
Evolution 40.000 Generationen lang untersucht
Wie Richard Lenski von der Michigan State University und Kollegen in ihrer Studie berichten, sei die Evolution noch nie über derart viele Lebenszyklen empirisch verfolgt worden. Gedauert hat das Experiment 21 Jahre.
Experiment wurde 1988 begonnen
Die Studie "Genome evolution and adaptation in a long-term experiment with Escherichia coli" ist am 18. Oktober online in "Nature" erschienen.
Dass man die Anpassung einer Art an die Umwelt beobachten kann, darüber war Charles Darwin noch skeptisch. "We see nothing of these slow changes in progress, until the hand of time has marked the long lapse of ages", schrieb er in seinem Hauptwerk "Die Entstehung der Arten". Mittlerweile gibt es hingegen eine Reihe von Beobachtungen, die die zentralen Annahmen von Charles Darwin auch empirisch bestätigen.
Lenski und Kollegen steuern zu diesen Beobachtungen nun die Ergebnisse ihres Langzeitexperiments bei. Bereits 1988 haben sie begonnen, Kulturen von E.coli wachsen zu lassen: Die Bakterien sind Einzeller und reproduzieren sich sehr schnell. Wenn - wie es die Evolutionstheorie postuliert - eine Genmutation zu einem Vorteil bei der Nahrungsaufnahme führt, dann sollte diese Bakterienvariante die gesamte Kultur dominieren.
Komplex: Mutationsraten und Anpassung

Um das zu untersuchen haben die Forscher Art und Geschwindigkeit der Mutationen von 40.000 Generationen untersucht. Zu bestimmten Zeitpunkten - nach 2.000, 5.000, 10.000, 20.000 und 40.000 Lebenszyklen haben sie die Einzeller sequenziert - zum Teil handelte es sich um zuvor eingefrorene Proben, da es zu Beginn der Langzeitstudie die heute üblichen Techniken der DNA-Analyse noch gar nicht gegeben hat.
Zur Halbzeit nach 20.000 Generationen konnten die Forscher bereits 45 Genmutationen zählen. Und diese erwiesen sich wie vorhergesagt als vorteilhaft für die Bakterien. "Unsere Ergebnisse unterstreichen auf wundervolle Weise, wie die Mutationen den Organismen eine immer höhere Effizienz in ihrer Umgebung erlaubt haben", beschreibt Co-Autor Dominique Schneider von der Universität in Grenoble.
Der Zusammenhang zwischen Mutationsraten und Anpassung erwies sich wie bei früheren Studien als komplex. Während sich das Erbgut über einen langen Zeitraum sehr konstant veränderte, schnellte die Mutationsrate etwa nach 26.000 Generationen in die Höhe.
science.ORF.at
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