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120.000 Biographien im Internet

Wo findet man in Zeiten von Google und Wikipedia im Internet verlässliche Angaben zu verstorbenen Persönlichkeiten? Beispielsweise im "Biographie-Portal".

Geschichte 26.11.2009

Das "Biographie-Portal"ist als wissenschaftlich-fundierte Recherche-Möglichkeit im Internet noch relativ jung; was sie bietet, hat science.ORF.at den Direktor des "Instituts Österreichisches Biographisches Lexikon und Biographische Dokumentation", Ernst Bruckmüller gefragt.

Deutschsprachiges Netzwerk

Das Biographie Portal vernetzt vier große deutschsprachige (Print)Lexika: das Historische Lexikon der Schweiz HLS, die Neue Deutsche Biographie NDB, die Allgemeine Deutsche Biographie ADB [Anm.: die Vorgängerin der NDB] und das Österreichische Biographische Lexikon ÖBL.

Während das neuere deutsche und das Schweizer Lexikon zeitlich nicht eingegrenzt sind und bis in die Gegenwart reichen, ist das österreichische Nachschlagewerk auf den Zeitraum 1815-1950 begrenzt.
Über das online-Biographie-Portal kann auf die Daten der vier Lexika zugegriffen werden - derzeit geschätzte 120.000 Lebensläufe.

"Der Tod ist die Voraussetzung"

Lebende Persönlichkeiten - egal ob aus Wissenschaft, Politik, Sport oder Kultur, werden nicht erfasst; die Voraussetzung für einen Eintrag ist - leider - der Tod, so Ernst Bruckmüller.

Die zeitliche Begrenzung der österreichischen Beiträge bedingt, dass es zudem "historische" Persönlichkeiten sind: Der letzte Eintrag im ÖBL umfasst den 31.12.1950 und somit ist die letzte erfasste Biographie jene des ehemaligen Bundespräsidenten und Bundeskanzlers Karl Renner, der nämlich am 31.12.1050 gestorben ist.

Die neue deutsche und das Schweizer Lexikon reichen bis in die jüngste Gegenwart - und somit gehört zu den aktuelleren Beiträgen bspw. der Meeresforscher Jacques Piccard, der u.a. mit einem selbstkonstruierten U-Boot zum Mariannengraben getaucht war.

Pianistin, Priester, Pferdezüchter

Die online-Suche erlaubt nicht nur die Abfrage von Nachnamen oder die Suche nach Geburtsjahren und Sterbedaten, sondern ermöglicht auch die Suche nach speziellen Berufsgruppen und Funktionen - egal ob Pianistin, Priester, Pferdezüchter.

Work in progress

Das online Portal werde aber die Printversion des "Österreichischen Biographischen Lexikons 1815-1950" nicht ersetzen, verspricht Bruckmüller im Gespräch mit science.ORF.at. Die aktuelle Lieferung ist soeben erschienen und reicht von "Stich" bis "Stratil" - darin zu finden bspw. die Biographie von Adalbert Stifter.

Für das nächste Update des Biographie-Portals Anfang 2010 ist laut Österreichischer Akademie der Wissenschaften die Erweiterung um die Register der 61. Lieferung des ÖBL und des 24. Bandes der NDB vorgesehen.

Zudem ist das relativ junge Biographie-Portal als Recherche-Möglichkeit im Internet kürzlich um ein Zusatz-Angebot erweitert worden: die Schweizer Daten wurden um französisch- und italienisch-sprachige Biografien erweitert.

"Lexikographie des Internets"

In Zeiten von Google und Wikipedia will das "Biographie-Portal" verlässliche und wissenschaftlich-fundierte Angaben zu verstorbenen Persönlichkeiten bieten - eben nicht nur in Buchform, sondern auch im Internet und damit für jeden und jeder frei zugänglich. Ernst Bruckmüller zu science.ORF.at:

"Neben den Büchern entsteht eine eigene Lexikographie des Internets. Innerhalb dieser haben wir uns vorgenommen, den interessierten Benützern und Benützerinnen Biographien zugänglich zu machen, von denen klar ist, dass sie wissenschaftlich überprüft sind. Das ist unser Ehrgeiz. Wir wollen Biographien ins Netz stellen, die von Wissenschaftlern [Anm. mehrheitlich Frauen] geschrieben sind und von einer wissenschaftlich arbeitenden Redaktion überprüft wurden."

"Nationale" Sichtweisen

Die Vernetzung und gegenseitige Ergänzung der Datenbanken aus Österreich, Deutschland und der Schweiz zeigt sich an einem Beispiel passend zum heutigen Tag: heute vor 79 Jahren erschien der erste Band von Robert Musils "Mann ohne Eigenschaften"; Musils Biographie ist für alle drei Staaten von Interesse und wird daher auch von allen unterschiedlich mit unterschiedlichen Schwerpunkten abgebildet.

Barbara Daser, Ö1 Wissenschaft

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