
Die letzte Reise unserer liebsten Freunde
Stilvoll, kitschig oder kurios: Je nach Geschmack und Einkommen kann man Rex, Susi und Co auf unterschiedlichste Art und Weise unter die Erde bringen. Die Katze hat Platz in einer Hutschachtel, Goldfische passen in eine Sardinendose und Schlangen in den alten Billardkoffer.
Der Ratgeber "Tote Lieblinge - Wie Sie Ihr Haustier stilvoll unter die Erde bringen" ist im Eichborn Verlag erschienen.
Für jedes Haustier gibt es den optimalen Sarg - so beschreiben es zumindest die britischen Autoren Andrew Kirk und Jane Mosley in einem kürzlich erschienenen Buch. Mit einer Portion schwarzem Humor will dieser Ratgeber Menschen zur Seite stehen, die ihren kleinen Freund gerade verloren haben.
Vor dem Tod
Bevor es überhaupt zu einer Tierbestattung kommt, können sich Hundebesitzer und Katzenfreunde überlegen, ihre tierischen Begleiter versichern zu lassen. In Österreich übernimmt das seit 1997 die Allianz und seit November können Tierbesitzer ihre Lieblinge auch beim Tierfutter- und Tierzubehörhändler "Fressnapf" für Krankheiten oder Unfälle versichern lassen.
Und für jene, die sich überhaupt nicht von seinem Haustier trennen können, haben die Buchautoren noch einen anderen, sehr kuriosen Tipp: "Klonen ist die neue Methode, Ihren Liebling für immer bei sich zu haben."
Ein Biotech-Unternehmen in Südkorea hat bereits im Vorjahr berichtet, in das Geschäft mit dem Klonen von Haustieren gestartet zu sein. Die Forscher haben fünf genetische Kopien eines gestorbenen Pitbull-Terriers hergestellt.
Selten, kostspielig, fragwürdig? Bis das Klonen Marktreife erlangt, können sich Tierbesitzer im Labor eine Zellprobe vom Tier entnehmen lassen und sie einfrieren, bis die Technik soweit ist. Nach Versicherung und Klonvorsorge gilt es, die geeignete Ruhestätte zu finden.
Tiermehl und Tierfett
In Österreich regeln die Länder, ob man Haustiere im eigenen Garten begraben darf oder nicht. Der übliche, letzte Weg führt die toten Haustiere vom Tierarzt in eine Tierkörperverwertungsanlage, wo sie zu Tiermehl und Tierfett verarbeitet werden.
"Das ist noch immer die gängigste Variante", erklärt Tierärztin Angelika Köppel aus Bruck an der Mur. Tierfriedhöfe und Tiereinäscherung seien vor allem eine Kostenfrage.
Mit Tierbestattungen Geld verdienen
Genau dafür ist Hubert Malissa, Leiter der Tierbestattungsfirma "Antares" zuständig. Sein Sortiment reicht von der Einäscherung über die Erdbestattung bis hin zu Urnen und Grabzubehör. Seit 2003 verdient er sein Geld mit Tierbestattungen. Er schätzt, dass etwa fünf bis zehn Prozent der Haustierbesitzer ihre Lieblinge bestatten lassen. Tendenz steigend.
"Es sind Menschen wie du und ich", erklärt Malissa bei der Frage nach seinen Kunden. Tendenziell seien es aber mehr Frauen als Männer, und was die Art der Bestattung betrifft, gäbe es mehr Verbrennungen als Beerdigungen. Letztere seien vielen zu teuer und zu pflegeintensiv.
Ungefähr 1.100 Bestattungen im Jahr übernimmt der "Antares"-Chef, etwa genauso viele Tiere werden jährlich in das Wiener Tierkrematorium gebracht. Ab etwa 60 Euro können Tierbesitzer Vögel oder Nagetiere einäschern, die Kremierung von mittelgroßen Hunden kostet zwischen 200 und 300 Euro.
Wer seine Lieblinge besonders exklusiv in Erinnerung behalten will, kann sich ab 2.000 Euro auch einen Diamant aus der Asche von Susi, Rex und Co. anfertigen lassen.
Stil muss man nicht kaufen
Die Buchautoren Andrew Kirk und Jane Mosley sind jedenfalls davon überzeugt, dass man auch mit weniger Aufwand seinem Haustier würdevoll die letzte Ehre erweisen kann: Zum Beispiel indem man selbst einen Blumenkranz bastelt, den Sarg bunt bemalt, Trauergäste einlädt und einen deftigen Leichenschmaus organisiert. Übrigens auch für die trauernden Tiere: Hundekuchen für die Hunde, Katzenminze und getrockneten Fisch für die Haustiger und Studentenfutter für die Nager.
Ein Denkmal setzen können Tierliebhaber ihren Begleitern nicht nur mit einem selbst gebasteltem Holzkreuz sondern auch im Internet: Viele Gedenkseiten verschaffen dem Haustier Öffentlichkeit (z.B.hier oder hier) – und sorgen dafür, dass der kleine Liebling nie vergessen wird.
Christine Baumgartner, science.ORF.at
Mehr zu dem Thema:


