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Besetzung der Uni Wien

Neue Universitäten statt überfüllter Hörsäle

Während sich die Studentenproteste ausweiten, haben sich mit ihren Zielen nun auch die externen Lektoren der österreichischen Universitäten identifiziert. Statt Zugangsbeschränkungen empfehlen sie den Neubau von Universitäten.

Uniproteste 27.10.2009

Das koste zwar Geld, sei aber eine Investition in die Zukunft, sagte Thomas Schmidinger, der Vorsitzende der IG Externe LektorInnen, in einem science.ORF.at-Interview.

Portrait des Politikwissenschaftlers Thomas Schmidinger

Thomas Schmidinger ist Lektor am Institut für Politikwissenschaft der Universität Wien und Vorsitzender der IG Externe LektorInnen.

Waren Sie vom Ausbruch der Uniproteste vergangene Woche überrascht?

Thomas Schmidinger: Ja und nein. Ich habe in meinen Lehrveranstaltungen schon länger die Unzufriedenheit der Studierenden über die unerträglichen Studienbedingungen festgestellt, die durchaus immer weiter gestiegen ist. Es hat mich eher gewundert, dass sie nicht schon viel früher protestiert haben. Aber ich habe mir das lange damit erklärt, dass die Studierenden individuelle Wege finden, sich durchzumogeln. Das geht jetzt offenbar nicht mehr, die Geschwindigkeit der aktuellen Protestbewegung hat mich aber schon überrascht.

Wie steht die IG Externe LektorInnen zum Forderungskatalog der Uniproteste?

Schmidinger: Wir sind vielleicht nicht mit jedem Detail einverstanden, aber im Großen und Ganzen gehen wir mit dem Forderungskatalog d'accord. Ich finde es sehr wichtig, dass dabei Punkte inkludiert sind, die gar nicht die unmittelbaren Eigeninteressen der Studierenden betreffen - wie z. B. barrierefreies Studieren, 50 Prozent Frauenquote im Unipersonal und Beendigung der prekären Dienstverhältnisse. Dass solche Forderungen in einem basisdemokratischen Prozess erarbeitet wurden, zeugt schon von politischer Reife. Die Studierenden sind keine Rowdys, sondern sie haben über das Eigeninteresse hinaus die Uni als Ganze im Sinn.

Die Ziele der Uniproteste:

1) Bildung statt Ausbildung
2) Freier Hochschulzugang
3) Demokratisierung der Universitäten
4) Ausfinanzierung der Universitäten
5) Barrierefreies Studieren
6) Beendigung der prekären Dienstverhältnisse
7) 50 Prozent Frauenquote an den Unis

Die IG hat sich mit den Zielen der Studenten solidarisch erklärt. Was heißt das genau?

Schmidinger: Wir haben das bewusst offengelassen. Heute Abend findet eine Versammlung für alle Lehrenden und Forschenden der Uni Wien statt (NIG, HS 3). Wir haben den Studierenden angeboten, eine Delegation hinzuschicken. Wir wollen mit ihnen in einen Dialog treten und sie fragen, in welcher Form wir sie unterstützen können.

Um nur ein Beispiel von vielen herauszunehmen, das u. a. in den ORF-Foren heftig diskutiert wird: Braucht es Zugangsbeschränkungen, wenn immer mehr Studenten - etwa deutsche - an die Unis drängen?

Schmidinger: Deutsche oder andere Studierende von Österreichs Unis fernzuhalten ist ein nationaler Protektionismus, der der Schaffung eines europäischen Hochschulraums zuwiderläuft. Es studieren auch Österreicher in Deutschland, und es ist doch schön, wenn österreichische Unis so attraktiv sind, dass Deutsche hier studieren wollen. Wenn es tatsächlich zu viele sein sollten, dann sollte unsere Bundesregierung mit der deutschen wegen Ausgleichszahlungen verhandeln.

Was könnte man kurzfristig im laufenden Semester tun, um überfüllte Hörsäle zu vermeiden?

Studierende halten das Audimax der Uni Wien weiterhin besetzt. Auch an der Uni Graz ist eine Freigabe eines Hörsaals nicht in Sicht. Für Mittwoch wurden Demonstrationen in Wien und Salzburg angekündigt.

Schmidinger: Mehr Lehrveranstaltungen anbieten. Gut ausgebildete Lehrende dafür gibt es, die auch innerhalb einer Woche einsatzbereit wären. Auch die Räume zu organisieren sollte kein Problem sein. Das Ganze kostet natürlich Geld ...

... was wohl auch bei längerfristigen Änderungen der Fall wäre. Welche Ideen hätten Sie dafür?

Schmidinger: Es wird sicher mehr bedürfen als Not-Lehrveranstaltungen. Es braucht mehr Unilehrende, das Ende der prekären Beschäftigungsverhältnisse, besser entlohnte Arbeit und, jetzt etwas Utopisches, warum nicht auch die Gründung neuer Universitäten? Österreich verfügt im europäischen Vergleich über eine geringe Hochschuldichte, warum bauen wir nicht in, sagen wir, Wiener Neustadt oder in Feldkirch eine neue Uni? Das würde natürlich viel kosten, wäre aber eine Investition in die Zukunft. Studierende von Unis zu vertreiben heißt ja nicht, dass sie dann sofort Arbeitsplätze bekommen. Bei der Jugendarbeitslosigkeit sollte die Regierung eigentlich froh sein, wenn die Jugendlichen ein paar Jahre auf einer Uni verwahrt bleiben.

Letzte Frage zur Situation der Lehrenden: Was hat sich für die Lektoren mit dem neuen Hochschul-Kollektivvertrag geändert?

Schmidinger: Obwohl er theoretisch Verbesserungen bringen hätte sollen, hat sich für die meisten Betroffenen nichts geändert, für einige gab es sogar Verschlechterungen. So hat der neue Mittelbau an der Uni Wien 30-Stunden-Verträge bekommen, unterm Strich hat das für eine Reduktion des Gehalts gesorgt. Dazu kommen Mehrarbeitsverpflichtungen ohne Abgeltung, Verbot von Nebenbeschäftigungen, obwohl es sich um Teilzeitstellen handelt, und restriktive Klauseln, was das Eigentum an den im Dienst produzierten Schriften betrifft.

Lukas Wieselberg, science.ORF.at

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Forum

 
  • 50% frauenquote

    slartibartfast, vor 837 Tagen, 5 Stunden,

    nun, das topmoderne "frauen- und geschlechtsforschung" wird von nahezu 100% frauen betrieben, technik von, sagen wir mal aus dem bauch heraus, nahezu 90% maennern.

    na das gibt doch bereits einen schoenen schnitt, wozu also jammern?

  • Eine virtuelle Universität für alle einführen,...

    neutrino, vor 838 Tagen, 6 Stunden, 49 Minuten

    so könnte Jederman sein Interessensgebiet in aller Ruhe ausloten und von zu Hause aus übers Internet die jeweils gewünschte virtuelle UNI - Vorlesung (als Live - Stream) mitverfolgen, und erst viel später nach absolvierten erfolgreichen Prüfungen können die Hörsäle vor Ort von solchen virtuellen Studenten auch ernsthaft belegt werden,...so könnte eine gewisse Qualität gewahrt werden, und wer noch nicht so weit ist kann ja weiterhin von zu Hause aus mithören,...;-)
    .:.

  • van der bellen

    mecky, vor 838 Tagen, 13 Stunden, 14 Minuten

    als nachfolger für hahn. der gute mann hat vor seiner pensionierung nicht viel bewegt und soll nun ......,na, ja. daran alleine sieht man doch das teilweise aüßerst konzeptlose agieren dieser "studenten".wenn man so manche/n dieser schreihälse reden hört, ist unschwer zu erkennen aus welcher politischen ecke sie stammen. unruhe stiften ist deren ziel und nicht sinnvolle entwicklung der unis

    • stecher, vor 838 Tagen, 12 Stunden, 47 Minuten

      Wie hätt er denn viel bewegen sollen - in der Opposition gegen Blauschwarz und deren groß redenden, Mäßiges leistenden, möglicherweise sogar teils kriminellen Minister wie Molterer, Grasser und Gehrer?

  • Klausel,

    kaharatschonbonatschon, vor 838 Tagen, 13 Stunden, 16 Minuten

    was eigentum an im Dienst produzierten Schriften betrifft??? Was soll das heißen? Eine Forschungsarbeit, die wer erstellt hat, gehört doch immer dem, der sie erstellt hat. Für was gibt´s das Urheberrecht?

  • NACHFOLGER für Hr. Hahn?!

    horacescribbler, vor 838 Tagen, 15 Stunden, 26 Minuten

    Wenn Hr. Hahn nun seinen Posten verläßt, um nach Brüssel zu wechseln, so möchte ich Prof. ALEXANDER van der BELLEN für die Nachfolge in diesem Amt vorschlagen,
    mfg

    • muriem, vor 838 Tagen, 14 Stunden, 50 Minuten

      Hätte ihn zwar auch gerne in dieser Position, aber gönne ihm doch seine Pension.

      Außerdem ist er in einer Partei die nicht in der Regierung ist.

  • insgesamt braucht es eine änderung der grundfesten der ausbildung

    iniquity, vor 838 Tagen, 18 Stunden, 1 Minute

    vom kindergarten über die weiterführenden schulen bis hin zum hochschulwesen eben.
    aber das fordern experten schon seit jahren.
    allein bei SPÖVP opfert man die sachthemen stets der politischen sichtweise.

  • Ach,

    zora, vor 838 Tagen, 18 Stunden, 54 Minuten

    und wenn man kein Interesse und keine Begabung für technische Matematik hat, dann soll man gleich gar nicht studieren?
    Das ist halt ein Fach,das nicht unbedingt vom Hocker reißt.

    • tomschi, vor 838 Tagen, 17 Stunden, 58 Minuten

      Auch wenn das nicht allgemein bekannt ist, so ist doch technische Mathematik gesellschaftlich, wirtschaftlich und auch sonst in fast jeder Hinsicht relevanter als Politikwissenschaft. Man sollte daher die Gesellschaft, die das ganze finanziert, auch mitbestimmen lassen.
      Zu sagen, "ihr seit der dumme Pöbel, zahlt einfach, was wir mit dem Geld machen, entscheiden wir, die geistige Elite", ist ein wenig arrogant.
      Das Studium, das ich absolviert habe, bestand fast ausschließlich aus Ausbildung. Bildung kann man sich auch selbst aneignen, wer dazu nicht in der Lage ist, oder wen das nicht interessiert, weil er (generisches Maskulinum) dafür keinen Schein bekommt, ist auf einer Uni ohnehin am falschen Platz.

    • etwas zu studieren

      neuezeit, vor 838 Tagen, 15 Stunden, 4 Minuten

      woran man kein interessa hat wär ja der größte unsinn den man machen kann.
      und etwas zu studieren worin man keine begabung hat wär auch nicht grade hilfreich im studium bzw. später im job. ich würd ja auch nicht grade biologie studieren da bei mir jede pflanze nach spätestens einem halben jahr tot ist, oder versuchen an einer kunstuni aufgenommen zu werden als vollkommen untalentierter.

    • oh mein gott

      cmos, vor 838 Tagen, 12 Stunden, 9 Minuten

      dass dein grüner daumen nix mit nem bio-studium zu tun hat, weißt du hoffentlich..?

  • "überfüllte Hörsäle"?

    hosenbeisser, vor 839 Tagen, 7 Stunden, 45 Minuten

    Also wenn man heute z.b. Maschinenbau oder auch technische Mathe auf der Technik studiert, gibt es keine überfüllten Hörsäle. Ganz im Gegenteil, die VOs sind fast schon Privatissima.

    Wenn natürlich jeder so ganz toll und wichtige Orchideen wie die so super modische Politikwissenschaften studieren muss, klar ist dann alles gerammelt voll.

    • wieviel von den politwiss'ern

      xy13, vor 839 Tagen, 5 Stunden, 52 Minuten

      würden wohl deine erwähnten studien schaffen...

      im (niedrigen) einstelligen prozentbereich...

    • nowo, vor 838 Tagen, 20 Stunden, 9 Minuten

      Or|chi|de|en|fach, das (Jargon): ausgefallenes, ungewöhnliches u. deshalb nur von wenigen gewähltes Studienfach. (Duden)

    • mjrchiphazzard, vor 838 Tagen, 18 Stunden, 16 Minuten

      schön, dass es du gut hast. aber verlass doch bitte deinen mikrokosmos einmal kurz, geh einmal ums eck und frag bei den architekten, wies denen so geht. die haben zu dem thema sicher auch ne meinung...

    • überfüllung gibts an der TU zwar nicht, dennoch auch großen reformbedarf

      iniquity, vor 838 Tagen, 18 Stunden, 4 Minuten

      es gibt ziemlich viele TU absolventen, die vom mit mühe gelernten im berufsleben dann leider nur wenig brauchen, weil sie letztlich in einem job landen, für den das studium eigentlich viel zu üppig war O_o

      beispiel: als es bei den personalmanagern in mode kam, einfach einen informatiker einzustellen, weil der würde "das mit den computern schon schaukeln"
      ja ne und dafür hat der 10 semester lang wie blöd algorithmen gepaukt -.-

    • Für die meisten Führungsjobs

      rohestoerung, vor 838 Tagen, 15 Stunden, 43 Minuten

      wird das Detailwissen eines Studiums nie benötigt. Aber es ist in Österreich eben so üblich, dass oben jemand mit Titel(n) sitzt.

    • @iniquity

      leolegende, vor 838 Tagen, 14 Stunden, 26 Minuten

      Wenn man nur genau das lernen will was man für den Beruf braucht soll man eine Lehre machen. Maturanten und Akademiker sollen Dinge lernen die sie später vielleicht nicht mehr brauchen. Das ist Absicht und so vorgesehen.