
Spuren von Seenlandschaft auf dem Mars
Die Wissenschaftler des Imperial College London vermuten, dass es in dieser Marsregion vor rund drei Milliarden Jahren so warm wurde, dass das im Boden enthaltene Eis schmolz und sich in Senken ansammelte.
Länger warm und feucht als gedacht
Die Studie "Hesperian equatorial thermokarst lakes in Ares Vallis as evidence for transient warm conditions on Mars" von Nicholas Warner et al. ist in "Geology" (Jänner 2010, Bd. 38, S. 71-74) erschienen.
Bisher glaubten Forscher zwar, dass der Mars in seiner Frühzeit warm und feucht war. Aber man dachte, vor knapp vier Milliarden Jahren habe der Planet den Großteil seiner Atmosphäre verloren und sei zu einer kalten Wüste verödet. Dass es auch im Mars-Mittelalter, der sogenannten Hesperianischen Epoche, noch warme und feuchte Phasen gab, belegen nun Aufnahmen der NASA-Sonde "Mars Reconaissance Orbiter", die den Planeten derzeit umkreist.

Die Forscher analysierten Bilder aus der Umgebung von Ares Vallis, einer am Äquator gelegenen, 2.000 Kilometer langen Schlucht. In dieser Region liegen etliche Senken, die über kleine gewundene Kanäle miteinander verbunden sind. Diese Landschaft ähnelt auffällig den Thermokarst-Gebieten in Alaska und Sibirien, in denen aus auftauenden Permafrostböden ein verzweigtes Seensystem entstand. Das Alter der Mars-Seen von etwa drei Milliarden Jahren errechneten die Forscher aus der Zahl der Meteoritenkrater in der Gegend.
Dynamisches Mittelalter
Als Ursache für die plötzlich einsetzende Warmphase vermuten sie vulkanische Aktivitäten, Einschläge von Meteoriten oder eine Verlagerung der Umlaufbahn des Planeten um die Sonne. Entstehende Gase hätten sich dann zeitweilig in der Atmosphäre angereichert und so die Wärme gehalten. Diese warmen und feuchten Gegenden könnten nach Ansicht der Forscher auch günstige Bedingungen für die Entstehung von Leben auf dem Nachbarplaneten geboten haben.
"Die Erforschung des Mars hat sich bisher weitgehend auf die Frühphase und die jüngere Vergangenheit konzentriert", sagt Studienleiter Nicholas Warner. "Wissenschaftler haben die Hesperianische Epoche weitgehend übersehen, weil der damalige Mars als frostiges Ödland galt. Unsere Studie zeigt, dass dieses Mittelalter viel dynamischer war als wir bisher dachten."
science.ORF.at/APA/AP


