
Der Ursprung des vierfüßigen Gangs
Die Abdrücke sind etwa 18 Millionen Jahre älter als die bisher als älteste Funde datierten Fossilien von Vierfüßern. Sie wurden von Tieren hinterlassen, die statt Flossen Vorder- und Hinterfüße besaßen und im seichten Wasser über den matschigen Grund liefen.
Zehen erkennbar
Die Studie "Tetrapod trackways from the early Middle Devonian period of Poland" ist im Fachblatt "Nature" (Bd. 463, S. 43) erschienen.
Bei den im Südosten Polens entdeckten Abdrücken handelt es sich sowohl um komplette Laufspuren einzelner Tiere als auch um isolierte Abdrücke einzelner Füße. Bei einer der Laufspuren, die Grzegorz Niedzwiedzki von der Universität Warschau und seine Mitarbeiter untersucht haben, lassen sich Vorder- und Hinterfuß unterscheiden.

Schleifspuren von Körper oder Schwanz sind nicht vorhanden, so dass die Wissenschaftler davon ausgehen, dass das Tier sich im Wasser schwebend auf seinen Gliedmaßen fortbewegte. Anhand der Größe des Fußabdrucks schließen die Forscher auf ein etwa 40 bis 50 Zentimeter langes Tier. Andere Abdrücke sind größer und gehörten bis zu zweieinhalb Meter messenden Tieren. Teilweise zeigen die Abdrücke auch Spuren von Fingern beziehungsweise Zehen.
Evolutionskapitel neu geschrieben

Die Entdeckung der Fußspuren wirft zahlreiche Fragen zur Evolution der Tetrapoden - der wissenschaftliche Ausdruck für die Vierfüßer - auf. Die Tetrapoden haben sich bisherigen Annahmen zufolge bei der Eroberung des Landes über das Zwischenstadium der Elpistostegalia aus den Fischen entwickelt. Kopf- und Körperform der Elpistostegalia ähnelte denen der Tetrapoden, sie besaßen aber noch Flossen anstelle von Gliedmaßen.
Die neu entdeckten fossilen Fußspuren sind aber nun zehn Millionen Jahre älter als die ältesten bekannten Elpistostegalia-Fossilien, so dass die beiden Gruppen lange Zeit nebeneinander gelebt haben müssen. Dass die Spuren im marinen Umfeld gefunden wurden, stellt außerdem die gängige Annahme infrage, der zufolge der Übergang vom Wasser- zum Landleben an Flüssen und Seen stattgefunden hat.
science.ORF.at/dpa
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