
Dunkle Galaxie auf Kollisionskurs
Gigantische Gaswolke
Bereits im Jänner 2008 entdeckten Forscher rund um Felix Lockman vom US-amerikanischen National Radio Astronomy Observatory, dass eine gigantische Gaswolke - mit einer Masse von Millionen Sonnen - Richtung Milchstraße rast.
Das Objekt ist etwa 8.000 Lichtjahre von der Erde entfernt. Es besteht vor allem aus Wasserstoffgas und ist etwa 11.000 Lichtjahre lang und 2.500 Lichtjahre breit. Am Himmel entspräche seine Ausdehnung ungefähr jener des Sternbildes Orion, mit freien Augen kann man es allerdings nicht sehen. Das erste Mal gesichtet wurde die "Smith-Wolke" bereits 1963 von der Astronomiestudentin Gail Smith, ihr Kollisionskurs war aber bis zum letzten Jahr unbekannt.
Schnell wie ein Komet

Bilder und Messungen zeigten, dass sich die Wolke mit 240 Kilometer pro Sekunde auf die Milchstraße zu bewegt. Dieses Tempo ist auch der Grund für ihr kometenartiges Aussehen. Wann genau sie auf unsere Galaxie treffen wird, konnten die Forscher nicht sagen, vermutlich in 20 bis 40 Millionen Jahren.
Die Kollision wird laut den Astronomen eine spektakuläre Lichtshow auslösen. Die Schockwellen könnten zu einer raschen Formation neuer Sterne führen, deren größte in nur wenigen Millionen Jahren als Supernovae explodieren würden.
Der Zusammenstoß selbst ist laut dem Team um Lockman für bewohnte Regionen keine Bedrohung, da sich die Masse über einen derartig weiten Raum erstreckt. Die Supernovae wären aber eine echte Gefahr.
Masse verhindert Zerfall

In Dunklen Galaxien gibt es sehr wenig oder gar keine Sterne. Vermutlich bestehen sie vor allem aus Wasserstoffgas und Dunkler Materie, eine hypothetische Form der Materie, die selbst nicht ganz unumstritten ist.
Das Objekt hält noch mehr Überraschungen bereit: Laut einer neuen Studie, die auf dem Preprintserver arXiv.org veröffentlicht wurde, ist es massereich genug, um selbst eine Galaxie zu bilden. Die Berechnungen der zwei australischen Astronomen M. Nichols und J. Bland-Hawthorn von der School of Physics der University of Sydney ergaben, dass ihre Masse vermutlich hundertmal so groß ist, wie ursprünglich angenommen. Laut den Autoren sollte man die Wolke daher als Zwerggalaxie klassifizieren.
Wäre die Wolke nicht so massereich, müsste sie schon auseinandergebröckelt sein, so die Forscher. Dabei sei sie schon einmal mit unserer Galaxie kollidiert, nämlich vor etwa 70 Millionen Jahren. Um einen derartigen Zusammenstoß zu überleben, müsse sie einfach viel mehr Masse haben. Denn nur so könne sie ausreichend Gravitationskräfte produzieren.
Die Forscher nehmen an, dass die Wolke von einem Ring aus dunkler Materie umgeben ist, dessen Masse das System sozusagen von "unsichtbarer Hand" zusammenhält. Daraus folgern sie, dass es sich bei der "Smith-Wolke" sogar um einen der raren konkreten Kandidaten für eine Dunkle Galaxie handeln könnte.
Eva Obermüller, science.ORF.at


