Standort: science.ORF.at / Meldung: "Kampf der Geschlechter"

Eine Moschusente, gefolgt von ihren Kindern

Kampf der Geschlechter

Weibliche Moschusenten haben eine verblüffende Strategie entwickelt, um nicht von unerwünschten Erpeln befruchtet zu werden. Ihre Vagina besitzt die Form einer im Uhrzeigersinn gedrehten Spirale. Der korkenzieherförmige Penis der Männchen krümmt sich genau in die entgegengesetzte Richtung.

Entensex 23.12.2009

Erzwungene Paarungen können daher laut einer aktuellen Studie auf unüberwindliche Hindernisse stoßen.

Antagonistische Koevolution

Geschlechterkonflikte gibt es nicht nur beim Menschen, sondern auch im Tierreich. Hier entstehen sie als Folge unterschiedlicher Fortpflanzungsinteressen von Männchen und Weibchen.

Ausgetragen wird der Konflikt auf der körperlichen Ebene - die Genitalien entwickeln sich sozusagen gegenläufig. Die Biologie nennt das "antagonistische Koevolution", bekannt ist dieses Phänomen vor allem aus der Welt der Insekten, von Käfern oder Wasserläufern.

Erzwungene Paarungen

Für ihre aktuelle Studie haben die Forscher rund um Patricia Brennan von der Yale University die Genitalmorphologie von Wasservögeln näher unter die Lupe genommen.

Anders als die meisten Vögel besitzen diese einen Penis. Dieser ist "im Ruhezustand" nach innen gestülpt, verborgen im phallischen Sack der Kloake. Erst während der Begattung stülpt er sich innerhalb der weiblichen Vagina nach außen. Die Erektion wird dabei nicht von Gefäßveränderungen, sondern von Lymphflüssigkeit ausgelöst. Dadurch bleibt er auch in diesem Zustand biegsam.

Die Länge und die Oberfläche des Geschlechtsorgans hängen laut den Biologen mit der Häufigkeit erzwungener Paarungen zusammen, ein bei Wasservögeln durchaus übliches Verhalten. Dieses zwinge die Tiere zur Ausbildung körperliche Merkmale, die darüber entscheiden, wer letztlich die Kontrolle über Befruchtung hat.

Spiralförmige Hürde

Die Vaginen mancher weiblicher Wasservögel besitzen nicht nur "Sackgassen", sondern sind in sich spiralenförmig gedreht. Die Drehung verläuft im umgekehrten Sinn wie die des korkenzieherförmigen Penis. Die Forscher vermuteten, dass die Weibchen so das Eindringen blockieren oder zumindest verzögern können.

Um dies zu überprüfen, beobachteten sie Moschusenten einer US-amerikanischen Entenzuchtfarm, während sie in Glasröhren unterschiedlicher Form ejakulierten. Einige davon waren gerade, andere glichen der Vagina der Weibchen. Der Vorgang wurde mit einer hochauflösenden Videokamera festgehalten.

Hindernis nur bei "unerwünschten" Paarungen

Die Aufnahmen zeigten, dass sich der bis zu 20 Zentimeter lange Penis in unglaublichem Tempo nach außen stülpt, nämlich innerhalb von 0,36 Sekunden. Nur eine vaginaartige Form der Röhren konnte diese blitzartige Ausstülpung bremsen. Eine Ejakulation wurde allerdings nicht verhindert.

Die Ergebnisse der Studie stützen die These der Forscher, dass die Form der Entenvagina sich mit der Gestalt des Erpelpenis mitentwickelt habe. Die mechanische Barriere verhindere eine völlige Ausstülpung, der Samen werde dadurch deutlich weiter unten abgegeben - eine Befruchtung wird so zumindest weniger wahrscheinlich.

Ein Vergleich mit "erwünschten" Paarungen zeigte außerdem, dass die Vaginalform in diesem Fall kein Hindernis darstellt. Weibchen nehmen dabei eine entgegenkommende Stellung ein und ähnlich wie beim Legen von Eiern kontrahieren und entspannen sich ihre Muskeln abwechselnd, was das Eindringen des männlichen Geschlechtsorgan deutlich erleichtert.

Weibliche Partnerwahl

Das Biologenteam vermutet hinter der weiblichen Genitalform einen Geschlechtskonflikt im weiteren Sinn. Das heißt, es gehe nicht darum, die direkten Kosten von Zwangspaarungen - wie etwa Verletzungen - zu vermeiden, sondern um den langfristigen, also den genetischen Fortpflanzungserfolg.

Die Barriere der Geschlechtsorgane ermögliche es den Weibchen, jene Erpel zu wählen, die ihnen besser zu Gesicht stehen. Auch das relativ aufwändige und komplizierte Balzverhalten der Tiere zeige, dass die Auswahl des Partners wohlüberlegt erfolgt.

Eva Obermüller, science.ORF.at

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Forum

 
  • "Weibliche Moschusenten haben eine verblüffende Strategie entwickelt"

    hosenbeisser, vor 88 Tagen, 9 Stunden, 59 Minuten

    Aha, und wie haben sie das entwickelt? Ist da ein Gruppe von weibliche Moschusenten mal zusammengesessen und haben gesagt: "Na, die Drehrichtung tun wir jetzt mal umkonstrukieren."

    Leutln, das ist völliger Unsinn. Diese Enten, weder die Mannderl noch die Weiberl, haben da irgendwas entwickelt oder konstrukiert. Auch sonst niemand oder etwas.

    Wie wärs, wenns mal diesen Unfug vom "Intelligent Design" sein lässt. Es ist mit den lästig-dummen Amis in dieser Frage schon schlimm genug.

    • na gee

      mantispa, vor 88 Tagen, 9 Stunden, 50 Minuten

      sei nicht so genau oder pitzlig - 1 tag vor weihn. die meinen doch das gewiss nur allegorisch oder metaphorisch, nicht als id-beweis. reporter mit blumiger sprache. sch.w.

  • für laien vielleicht

    mantispa, vor 88 Tagen, 17 Stunden, 37 Minuten

    verständlicher gemacht: die entenweibchen haben es mittels aktiver formveränderung ihrer kloake in der "hand", eine zwangsbeglückung durch männchen nur dann zum (ftpfl.-)erfolg werden zu lassen, wenn ihnen dieses "gefällt".

    • ws ich nicht ganz verstehe ...

      manfredvogl, vor 88 Tagen, 17 Stunden, 2 Minuten

      ... verstehen darf (!) ... wie haben die as entwickelt?
      "Weibliche Moschusenten haben eine verblüffende Strategie entwickelt ..."
      Das klingt jetzt wieder so, als würden Juden und mMoslems eines Tages unbeschnittene male X-Men entwickeln und gebären.

      (-; Frohes Punschfest!

    • das wäre auch in ordnung,

      mantispa, vor 88 Tagen, 9 Stunden, 19 Minuten

      denn gott hat den mann mit angewachsenem praeputium geschaffen und der mensch soll das nicht willkürlich verändern, verpfuschen.

  • wieder mal ein typisches orf-science bild

    neuezeit, vor 88 Tagen, 18 Stunden, 22 Minuten

    sehr passend. wenn man wenigstens einen truthahn genommen hätte wär man zumindest vom aussehen schon mal nah dran gewesen, und bei einem kurzen blick wärs vielleicht gar nicht aufgefallen.
    aber die stockente, super...

    • Keine Stockente mehr

      scienceredaktion, vor 88 Tagen, 17 Stunden, 54 Minuten

      Das neue Bild ist korrekter, danke für den Hinweis.

    • allgeier, vor 88 Tagen, 17 Stunden, 8 Minuten

      gut. @neuezeit, was glaubst du, wie viele 8-zackigen Schneeflocken ich diesen Winter schon gesehen habe. Als "Grafiken" zu Artikeln, die die Entstehung von Schneeflocken behandeln, wohlgemerkt.

    • thalius, vor 88 Tagen, 11 Stunden, 35 Minuten

      Es ist der Redaktion zu danken, daß sie den Hinweis aufgenommen und entsprechend reagiert hat. Tut auch nicht jeder!

    • allgeier, vor 88 Tagen, 11 Stunden, 6 Minuten

      Es gibt schon Gründe, hier in science zu lesen. Es ist fein, hin und wieder sogar von Nutzen, so zwischendrin zu erfahren, wer wieder was wo erforschen zu müssen glaubt :o) top oder flop, Wertung immer auf Anhieb gerecht verteilt?