Standort: science.ORF.at / Meldung: "Das Astronomiejahr im Schnelldurchlauf"

Bisher älteste aufgenommene Galaxien

NASA, ESA, G. Illingworth (UCO/Lick Observatory und University of California, Santa Cruz), R. Bouwens (UCO/Lick Observatory und Leiden University)

Das Astronomiejahr im Schnelldurchlauf

2009 war für die Astronomie ein ereignisreiches Jahr: Neben der Platzierung neuer Teleskope im All ging die Suche nach extrasolaren Planeten und "kosmischem" Wasser weiter. Heuer wurde auch das "Internationale Jahr der Astronomie" gefeiert. Die Anlässe: Galileis erster astronomischer Einsatz von Teleskopen und die Begründung der modernen Himmelsmechanik durch Kepler.

Jahresrückblick 30.12.2009

In Österreich fanden dazu hunderte Sonderveranstaltungen – organisiert von Amateur- und Berufsastronomen – statt, berichten die beiden Astronomen Christian Reimers und Thomas Posch von der Universität Wien in einem Gastbeitrag.

Österreichs Astronomen wurden nach der im Februar erfolgten parlamentarischen Ratifizierung des Beitritts zur Europäischen Südsternwarte erstmals zu gleichberechtigten Nutzern der in Chile stationierten Großteleskope.

Astronomischer Jahresrückblick 2009

Von Christian Reimers und Thomas Posch

Porträtfotos der beiden Astronomen Thomas Posch und Christian Reimers

Thomas Posch (links) und Christian Reimers sind Mitarbeiter am Institut für Astronomie an der Universität Wien.

Internationales Jahr der Astronomie 2009

Die amerikanische Raumsonde LCROSS nahm Anfang Oktober den Mond ins Visier. Ziel dieser spektakulären Mission war es, Mondmaterial durch den Einschlag einer Raketenstufe in der Nähe des Mondsüdpols aufzuwirbeln und mit einer nachfliegenden Sonde im Kamikaze-Stil zu analysieren.

Doch es kam anders als geplant. Viele Teleskope auf der Erde als auch im Weltraum sollten die Auswurfwolke direkt detektieren, aber es konnte von keinem einzigen Teleskop etwas ausgemacht werden. Allein die Detektoren an Bord der abstürzenden Sonde konnten den Einschlag im Infrarotbereich aufnehmen und das Material untersuchen.

Fazit: Es wurden Spuren von Wasser bzw. Wassereis gefunden, der Mondboden am Südpol ist aber anders beschaffen als erwartet.

Neue Teleskope im All

Start des Satelliten WISE im Dezember 2009

Infrarotaufnahme des Starts von WISE
am 14. Dezember 2009

Die astronomische Wissenschaftsgemeinschaft kann durch den Start mehrerer Satellitenmissionen mit neuen Teleskopen die Geheimnisse des Weltalls erforschen. Im Mai wurden Planck und Herschel im Lagrange-Punkt 2 des Erde-Sonne-Systems platziert, im März Kepler in eine Sonnenumlaufbahn und schlussendlich im Dezember WISE ins All gebracht.

Diese Weltraumteleskope werden für die unterschiedlichsten wissenschaftlichen Untersuchungen eingesetzt:
1.) Kepler sucht nach Sternfinsternissen, die durch den Transit von kleinen, dunklen Objekten vor Sternscheiben entstehen, und ist damit auch auf der Suche nach erdähnlichen, extrasolaren Planeten.
2.) Planck soll zwei Jahre lang das Nachglühen des Urknalls auf geringfügige Inhomogenitäten untersuchen.
3.) Herschel, ein 3,5-Meter-Spiegelteleskop mit infrarotempfindlichen Detektoren, soll die Wärmestrahlung von Sternen, Gaswolken und Galaxien beobachten, analysieren und kartographieren und hat schon kurz nach seinem Start detaillierte Testmessergebnisse geliefert, die sehr vielversprechend sind. Auch österreichische Wissenschaftler sind an der Herschel-Mission beteiligt.
4.) WISE wird eine vollständige Himmelsdurchmusterung im infraroten Wellenlängenbereich durchführen und unter anderem Asteroiden, die eventuell der Erde gefährlich werden könnten, aufspüren.

Erster erdähnlicher extrasolarer Planet entdeckt

Die Entdeckung des ersten erdähnlichen Planeten außerhalb unseres Sonnen-systems konnte bestätigt werden: Die Radiusbestimmung mit dem Satelliten CoRoT und Massemessungen an der Europäischen Südsternwarte (ESO) haben belegt, dass der im Februar 2009 erstmals beobachtete extrasolare Planet eine feste Oberfläche besitzt.

Der Planet wurde nach seinem Entdecker-Satelliten "CoRoT-7b" benannt.

Saturngewitter neuer Rekordhalter im Sonnensystem

Ein gewaltiger Gewittersturm in Saturns Atmosphäre, der Mitte Jänner 2009 begann, wurde zum am längsten durchgehend beobachteten Gewitter im Sonnensystem. Der Sturm dauerte acht Monate und konnte mit der US-amerikanischen Raumsonde Cassini detailliert beobachtet werden.

Weltraumteleskop spürte 16 Pulsare auf

Künstlerische Darstellung eines Gammastrahlen-Pulsars.
Künstlerische Darstellung eines Pulsars: Magnetfeldlinien sind blau, Gammastrahlen sind lila eingezeichnet.

Durch das NASA-Weltraumobservatorium "Fermi Gamma-Ray Space Telescope" haben Astronomen 16 Pulsare aufgespürt. Von den Himmelskörpern erreicht uns hochenergetische Gammastrahlung. Analysen haben ergeben, dass die Quellen der Strahlung Neutronensterne in unserer Galaxie sind.

"Starburst"-Galaxie sendet Gammalicht aus

Mit den Gammastrahlen-Teleskopen H.E.S.S. wies eine internationale Forschungsgruppe erstmals Hochenergie-Gammastrahlung aus dem Sternentstehungsgebiet einer Spiralgalaxie nach. Astrophysiker der Universität Innsbruck waren an der Entdeckung beteiligt.

Planeten, wohin das Teleskop-Auge schaut

Die Suche nach extrasolaren Planeten geht weiter! Moderne Teleskope entdecken immer mehr Planeten außerhalb unseres Sonnensystems. Allein das Team des Projects HARPS

Auch Grundbausteine des Lebens konnten Astronomen bei einem fernen Planeten nachweisen. Die Weltraumteleskope Hubble und Spitzer entdeckten organische Moleküle in der Atmosphäre des Gasriesen HD 209458b.

Ein Stern, ähnlich der Sonne, mit einem Planeten davor.
So ähnlich könnten die 2009 entdeckte Supererde GJ 214b und ihre Sonne aussehen.

Bei einer weiteren "Super-Erde" konnte eine dicke Atmosphäre gefunden werden.

Die Suche wird also mit allen Mitteln vorangetrieben und es ist möglicherweise nur mehr eine Frage der Zeit, bis wir Leben auf einem extrasolaren Planeten finden!

IBEX und die Grenze des Sonnensystems

Der kontinuierliche Sonnenwind erzeugt um das Sonnensystem einen schützenden Kokon, der uns vor dem interstellaren Medium, vor allem vor der hochenergetischen kosmischen Strahlung, schützt.

Der US-amerikanische Satellit IBEX lieferte überraschende Ergebnisse von einer völlig unerwarteten Struktur im Fluss dieser Teilchen. Es zeigte sich ein "diagonal" über den Himmel verlaufendes Band starker Intensität. Inzwischen wissen wir auch den Grund dafür. Dieses Band entsteht durch die Verdichtung des Kokons aufgrund des Magnetfelds des interstellaren Mediums.

Hubble blickt noch tiefer ins All

Die NASA meldete, durch die Generalsanierung ihres Hubble-Weltraumteleskops im Frühjahr sei dieses wieder bereit für ein neues Jahrzehnt der Entdeckungen. Im Mai dieses Jahres hatte das mittlerweile 19 Jahre alte Weltraumteleskop unter anderem neue Instrumente erhalten.

Nach monatelangen sorgfältigen Tests und Kalibrierungen der Neuinstallationen gelangen den Astronomen auch schon wieder atemberaubende Aufnahmen sowie der bislang tiefste Blick ins All im Infrarotbereich.

Die ältesten Galaxien, die bisher beobachtet wurden.
Ur-Galaxien, gesehen vom Hubble-Teleskop.

Die auf den veröffentlichten Abbildungen erkennbaren leuchtschwächsten und rötesten Objekte sind vermutlich die ältesten Galaxien, die je beobachtet wurden. Sie entstanden nur 600 bis 900 Millionen Jahre nach dem Urknall.

Jupiter und Erde unter Beschuss

Jupiter wurde dieses Jahr wieder von einem Objekt, vermutlich einem Asteroiden oder Kometen, getroffen. Einem Amateurastronomen aus Australien fiel ein dunkler Fleck in der Südpolarregion des Jupiters auf. Beobachtungen mit Infrarotteleskopen sowie mit Hubble bestätigten, dass tatsächlich erneut ein Objekt in die Jupiteratmosphäre gestürzt war.

Auch die Erde blieb nicht verschont! Im Oktober explodierte ein vermutlich zehn Meter großer Asteroid über Indonesien, der einen Explosionsknall und anschließenden Rauchschwaden am Himmel auslöste.

Am 25. September tauchte über der kanadischen Provinz eine gewaltige Feuerkugel auf. Die Feuerkugel erreichte die 100-fache Helligkeit des Vollmondes. Ein Fragment dieses Brockens aus dem All konnte Tage darauf geborgen werden.

Quellen:
Astronews
Nachrichten vom internationalen Jahr der Astronomie

Die astronomischen Jahresrückblicke der vergangenen Jahre:

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Forum

 
  • Gestern hat's eine partielle Mondfinsternis gegeben

    hosenbeisser, vor 1668 Tagen, 19 Stunden, 50 Minuten

    Leider vor lauter Silvesterfeiern versäumt. Aber dank dem Xplanet Tool kein Problem

    http://xplanet.sourceforge.net

  • Frage zu Exoplaneten:

    weasel17, vor 1670 Tagen, 3 Stunden, 31 Minuten

    Bisher gelang der Nachweis von Exoplaneten durch das "Zittern" der Sterne, die von ihnen umkreist werden, da ja die Planeten durch ihre Gravitation am Stern "ziehen".

    Jetzt möchte man Planeten auch mit der Transitmethode finden, also dadurch, dass der Planet den eigenen Stern etwas "abschattet", wenn er vor ihm vorbei zieht.

    Problem: Für den Transit müssen wir das unglaubliche Glück haben, dass die Bahnen des/der Exoplaneten so verlaufen, dass wir überhaupt einen Transit zu sehen bekommen. Wenn wir "von oben" auf das System draufschauen, gibt es keine Transits.

    Wie ist das mit der Gravitationsmethode? Kann man da auch nur Planeten entdecken, die -- von uns aus gesehen -- die Sonne nach vor und zurück ziehen (Verschiebung der Spektrallinien) oder kann wirklich ein "Zittern" auch nach oben und unten detektiert werden?

    Aber selbst wenn nicht, auch wenn die Bahn nicht "optimal" für uns ist, etwas wird der Stern immer zu uns bzw. von uns weg gezogen (außer wir schauen wirklich ganz genau von oben drauf). Meinem Verständnis nach müsste daher der Bereich für den Winkel zw. Sichtlinie Erde-Stern und Bahnebene der Exoplaneten für die Gravitationsmethode deutlich größer sein als für die Transitmethode, damit wir hier...

    • ...

      weasel17, vor 1670 Tagen, 3 Stunden, 29 Minuten

      ..., damit wir hier auf der Erde etwas sinnvolles messen können.

      Daher die Frage: Welche(n) Vorteil(e) bietet die Transitmehtode, um überhaupt in Erwägung gezogen zu werden?

    • Du hast fast alle Stichwörter, um damit zu googln...

      aasgeier, vor 1670 Tagen, 2 Stunden, 55 Minuten

      ...und außer der "Gravitational microlensing-Methode" wirst du an für dich wesentlich Neuem nur finden, dass die Transitmethode bisher fast die einzige Erfolgreiche war.

      Bei allen anderen Methoden wäre auch kaum nachweisbar, um wieviele Planeten eines Sternes es sich handelt. Zieht Planet 1 gerade von einer Seite und Planet 2 von der gegenüberliegenden Seite am Zentralgestirn, dann rührt sich bei dem noch weniger als gewöhnlich.

    • sorry aasgeier

      poiuqwerty, vor 1669 Tagen, 21 Stunden, 42 Minuten

      was du da schreibst ist nicht richtig.

      die meisten exoplaneten wurden mittels radialgeschwindigkeitsmethode (das ist die methode die weasel "gravitationsmethode" genannt hat) entdeckt.
      Auch hier gibt es übrigens einen Fall, indem die Methode versagt, nämlich ebenfalls wenn wir "von oben" auf das System schauen. Dann gibt es nämlich keine Bewegung in radialer Richtung und somit auch keine Verschiebung der Spektrallinien. In so einem Fall würde die astrometrische Methode weiterhelfen, bei der die scheinbare Positions des Sterns am Himmel genau vermessen wird, um so eventuelle Schwankungen detektieren zu können.
      Und zu deiner Frage weasel, natürlich hat die Transitmethode ihre Berechtigung. Mit der Radialgeschwindigkeitsmethode kann man nämlich keinerlei Aussage über den Radius eines Planeten treffen, mit der Transitmethode hingegen schon. Und nur wenn Radius UND Masse des Planeten bekannt sind, lässt sich eine Aussage über seine Beschaffenheit treffen.

    • Nachtrag:

      poiuqwerty, vor 1669 Tagen, 21 Stunden, 34 Minuten

      zu deiner Behauptung, man könnte mittels Radialgeschwindigkeitsmethode nicht nachweisen, wie viele Planeten einen Stern umkreisen, das ist ebenfalls nicht richtig. Wenn wie du schreibst ein Planet den Effekt eines anderen aufheben soll, dann müssten die beiden exakt gleich groß sein, und sich auf der selben Umlaufbahn immer genau gegenüber befinden, (der zweite Planet müsste sich im Lagrangepunkt L3 des anderen befinden). so eine konfiguration ist extrem unwahrscheinlich. Im Allgemeinen haben die Planeten unterschiedliche Massen und Umlaufbahnen und mittels Modellen (im Allgemeinen Kepler-Fits) lassen sich diese aus den Beobachtungsdaten rekonstruieren.

    • tauceti, vor 1669 Tagen, 20 Stunden, 5 Minuten

      Das kann ja eigentlich nur eine Fourrier-Analyse sein, mit der man aus den Daten der Radialgeschwindigkeitsmessung (zyklische Verschiebung der Spektrallinien) auch mehrere Planeten ermitteln kann, die einen Stern umkreisen.

      Es kann gar nichts anderes sein...

    • Ob all dies Johannes Kepler bereits erahnte?,...

      neutrino, vor 1669 Tagen, 19 Stunden, 35 Minuten

      nun, Keplers eigentliche Entdeckung (Analyse v. Lyndon H. LaRouche jr.) ist jedenfalls sehr weitreichend,...;-)
      http://tinyurl.com/ybca3qb
      .:.