
Täuschungsmanöver für effiziente Bestäubung
Verschiedene Tricks
Die meisten Blütenpflanzen offerieren ihren Bestäubern Nektar. Viele Orchideen aber sparen sich diese "Ausgaben" und hintergehen die Insekten. Ihre Blüten schauen zwar so aus oder riechen, wie wenn sie Nektar enthalten würden, bieten den Insekten aber nichts Essbares.
Manche der sensiblen Pflanzen sind noch spezialisierter: Ihre Blüten sehen aus oder riechen wie weibliche Insekten, meist wie Bienen oder Wespen. Das lockt paarungswillige Männchen an. Setzen sich die Insekten auf die Blüte, bleibt Pollen an ihnen kleben, den sie später zur nächsten Orchidee weitertragen.
Der Nachteil solcher Praktiken ist allerdings, dass die Blumen immer nur männliche Insekten anlocken - und meist nur solche einer oder weniger Arten. Trotzdem ist diese erstaunliche Art der Bestäubung im Lauf der Evolution der Orchideen mehrmals unabhängig voneinander entstanden.
"Sexualtäuschung" besonders effizient
Die Studie "Pollination Efficiency and the Evolution of Specialized Deceptive Pollination Systems" von Giovanni Scopece et al. ist in "The American Naturalist" erschienen.
Ein internationales Forscherteam unter Beteiligung von Florian Schiestl von der Universität Zürich hat nun eine mögliche Erklärung dafür gefunden: Die Bestäubung der "Sexualtäuschorchideen" ist effizienter als jene von Orchideen, die Insekten vorgaukeln, Nektar anzubieten, wie die Forscher berichten.
Die Wissenschaftler untersuchten Populationen von insgesamt 31 Orchideenarten mit unterschiedlichen Bestäubungsstrategien in Italien und im Westen Australiens. Sie maßen, wie viel Pollen Bestäuberinsekten aus einer Orchidee entfernten - und wie viel davon in den anderen Blüten derselben Art ankam. Es zeigte sich, dass bei den "Sexualtäuschorchideen" ein größerer Anteil des entnommenen Pollens an seinen Bestimmungsort gelangte. Orchideen mit vielen verschiedenen Bestäubern gaben zwar viel Pollen ab, aber viel davon ging unterwegs verloren - der Pollen fiel zu Boden oder die Bestäuber deponierten ihn bei einer falschen Blumenart.
Eine Erklärung für die größere Effizienz der "Sexualtäuschorchideen" könnte sein, dass ihre Bestäuber sehr zielstrebig Blüten dieser bestimmten Art aufsuchen, wie Schiestl erklärt. Insekten auf Nahrungssuche hingegen, die zu einer Orchidee gelockt wurden, suchen danach vielleicht eher Blüten anderer Pflanzen auf und streifen dort einen Teil ihrer Fracht ab.
science.ORF.at/APA/sda


