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Münzen auf einer Zeitungsseite mit Börsenkursen

"Die Grenze ist erreicht"

Die Welt steckt in der Wirtschaftskrise, Banken gingen pleite oder wurden mit Steuergeldern gerettet, ganze Länder sind bankrott. Der Ökonom Dirk Solte erklärt in einem Interview, dass die Finanzkrise im Grund eine Wertschöpfungskrise ist.

Finanzkrise 30.12.2009

science.ORF.at: Sie schreiben in ihrem Buch, dass Wirtschaftskrisen rückblickend eher der Normalzustand als die Ausnahme sind. Warum wirkt die Menschheit dann immer so unvorbereitet?

Dirk Solte: Das hat viele Dimensionen. Eine ist, dass wir es als Gesellschaft in der Vergangenheit nicht geschafft haben, Verantwortlichkeit für systemische Risiken unter anderem auf politischer Ebene zu verankern. Das ist nicht nur ein Versäumnis der Politik. Wir als Bürger haben dies auch gar nicht eingefordert. Es gibt auch niemanden, der die Wissenschaft beauftragt, sich hier Gedanken zu machen.

Beauftragt wird nur, wofür man zuständig ist und für systemische Risiken und Vorsorge gibt es keine Zuständigkeiten. Das ist sicher einer der entscheidenden Gründe, weshalb man hier keine Blaupause in der Schublade hatte. Und das, obwohl viele Leute heute sagen, sie hätten die Krise vorhergesehen, und hätten nur nicht sagen können, wann es passiert.

Wirtschaftskrisen gibt es seit Jahrhunderten. Kann es da tatsächlich nur an der Auftragsforschung liegen?

Porträt Dirk Solte

Der Ökonom Dirk Solte ist Stellvertreter des Vorstands am Forschungsinstitut für anwendungsorientierte Wissensverarbeitung in Ulm, Privatdozent für Betriebswirtschaftslehre an der Universität St. Gallen und Chefökonom und Kommissionsleiter „Steuern und Finanzmarkt“ des Bundesverbandes für Wirtschaftsförderung und Außenwirtschaft.

Die Wissenschaft weiß inzwischen viel über Krisen. Man weiß aber nicht genügend über die wirklichen Wirkungsmechanismen. Die haben sich auch verändert. Zentral ist das Problem des Verteilungskampfs um eine zu geringe Wertschöpfung auf dieser Erde. Es sind immer mehr Menschen da, immer mehr kommen hinzu. Allerdings wird dieses Thema nicht klar und eindeutig in der Öffentlichkeit diskutiert.

Es ist auch noch nicht in Breite in den Köpfen, dass die Wertschöpfung nicht beliebig gesteigert werden kann – zum Beispiel wegen des Klimawandels. Man muss Umwelt, Wirtschaft, Sozial- und Steuersysteme interdisziplinär betrachten. Dazu sind aber unsere Strukturen in der Wissenschaft bislang eher hinderlich. Wir sind immer noch in einem laufenden Prozess, bis wir genügend verstehen, dass und wie Finanzsystem, Weltwirtschaft, Umwelt und Sozialthemen zusammenhängen.

Wie zum Beispiel?

Wir produzieren auf der Erde über alle Völker hinweg Wertschöpfung – das sogenannte Weltbruttoinlandsprodukt. Dafür brauchen wir Umwelt. Wenn die Umwelt begrenzt ist, ist die Produktionstechnologie zusammen mit der Umwelt die Grenze für das, was wir an Waren und Dienstleistungen produzieren können. Und Sozialsysteme beanspruchen einen immer größeren Teil dieser gesamten Wertschöpfungsfähigkeit. Allein wenn die Menschheit schneller wächst als die Wertschöpfungsfähigkeit hat man offensichtlich ein Problem.

Wie spielt die Finanzkrise hier hinein?

Cover des Buches "Kartenhaus Weltfinanzsystem"

Das Buch „Das Kartenhaus Weltfinanzsystem“ von Dirk Solte und Wolfgang Eichhorn ist in einer Reihe von Büchern zu Nachhaltigkeitsthemen erschienen.

Die Autoren beschreiben darin die aktuelle Wirtschaftskrise und präsentieren ein Programm aus sieben Punkten, mit dem zukünftige Krisen vermieden werden sollen. Es umfasst neben den im Interview erwähnten Maßnahmen unter anderem eine Steuer für Finanzmärkte, sowie die „Mehrgeldsteuer“ (leverage money tax) zur Co-Finanzierung und Verankerung von Sozial- und Umweltstandards als Verfahrensstandards in der Welthandelsorganisation WTO.

Mehrere der Bücher wurden dieses Semester bei der Vortragsreihe „Mut zur Nachhaltigkeit“ in Wien präsentiert, zu der auf science.ORF.at begleitend Interviews erscheinen.

Weitere Interviews mit Autorinnen und Autoren der Buchreihe:

Wir haben fehlende Wertschöpfung durch immer mehr Kredite ersetzt. Wenn man einen Kredit aufnimmt, gibt man aber demjenigen, von dem man auf Kredit etwas kauft, ein Versprechen, dass man in Zukunft Wertschöpfung produzieren wird, mit der man den Kredit zurückzahlt. In der Vergangenheit und aktuell schon wieder wuchsen permanent die Verschuldung der Welt und damit die Versprechen, in der Zukunft Wertschöpfung zu produzieren.

Die Verschuldung wächst seit vierzig Jahren bei weitem schneller, als unsere Fähigkeit zur Wertschöpfung. Wir können bislang die Wertschöpfung nicht beliebig steigern, weil wir nur unsere eine „Mutter Erde“ haben. Die Natur ist begrenzt, das Wachstum der Wertschöpfung kann mit der Verschuldung nicht mithalten, auch weil nicht alle Menschen die notwendigen Vorraussetzungen für Innovation und effiziente Wertschöpfung haben (z.B. Bildung, Gesundheitsversorgung, Netze, etc.).

Irgendwann wäre also die Grenze erreicht?

Sie ist erreicht. Es werden immer mehr Kredite aufgenommen und es wird immer mehr zukünftige Wertschöpfung bereits heute konsumiert. Auch wer Geld zum Beispiel in einem Pensionsfonds (als Teil kapitalbasierter Sozialsysteme) anlegt, spart für sich eine erhoffte Wertschöpfung aus der Zukunft an – dies sind Schulden von Anderen. Seit 40 Jahren wachsen die Schulden und es müssen immer mehr Zinsen bedient werden. Es bleibt so immer weniger Wertschöpfung für das Gemeinwesen, die Grundlage für Wertschöpfung, über. Dann wird immer weniger in Straßen, Gesundheit, Bildung, etc. investiert. Die Wertschöpfungsfähigkeit sinkt. Oder die Produktivität muss gesteigert werden – etwa indem man Leute entlässt oder Löhne senkt. Das läuft seit Jahren so.

Das allein hat aber noch nicht zur Krise geführt.

Die Krise wurde letztendlich auch dadurch ausgelöst, dass immer mehr Leute, auch institutionelle Anleger, ahnen oder wissen, dass diese Ansprüche auf Wertschöpfung, die „verbrieften“ Kredite, mit hohem Risiko behaftet sind. Man glaubt nicht mehr daran, dass diese Wertschöpfung tatsächlich einmal kommt. Man will aus diesen Ansprüchen raus, aber es gibt keinen, der einem das abkauft. Das hat zu diesem Zusammenbruch geführt.

Kann man dann auch die knappen Ressourcen als Gründe für die Krise bezeichnen?

Das ist einer der Gründe. Man sieht es nur nicht so klar. Das ist auch so schwierig, dass es öffentlich bislang nicht ausreichend diskutiert wird.

Ist dann das Bild falsch, dass es bei der aktuellen Krise um eine Immobilienblase ging?

Das war ein Auslöser, aber nicht der Grund für das systemische Problem. Wir reden vielfach nur über die Symptome, nicht über die wirklichen Ursachen. Hinter der Immobilienkrise steckt ein Bewertungsschema, mit dem man jedem Besitz einen Wert, ausgedrückt in Geldeinheiten, zuordnet. Das muss man verstehen, um zu wissen, wie viel Eigenkapital die Finanzmarktakteure überhaupt wirklich haben. Denn der Wert heute ist ein „Zukunftswert“, man zaubert Wertschöpfung aus der Zukunft in die Gegenwart. Wir haben diesen „Zaubertrick“, sich mit Fair Value reicher zu rechnen als man ist, im Buch beschrieben.

Wie geht der?

Dem Vermögen von Unternehmen und Haushalten werden erhoffte Wertschöpfungen aus der Zukunft zugeordnet. Man hat zum Beispiel gesagt, wenn in der Nähe eines Hauses eine Schule renoviert wird oder ein Supermarkt entsteht, ist das Umfeld besser und deshalb das Haus mehr wert. Man hat dann zum Beispiel zugelassen, dass die Hausbesitzer auf diesen schlussgefolgerten aber nicht wirklich geleisteten Mehrwert Konsumkredite aufnehmen konnten.

Die durften auf Basis dieser erhofften oder vermuteten Wertsteigerung des Hauses zusätzliche Wertschöpfung auf Kredit konsumieren, also dabei noch mehr neue Versprechen auf Wertschöpfung in der Zukunft abgeben (die Kredite). Man hat sich erhofft, dass es irgendjemanden geben wird, der diese Wertschöpfung auch tatsächlich leistet. Das müsste beispielsweise jemand sein, der das Haus zu dem höheren Kaufpreis kaufen kann, ohne noch mehr Kredite aufzunehmen. Dafür müsste er aber entsprechend viel Wertschöpfung mit leisten. Dies geht aber nicht so einfach, denn ohne enorme Innovationen und Investitionen ist die Wertschöpfungssteigerung begrenzt, weil wir begrenzte Naturressourcen haben und die Basis fehlt oder in einem schlechten Zustand ist.

Gibt es Parallelen zwischen der jetzigen Krise und jener der 30er-Jahre?

Charles P. Kindleberger konnte in seinem schönen Buch („Manien, Paniken, Crashes“, Anm.) jede vergangene Krise mit gerade mal sieben Parametern einsortieren. Viele Krisen seit dem 17. Jahrhundert hatten im Kern ein ähnliches Muster. Sie resultierten letztendlich aus Überschuldung. Heute ist diese Überschuldung teilweise versteckt. Finanzinstitute hätten schon längst negatives Eigenkapital ausweisen müssen, wenn es nicht diese Fair-Value-Bewertung gäbe. Das wird jetzt überdeutlich sichtbar und führt aktuell zu einer Kreditklemme. Denn die Fähigkeit Kredite zu vergeben, hängt von der Verfügbarkeit von Eigenkapital ab.

Ein anderer Einflussfaktor der Geldschöpfungsfähigkeit des Finanzsystems ist die Liquidität, also die Verfügbarkeit von Zentralbankengeld. Wenn dieses spezielle Geld gehortet wird und nicht umläuft, kommt es zur Krise. Das war in früheren Krisen und ist heute so. Die Leute haben vor 80 Jahren in den USA die notwendige Grundlage für alles Zentralbankengeld, das Gold, gehortet, was Präsident Roosevelt dann verboten hat. Er hat aber die Zirkulation von Zentralbankengeld damit nicht in den Griff bekommen. Das Problem des Hortens ist heute immer noch da, betrifft aber nicht mehr das Gold, denn Zentralbankengeld ist nicht mehr durch Gold gedeckt. Man müsste daher aktuell dem Horten von Zentralbankgeld eine Obergrenze setzen.

Wie ginge das?

Indem für den Besitz von Zentralbankgeld nicht nur – wie bislang – eine Untergrenze (Mindestreserve), sondern auch eine Obergrenze (Maximalreserve) gesetzlich vorgeschrieben würde.

Warum wird das nicht gemacht?

Ich hoffe, dass das noch kommt. Im Augenblick profitieren diejenigen, die Liquidität haben. Sie können sehr günstig Sachvermögen in „fire-sales“, das sind Notverkäufe bei Zahlungsschwierigkeiten, erwerben.

Sie schreiben auch, dass die Staatsschulden ein großes Problem sind.

Fehlende Wertschöpfung wurde in den vergangenen Jahrzehnten dauernd über immer mehr Staatsschulden ersetzt. Zugleich haben die größten Akteure durch die Ausnutzung von Steuersystemdifferenzen – ganz legal – nicht mehr ihren fairen Beitrag für die Gesellschaft entrichtet. Den Staaten droht der Bankrott. Es geht daher darum, dass wieder alle fair ihren Beitrag leisten;. Es geht um Steuergerechtigkeit, um ein faires globales Steuersystem, wo die ökonomisch Leistungsfähigsten die höchsten Steuern zahlen.

Sie schreiben in Ihrem Buch, dass wir in diesem Jahrhundert noch zehn Finanzkrisen zu erwarten haben, wenn man sich deren regelmäßiges Auftreten in der Geschichte ansieht. Zeichnet sich die nächste schon ab?

Die Probleme, die hinter den Problemen liegen sind bisher nicht gelöst. Momentan läuft das Spiel wie vorher weiter. Ein viel zu großer Teil der Ökonomie, der Wirtschaftsleistung, ist maßgeblich kreditfinanziert. Der Schuldenberg der Welt wächst wieder bei weitem schneller als die ökonomische Leistungsfähigkeit. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann die nächste Krise kommt. Mit jedem Mal wird es schlimmer – bis zum wirklichen Kollaps. Die Politik hätte jetzt aber auch die Möglichkeit, auf Basis der G-20-Prozesse die richtigen Weichen zu stellen, um das zu verhindern. Aktuell ist das zentrale Problem der Geldblase noch überhaupt nicht gelöst. Dafür müsste man eine Finanzmarktsteuer einführen, eine „Mehrgeldsteuer“ (leverage money tax), eine Abgabe auf alle Finanzprodukte.

Man hat also auf die jetzige Krise Ihrer Meinung nach nicht ausreichend reagiert?

Nein, man hat nur auf Symptome reagiert, nicht die zentralen Probleme gelöst. Man hat jetzt aber noch die Chance. Im nächsten Jahr werden wir vermutlich erleben, ob sich die Weltgesellschaft für einen Weg in die Balance entscheidet oder ob die nächste Welle der Krise kommen wird.

Interview: Mark Hammer, science.ORF.at

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Forum

 
  • Was für ein Unsinn

    jim99, vor 772 Tagen, 4 Stunden, 3 Minuten

    "Oder die Produktivität muss gesteigert werden – etwa indem man Leute entlässt oder Löhne senkt."

    Erstens muß nicht die Produktivität, sondern wie er selbst sagt die Produktion ("Wertschöpfung") gesteigert werden, zweitens setzt dies nicht weniger Arbeit, sondern mehr Arbeit voraus und drittens hat das mit der Höhe der Löhne und Preise überhaupt nichts zu tun.

    All das sollte ein Ökonom eigentlich ab Semester 2 aus dem EffEff wissen. Gibt aber einen Eindruck, was sich selbst unter den Ökonomen so alles tummelt an gedankenlosen Floskelnachplapperern.

  • Die Grenze von was?

    karl273, vor 772 Tagen, 12 Stunden, 15 Minuten

    Die Grenze von was genau ist erreicht?

    Die Wirtschaftskrise ist nicht real.

    Die Menge der Arbeitskräfte ist so wie vorher.
    Die Menge der Nahrungsmittel ist so wie vorher.
    Die Menge der Produktionsmaschinen ist so wie vorher.
    Die Menge der Rohstoffe ist so wie vorher.
    Die Menge der Energieträger ist so wie vorher.
    Die Menge der Immobilien ist so wie vorher.

    Wir sollten deshalb auch so weitermachen, wie vor der fiktiven Krise.

    Geld ist nicht real, und hat keinen realen Wert.

    Die Mengen der Arbeitskräfte, Nahrungsmittel, Produktionsmaschinen, Rohstoffe, Energieträger und Immobilien sind real, und sie haben einen realen Wert.

    Denkt nicht finanzpolitisch, denkt technologisch.

    Wir können uns immer noch alles selbst herstellen, was wir brauchen, genau so wie vor drei Jahren.

    Was sollte uns daran hindern?

    Die Grenze von was genau ist erreicht?

    Als Primaten sind wir nach wie vor eine sehr erfolgreiche Unterart.

    Eine Immobilienkrise tritt genau dann ein, wenn größere Teile der Immobilien vernichtet werden.

    Das fand zwar im Jahre 1945 statt, aber derzeit gibt es nicht das geringste Anzeichen dafür.

    Übrigens haben 95 % aller damaligen Österreicher diese Krise überlebt.

    Im gesamten zweiten Weltkrieg starben 5 % der österreichischen...

  • Die Zeichen der Zeit: Die USA stehen vor ihrem glorreichen Untergang,...

    neutrino, vor 773 Tagen, 3 Stunden, 14 Minuten

    hier ein Versuch dieses globale Puzzle zu entschlüsseln, u. wer zieht hier eigentlich die Fäden auf diesen Planeten!?,...

    Video: "The Fall of the Republic", von Alex Jones,...
    http://tinyurl.com/yfphwqm

    ...mal ehrlich wer blickt hier noch durch, u. welche der vielen Sichtweisen entspricht tatsächlich der Realität!?,...;-)
    .:.

    • iggi, vor 772 Tagen, 21 Stunden, 43 Minuten

      die politischen machteliten der usa werden ja eifrig durchleuchtet, aber wie sieht es mit der EU-regierung aus ? wo liest man ueber den undurchsichtigen filz der tausenden gesetzesbildenden kommittees hinter dem vorzeigeparlament? warum hat in oesterreich niemand gegen die verweigerung der abstimmung ueber die eu-verfassung protestiert (ausser joerg haider, traurig).
      vermutlich geht es allen so gut dass sie mit ihren herrschern zufrieden sind ... also passts eh.

  • Verantwortung?

    tabernakelwanze, vor 773 Tagen, 10 Stunden, 19 Minuten

    Der GRÖLAZ kann nun doch nicht mehr zur Rechenschaft gezogen werden!

  • was fuer krise ?

    iggi, vor 773 Tagen, 14 Stunden, 40 Minuten

    die australische boerse zb. beendet das jahr auf hoechstem kurs seit 1993, mit 30% zulage in 2009 ! www.smh.com.au. ganz asian waechst und gedeiht. in den usa schaendeten die interessensgruppen hinter der reservebank das volk im trillionenbetrug der weltgeschichte, aber sonst ...
    was die menschen in ihrer kurzsichtigkeit, jammerlust und prophetenwahn gerne vergessen ist dass in den letzten 20 jahren etwa so viel und schnell wohlstand geschaffen wurde wie noch nie in der menschheitsgeschichte. regelmaessige adjustierungen gehoeren zum markt, man wechselt halt weise zwischen aktien und edelmetallen, wer nicht selber denkt/recherchiert und sich bequem auf die OBRIGKEIT verlaesst wird vermutlich ueber den tisch gezogen, aber GRENZEN ...sind aus gummi und werden seit jeher weiter und weiter ausgedehnt.

  • solala, vor 773 Tagen, 22 Stunden, 15 Minuten

    Da fehlt mir viel, in Stichworten gesagt, Inflationsrate, Produkt, Paten und Urheberrecht, Monopolsierung und Kartelwesen.

    Die Aussagen spielen eine nicht unwesentliche Nebenrolle, die tatsächlichen Probleme werden aber ausgelassen.

    Meiner Meinung ist die jetzt aufkommende Erhohlung nur ein kurzer Lichtblick vor der dann aufkommenden echten Krise, die dann keinen Stein auf dem anderen lassen wird.

  • Nix wissen?

    belisarius73, vor 774 Tagen, 3 Stunden, 10 Minuten

    Pauschal würde ich nicht sagen "die Ökonomen Wissen nichts" - einige verstehen schon wie der Hase läuft.

    Aber es ist ein Problem, darüber öffentlich zu sprechen. Die wenigen, die es trotzdem wagen verwenden oft eine komplexe und für den nicht Ökonomen schwer verständliche Sprache.

    Einfach gesagt befinden wir uns in einem Schuld-Zins-System. Alles Geld kommt nur als Schulden auf die Welt. Jeder Geldschein ist eigentlich ein Schuldschein und Zentralbankgeld sowieso.

    Schulden müssen irgendwann MIT ZINSEN zurückgezahlt werden.
    Die klügeren Leser werden jetzt vielleicht fragen: "Wenn ALLES Geld nur durch Schulden entsteht....woher kommen dann die Zinsen?"

    Nun das ist ein Geheimnis der Ökonomie. Nur aus neuen Schulen - es ist also ein Schuld-Zins-Zyklus einprogrammiert.

    Abhängig vom Zinssatz geht die Zins-Zinseszinskurve nach 50-80 Jahren in ihre vertikale Phase (exponentielles Wachstum "Hocky-stick") über.

    Zinseszins wächst exponentiell.
    Wertschöpfung bestensfalls linear.

    Das führt dann zur "Krise". Es gibt dagegen 2 Mittel.
    a) Jubeljahre (bitte googeln)
    b) Abbau von Schulden und VERMÖGEN gleichermaßen duch einen "Crash".

    Dieser Crash steht uns für den gegenwärtigen Zyklus noch bevor. Bisher wurden die Schulden durch die Staaten noch ausgeweitet - nicht geschrumpft.
    Ein plötzliches Schrumpfen von Staatsschulden im Sinne einer Bereinigung bezeichnen wir als "Staatsbankrott" oder "Hyperinflation".

    Beides wollen Ökonomen die oft...

    • hitcher, vor 774 Tagen, 2 Stunden, 26 Minuten

      der Crash dürfte dann natürlich schon sehr hart treffen, härter als damals, weil heute viel weniger Leute auf dem Land leben und Selbstversorger sind.
      Und wenn man im Geschäft nichts mehr kaufen kann, dann heisst das für die allermeisten Stadtbewohner einfach hungern.

    • @belisarius

      format, vor 774 Tagen, 1 Stunde, 50 Minuten

      Du hast VÖLLIG recht. So ist es.

      Immerhin dürfte Herr Solte das Problem verstanden haben.

      Allerdings stimme ich ihm nicht in allen Punkten zu. Zitat: "Wir als Bürger haben dies (systemische Risiken vermindern oder verhindern) auch gar nicht eingefordert"
      Meine Antwort: Die Bürger werden von Seiten der "Experten" und Politiker (die meist selbst keine Ahnung haben) gar nicht darüber aufgeklärt. Ganz im Gegenteil, es wurde und wird alles getan, um einfache Grundlagen (Wie wird Geld gemacht? Wie wirken sich Zinsen aus? Usw.) vor den einfachen Bürgern zu verstecken. Nicht umsonst hat Henry Ford gesagt "würden die Menschen verstehen, wie unser Geldsystem funktioniert, hätten wir eine Revolution – und zwar schon morgen früh."

  • Theorie und Wirklichkeit

    chrilly, vor 774 Tagen, 5 Stunden, 9 Minuten

    1997 haben die Herren Scholes&Merton den Pseudo-Nobelpreis für die BSM-Optionenformel bekommen. Beide waren Anhänger der effizienten Markthypothese. Die BSM-Formel basiert auch darauf.
    Im selben Jahr haben sie mit Tradern den Long-Term-Capital-Management Hedge Fond gegründet. Das ist ein vollkommener Widerspruch zur eigenen Theorie. In einem effizienten Markt kann man nur mit Extra-Risiko Extra-Profite machen. Es hilft aber überhaupt nix, wenn man geschickter wie die Anderen ist. Wenn ein Anhänger des Effizienten Marktes einen Hedge-Fond gründet ist das genauso, wie wenn ein Physiker eine Firma zur Entwicklung eines perpetuum mobiles aufmacht.
    LTCM hat 4 Milliarden $ an Kapital eingesammelt. Im Oktober 1998 war der Fond dann Pleite. Man hat mit den 4 Milliarden für mindestens 500 Milliarden spekuliert. Die sogenannte Convergence-Arbitrage des Fonds ist vollkommen in die Hose gegangen.

    • sonderbarerweise

      mantispa, vor 773 Tagen, 4 Stunden, 35 Minuten

      interessiert das aber überhaupt niemanden.
      wahrscheinlich spüren die guten leutchen, sie brauchen ohnehin wieder mal härtere zeiten, zwecks auslese und so, auf dass die lebensuntüchtigen verrecken

    • sonderbarerweise

      mantispa, vor 773 Tagen, 4 Stunden, 34 Minuten

      interessiert das aber überhaupt niemanden.
      wahrscheinlich spüren die guten leutchen, sie brauchen ohnehin wieder mal härtere zeiten, zwecks auslese und so, auf dass die lebensuntüchtigen verrecken

  • Es gibt seit mindestens 400 Jahren

    chrilly, vor 774 Tagen, 5 Stunden, 35 Minuten

    eine Börse. Und seither auch Börsenkrachs. Z.B. 1720 die sogenannte South-Sea-Bubble. Newton hat dazu - nachdem er 3 Millionen Pfund verloren hat - geschrieben: "Ich kann die Bewegung der Sterne aber nicht die Verrücktheit der Massen berechnen".
    Den Dow Jones gibt es seit 1896.

    Solte hat sicher gute Absichten. Aber es ist trotzdem ziemlich absurd, wenn nun ein Ökonom meint: Wir brauchen mehr Geld um die Zusammenhänge genauer zu erforschen. Was haben die Ökonomen die letzten 100 Jahre gemacht? Über die jungfräuliche Geburt Mariens vulgo "Effiziente Markt-Hypothese" nachgedacht?
    Die wahrscheinlich sinnvollste ökonomische Frage wäre wohl: Sind die Ökonomen ihr Geld wert? Soll die Gesellschaft einer Disziplin, die in der Vergangenheit so kläglich versagt hat, noch mehr Geld geben?
    Man kann die Frage allerdings nicht mit den Mitteln der Ökonomie beantworten. Wenn sie die Frage beantworten könnte, wäre sie ja zu was gut.

    • Die Frage ist eher: Was ist Geld überhaupt?

      hosenbeisser, vor 774 Tagen, 3 Stunden, 56 Minuten

      An dieser Frage zerschellen die klassischen Wirtschaftsheinis schon mal. Die Schule der Klassiker unter den Ökonomen meint, das Geld hats eh schon immer schon in verschiedenen Formen gegeben (ach so?), das alles ist nur so Tauschmittel und so, und Wirtschaftskrisen kanns laut der Klassik per Definition ja gar nicht geben. Allesamt natürlich völliger Topfen.

      Auch Marx haut kräftig daneben. Das was wie Winkeladvokaten schon seit jeher schaffen, nämlich streng zwischen den Begriffen Besitz und Eigentum zu unterscheiden, schafft auch Marx nicht und verrennt sich im wilden Theoriegebilde.

      Der Debitismus ist noch am viel versprechensten. Leider gibts dort auch jede Menge Gewirks wie so dubiose "Eigentumsprämien" die der P.Martin aus dem Zauberhut zaubert. Fast so wie der postuliere Äther bei den Physikern vor 100 Jahren.

  • Schön lang und doch nur ein Beweis der Krise der...

    vehlgast, vor 774 Tagen, 6 Stunden, 55 Minuten

    ...Volkswirtschaftslehre. Schlag nach bei Mises.