mittel wie Raps oder Comics eingesetzt um die Jugend zu verführen.

    • solala, vor 954 Tagen, 11 Stunden, 41 Minuten

      Das würde voraussetzten das irgendwelche Charakter, irgendwelche Werte existieren, nur diese grauen Figuren in ihren grauen Anzügen, die haben keinen, und da hilft auch ein H.C. nix mehr.

  • Sehe ich auch so.

    muriem, vor 954 Tagen, 20 Stunden, 20 Minuten

    Hab mich auch im Studium gewundert, wie wenig die Zeit nützen um Kritisch und Hinterfragend zu denken. Nein alle möchten nur so schnell wie möglich fertig werden, um sich so perfekt wie möglich anzupassen um sich so gut wie möglich bei künftigen Personalabteilungen einschleimen zu können.

    • solala, vor 954 Tagen, 11 Stunden, 46 Minuten

      Kritisch, hinterfragend, das sind nicht angepasste Querulanten die den Regelbetrieb störren.

      Da müßte man ja denken, und oh Gott mei Gott, auch noch umstellen, das hama schon immer so gemacht und werdens ganz sicher nicht mehr anders machen, wo kämen wir da hin, und ausserdem, das können wir dem Boss nicht zumuten, der wäre ja geistig total überfordert.

  • solala, vor 954 Tagen, 21 Stunden, 21 Minuten

    Nö, die Gesellschaft als solches ist es, Wertlos, Unkritisch, Angepasst und Planlos!

    Ich könnte es sogar beweisen, wenn ich wollte, ich will nicht mehr, so schauts aus!

    Machts was wollt's mit dem Planeten, man kann in nur einmal hin machen, je früher desto besser!

    • Ich stimme dir im Grunde zu.

      loveissuicide, vor 954 Tagen, 20 Stunden, 25 Minuten

      Aaaaber: den Planeten hinzumachen werden wir nicht annähernd schaffen. Höchstens den Planeten in der Form, wie wir ihn nun kennen. Die Sonne allein hat es in der Hand, Mutter Erde den Garaus zu machen ;-)

    • muriem, vor 954 Tagen, 20 Stunden, 21 Minuten

      Rufzeichen helfen.

    • solala, vor 954 Tagen, 16 Stunden, 44 Minuten

      Muriem, weißt, das es es Wurscht ist, wenn am ein paar 100.000 Euro wie ich heute zu Grabe getragen hat, sind das nicht mal mehr Nebelsächlichkeiten!

      (Im grunde wars ein Geschenk an eine Wiener Firmer, aber es ist zu aufwendig das auch zu Testen, und die Makrtlage mehr als unsicher, und könnte man das doch verkaufen wären wir überfordert, mit pnkterl, obwohl das genau so sinn und bedeutungslos ist, schon)

      (Nebenbei, das Ding kann weltweit höchsten 12 Firmen produzieren)

    • muriem, vor 954 Tagen, 10 Stunden, 45 Minuten

      Ein paar Rechtschreibfehler/Grammatikholperer sind gut und schön. Ich kann aber echt nicht mit entziffern was du meinst. Wirres Wortgewirr