
Einsamkeit kann ansteckend sein
Die ausfransenden Enden der Gesellschaft
Stresshormone nehmen zu, und das Risiko für Alzheimer steigt: Wer sich einsam fühlt, bekommt eine Reihe an gesundheitlichen Folgen zu spüren. Körperliche Schäden dürften aber nicht das einzige sein, was Einsamkeit und übertragbare Krankheiten gemeinsam haben.
Der Artikel "Alone in the Crowd: The Structure and Spread of Loneliness in a Large Social Network" ist in der aktuellen Ausgabe des "Journal of Personality and Social Psychology" erschienen (Abstract, sobald online).
Einsamkeit sei ebenfalls ansteckend, behaupten Wissenschaftler um den Psychologen John Cacioppo von der Universität Chicago. Einsame Menschen würden ihre Gefühle des Alleinseins auf ihre letzten noch verbliebenen Freunde übertragen und diese würden dann ebenfalls einsam. Auf diese Weise würde die Gesellschaft um die einsamen Menschen ausfransen wie lose Fäden am Rande eines gehäkelten Pullovers.
Einsam unter Nachbarn
Wie das gehen kann, erklären die Forscher an einem Beispiel: Wenn etwa Nachbarn gut befreundet sind und einer anfängt sich zurückzuziehen, können auch die anderen einsam werden, sobald sich die Anwohner weniger oft sehen.
Die Forscher verwendeten Daten der Framingham Heart Study, einer Studie, die seit 1948 Herzkrankheiten und in letzter Zeit auch die Einsamkeit im gleichnamigen Ort in Massachusetts über mehrere Generationen hinweg untersucht. In der Studie kontaktierten Forscher die gleichen Menschen und ihre Freunde alle zwei bis vier Jahre und rekonstruierten so die Geschichte von Freundschaften. Für die Einsamkeitsstudie wurden Daten seit 1971 ausgewertet.
Der Einsame und die anderen
Menschen mit wenigen sozialen Kontakten treiben sich aber auch selbst immer weiter ins Alleinsein. Sie vertrauen anderen Menschen immer weniger. Das macht es schwierig, neue Freunde zu finden.
Aber auch die Gesellschaft tendiert dazu einsame Menschen weiter auszuschließen. Dieser Effekt konnte auch an Affen festgestellt werden, die Kollegen, die eine Zeit lang von der Gruppe entfernt wurden, nicht mehr in diese aufnehmen wollten.
Laut den Studienautoren sind besonders Frauen davon betroffen, Isolation von anderen zu übernehmen. Einsam werden Menschen vor allem, wenn sich ihre Beziehungen zu Freunden verändern, nicht so sehr, wenn es familiäre Bande betrifft.
science.ORF.at


