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ein Ring dunkler Materie

Zwergen-Paradox gelöst

Seit Jahrzehnten rätseln Astronomen, warum die Theorie der Dunklen Materie so präzise Vorhersagen macht - aber bei Zwerggalaxien fortgesetzt scheitert. Neue Computersimulationen zeigen: Explodierende Sterne lösen das Problem.

kosmos 14.01.2010

Antwort wirft neue Fragen auf

Kleine Dinge machen oft große Probleme, da ist die Astronomie keine Ausnahme. Seit den 80er Jahren hat sich die Ansicht durchgesetzt, dass es neben der sichtbaren Materie noch eine weitere, unsichtbare Materieform geben muss, die sich lediglich durch ihre Schwerkraft zu erkennen gibt. Unter anderem dadurch, dass sie Galaxien zu Galaxienhaufen zusammenballt. Man nimmt an, dass durchschnittliche Galaxien lediglich zu 10 Prozent aus handelsüblicher Materie bestehen - gäbe es nur sie, wäre der Aufbau des Universums schlichtweg nicht erklärbar.

Mit dieser Lösung haben sich die Astronomen allerdings einige Probleme eingehandelt. Bis heute ist nicht bekannt, woraus die Dunkle Materie besteht. Und die entsprechenden Computermodelle funktionieren nicht überall. Die Struktur der Milchstraße und noch größerer Gebiete im All können sie zwar erklären, aber bei Zwerggalaxien versagten sie bisher.

Galaktisches Kernproblem

Sie sagen voraus, dass Zwerggalaxien eine Art Scheitelpunkt besitzen würden, dass die Materiedichte von der Mitte nach außen hin kontinuierlich abfallen sollte. Tatsächlich haben Messungen aber eine ganz andere Struktur zutage gefördert, große zentrale Kerne mit gleichbleibender Dichte. "Core-cusp dilemma" nennen Fachleute diesen Widerspruch, zu dem sich noch ein zweiter gesellt. Laut bisherigen Simulationen sollten Zwerggalaxien auch schneller rotieren als sie es tatsächlich tun.

Daraus kann man den Schluss ziehen, dass etwas mit der Theorie nicht stimmt. Oder aber, dass es dem Datenfutter der Computer noch an der nötigen Ausgewogenheit gemangelt hat.

Die Studie "Bulgeless dwarf galaxies and dark matter cores from supernova-driven outflows" ist im Fachblatt "Nature" (Bd. 463, S. 203) erschienen.

Fabio Governato von der University of Washington hat auf letzteres getippt und mit seinem Team die bisher aufwändigsten Berechnungen in dieser Angelegenheit durchgeführt. Laut einer Aussendung wurden erstmals sichtbare sowie die sogenannte Kalte Dunkle Materie ("cold dark matter") in einer Simulation vereinigt, was mehrere Millionen Stunden Rechenzeit an Supercomputern verbraucht habe. Zum Vergleich: 100 Jahre entsprechen 876.000 Stunden.

Die Lösung: Supernova-Winde

Die Zwerggalaxien in silicio sind jedenfalls, wie Governato und Co. in einer aktuellen Studie schreiben, jenen auf dem Himmelszelt äußerst ähnlich, besitzen die gleiche Struktur und bewegen sich wie ihre natürlichen Vorbilder.

Galaxienbildung in einer Comoputersimulation.
Bilder des Modells: Sechs Stationen im Wachstum einer Zwerggalaxie.

Dass Simulation und Realität neuerdings so zur Deckung kommen, verdanken die Astronomen einem bislang übersehenen Mechanismus. Laut den Berechnungen explodieren nämlich die massivsten Sterne in Form von Supernovae und reißen dabei nicht nur sichtbare Materie in das All, sondern auch Dunkle. Das senkt die Materiedichte im Inneren der Zwerggalaxien und hemmt die Bildung von Millionen von Sternen. Der Effekt sei in etwa so, als würde die Sonne plötzlich aus unserem Sonnensystem verschwinden, erklärt Governato. Wäre das der Fall, würde sich auch die Erde mangels Gravitationswirkung in die Weiten des Kosmos verabschieden.

Neutralinos - oder was?

"Die Theorie der Dunklen Kalten Materie hat schon bisher sehr gut funktioniert, wenn wir ganz allgemeine Fragen beantworten wollten. Etwa wo, wie und wie viele Galaxien entstehen", sagt Governato. "Wir haben nun eine bessere Beschreibung für die realen Vorgänge im Universum gefunden." Der Begriff "Kalt" verweist übrigens auf die Tatsache, dass diese Art Dunkler Materie mit - für kosmische Maßstäbe - geringem Tempo durch das All geflogen ist.

Versuche mit dem Teilchenbeschleuniger LHC vom Kernforschungszentrum Cern könnten in nächster Zeit auch zeigen, woraus sie besteht. Relativ gute Chancen werden einem Teilchen namens "Neutralino" eingeräumt. Dessen Existenz sagt die sogenannte Supersymmetrie-Theorie voraus - und zwar für Energiebereiche, die auch den LHC nicht überfordern würden.

Robert Czepel, science.ORF.at

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Forum

 
  • bravenewone, vor 760 Tagen, 2 Stunden, 10 Minuten

    Warum beschleicht mich immer das Gefühl, dass die üblichen Poster hier nicht mal wissen würden was eine Eigenwertgleichung ist...

    Aber über Physik wissens bestens Bescheid...

    Wird wohl zu wenig Dieter Bohlen im TV laufen...

  • Warum forscht man für so Großes...

    sauli, vor 760 Tagen, 12 Stunden, 49 Minuten

    ...wenn der Hunger in der Welt, die Ungleichbehandlung von Gartenzwergen oder die Diskiriminierung von kleinen i-s in der Buchstabensuppe noch nicht gelöst wird...

    • frag nicht warum sagt der Weise...

      selbsteinwitz, vor 760 Tagen, 11 Stunden, 41 Minuten

      oder doch, wo wir nicht weise sind, ausser
      den Besserwissern. Wie muss er sein, der
      eine oder andere Wissenschaftler: ehr-geizig,
      auserwählt- also eitel, neu-gierig etc. also,
      einfach ein Mensch und da kümmert ihn
      der Hunger nicht so sehr wenn er schon
      ahnen tut, dass Wissen ein Ablaufdatum
      hat.

    • tauceti, vor 760 Tagen, 2 Stunden, 12 Minuten

      Jetzt ist mir klar, warum es im Wissen der Menschheit immer wieder gewaltige Rückschläge gab.

      Wir könnten heute so viel weiter sein - wenn es früher solche Bremser wie euch nicht gegeben hätte - zumindest nicht in solchen Massen, dass es sich auswirkt...

  • solala, vor 760 Tagen, 13 Stunden, 9 Minuten

    Handelsüblich ganz klar Wissenschaflich ausgedrückt, Baryonsche Materie.

    @science Redaktion:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Materie
    http://de.wikipedia.org/wiki/Baryon

    Die alternative dazu ist dann nicht Baryonsche Materie.

    Durch die Startrack Filme wurde das auch zu Allgemeinwissen für viele nicht Naturwissenschaftlich begabte Leute, so das das es grober Unfug ist solche Begriffe Leienhaft zu Umschreiben!

    • Oft würde man eine laienhafte Umschreibung

      sauli, vor 760 Tagen, 12 Stunden, 32 Minuten

      von englischen Ausdrücken oder auch Rechtschreibung brauchen, gell ;-)

    • headcount, vor 760 Tagen, 7 Stunden, 30 Minuten

      Handelsübliche Rechtschreibung und Grammatik kann in der Schule erworben werden. ;-)

    • solala, vor 760 Tagen, 3 Stunden, 52 Minuten

      Das ist eben eine nicht Baryonsche Gramatik und Rechtschreibung, ich könnte es auch in klingonisch Probieren, leider erlaubt der ORF diesen Zeichensatz noch nicht ;-(((

      http://de.wikipedia.org/wiki/
      Klingonische_Sprache

      Wobei ich mich wundere das dieser Artikel wegen irelevanz nicht schon längst gelöscht wurde.

      So manche Artikel als auch Kommentar und Anmerkungen im ORF hätten in Klingonisch sicher einen Mehrwert.

  • sie werden noch lange rätseln...

    selbsteinwitz, vor 760 Tagen, 13 Stunden, 23 Minuten

    und es auch nicht lösen können, solange sie
    dazu den Verstand brauchen. Sie sind unberechenbar,
    die Schwarzen Löcher, so wie uns das schon lange
    von den Elektronen und den Quanten bekannt ist,
    sie sind auch nur dasselbe.
    Ein sterbender Stern sagen viele, der seine Energie
    verwandelt und verdichtet. So kann man den Forschern
    nur empfehlen dort zu suchen wo sich Geist und
    Materie verbinden, und nachschlagen können sie
    schon bei Thales, Descartes, Leibniz u.a.

    • Der Mensch gibt ungern zu etwas nicht zu wissen...

      sauli, vor 760 Tagen, 12 Stunden, 47 Minuten

      ...wobei mir der Begriff "dunkle Materie" aber lieber ist als "Gott", denn das erinnert mehr an einen Platzhalter als der sonst vorgestellte alte Mann mit weissem Bart ;-)

    • sehr wohl...

      selbsteinwitz, vor 760 Tagen, 12 Stunden, 31 Minuten

      wo wir in einer Leistungsgesellschaft leben und
      da gehört das Forschen zur selben Ratio. Da
      könnte sich gar eine Leere auftun in der Unrast
      vor lauter Selbstherrlichkeit und so das Wissen
      uns nicht überdauert, aber wir können doch
      alles speichern. Oder sollte Max Planck goldrichtig
      liegen wenn er sagt:
      "In der Wissenschaft siegt nie eine neue Theorie,
      nur ihre Gegner sterben nach und nach"
      Darüber sollten wir nachdenken!

  • man kann es auch Gott nennen ...

    umwedem, vor 760 Tagen, 15 Stunden, 30 Minuten

    ... und im Bereich (Astro-)Physik nennt man es eben Dunkle Materie:

    das muss nicht unbedingt heissen, dass alle Verwender von solchen Gottbegriffen (oder DunkleMaterieBegriffen) ungebildet sind ...

    ... aber statt eines Credo-Begriffs wie "Dunkle Materie" (den alle nachbeten muessen) koennte man auch richtig(er) sagen, "unser Bild von Masse und Materie und deren Wirkungen (Gravitation etc.) sind nur teilrichtig".

    Wissen (d.h. das Bild von Umgebung) ist IMMER teilrichtig oder eben teilfalsch.

    Das liegt daran, dass "wir" Menschen nicht Sinnesorgane fuer alle UmweltWIRKUNGEN haben (und fuer Dinge, deren Wirkungen momentan nicht vorhanden sind, reicht oft auch nicht die Phantasie)

    Das Problem eines Credobegriffs und des Nachbetens ist jedenfalls, dass man sich von einer einmal geformten Idee schwerer verabschiedet als von einer Hypothese, und dass Wissenschaftler so gern rechthaben wollen.

    Das nennt man Herrschenwollen, und das erfordert Nachbeten (der Unterpriester und der Glaeubigen).

    Dass das Bild "Dunkle Materie" ungeeignet sein koennte, wird deshalb vielleicht so schwer loszuwerden sein wie dass die Sonne jeden Tag ueber den Rand der Erdscheibe runterpurzelt ...

    Wenn Freunde der "Dunklen Materie" auch nur 50% ihrer gedanklichen Energien darauf verwendeten, dass Energie nicht in Einfamilienhaeusern in die Luft geheizt...

    • (rest of the story, das war abgeschnitten)

      umwedem, vor 760 Tagen, 15 Stunden, 30 Minuten

      Wenn Freunde der "Dunklen Materie" auch nur 50% ihrer gedanklichen Energien darauf verwendeten, dass Energie nicht in Einfamilienhaeusern in die Luft geheizt werden sondern (zumindest in Zukunft) nur als MECHANISCHE Arbeit verwendet werden sollte -- schon mal den Carbon Footprint von sogenannten Energiespar-Renovierungen in Stadt und Land ueberlegt? -- wuerden die diversen Kirchen- und Physik- Religionen uns allen viel (Lebens-) Zeit und Aerger und Geld ersparen.

      http://umwedem.wordpress.com

    • junicks, vor 760 Tagen, 13 Stunden, 6 Minuten

      "gott" ist ein platzhalter für alles, dass man sich nicht erklären kann/konnte, bis es dafür eine empirisch belegte erklärung gibt. "gott" kann und soll nicht nachgewiesen werden (es heisst ja auch "glauben" und nicht "wissen").

    • sinnerfassendes lesen

      lambert1223, vor 760 Tagen, 12 Stunden, 38 Minuten

      scheint umwedems stärke nicht zu sein.

      viel theoretisches blabla, aber einfach nicht verstanden worums bei der dunklen materie geht.

  • ??? Hähh ???

    linksträger, vor 760 Tagen, 16 Stunden, 51 Minuten

    "Man nimmt an, dass durchschnittliche Galaxien lediglich zu 10 Prozent aus handelsüblicher Materie bestehen..."
    WAS bitte ist "handelsübliche Materie"???

    Im Supermarkt: "Darfs noch was sein?"
    "Ja gebens mir bitte noch 25 dag von der Materie da..."

    • ich find

      fnord, vor 760 Tagen, 15 Stunden, 56 Minuten

      "handelsuebliche" materie genial!^^

    • soll'n mas einpackn...

      gobox, vor 760 Tagen, 15 Stunden, 36 Minuten

      oder essen's es gleich?

    • "handelsübliche Materie" ist zwar provokant gemeint...

      antispam, vor 760 Tagen, 15 Stunden, 9 Minuten

      ...aber "provocare" heißt ja unter anderem "hervorrufen", und hier z.B. Kenntnis.
      Alles was ihr im Supermarkt kauft ist genau wie ihr (bzw. wir alle und alles) aus "Sternenstaub", aber der Ausdruck wird euch dann vielleicht wieder zu poetisch sein?

    • "handelsübliche m"

      mantispa, vor 760 Tagen, 10 Stunden, 42 Minuten

      ist immer noch gscheiter als ihr gegenteil, die "dunkle m.".

  • "Kleine Dinge"

    haripu, vor 760 Tagen, 17 Stunden, 24 Minuten

    Witzig. "Kleine Dinge machen oft große Probleme, ..."

    Ich glaube, dass ist das erste Mal, dass eine Galaxie (wenn auch "Zwerg-") als klein bezeichnet wurde. :-)

    • pendler, vor 760 Tagen, 16 Stunden, 58 Minuten

      für eine Ameise ist ein Sandkorn auch was "großes" :)

  • Wie, die Erde würde sich in die weiten des Kosmos verabschieden?

    loveissuicide, vor 760 Tagen, 18 Stunden, 23 Minuten

    Und wo befinden wir uns jetzt? Nicht ebendort? Kann man das nicht anders beschreiben, auch wenn eh jeder weiß, was gemeint ist?

    • Umgelegt auf die klassische Mechanik

      phoneuser, vor 760 Tagen, 17 Stunden, 27 Minuten

      wäre es wohl das Beispiel mit der Kugel, die man an einem Seil befestigt mit der Hand in eine Kreisbewegung versetzt (wobei im Beispiel das Seil die Anziehung der Erde durch die Sonne darstellen würde).
      Reißt dann das Seil plötzlich (im Artikel wäre das mit einem plötzlichen "Verschwinden" der Sonne zu vergleichen), dann würde sich die Erde mehr oder weniger in tangentialer Richtung weiterbewegen und aus dem Sonnensystem (das es ja in dem Fall eh nicht mehr geben würde) "verabschieden". - Problem bei der modellhaften Behandlung astrophysikalischer Probleme war und ist, dass man sie eben NICHT labormäßig simulieren kann, da es für das Weltall keine auch nur annähernd vergleichbare Laborumgebung gibt. Daher muss jede Theorie - wiederum anhand von Praxisannahmen - in Computersimulationen überprüft werden. Leider geht das (derzeit) nicht beliebig oft, weil die Rechenzeiten selbst mithilfe von Supercomputern sehr lang sind.
      In der Naturwissenschaft werden Modelle sowieso nur deswegen gebraucht, um bekannte Vorgänge in Zusammenspiel "erklären" zu können!
      Bis zur Entdeckung relativistischer Effekte glaubte man ja Ende des 19.Jahrhunderts, dass das physikalische Weltbild mehr oder weniger so konsolidiert sei, dass man es bald als "fertig" bezeichnen könne.
      Modelle gelten damit immer so lange,...

    • phoneuser, vor 760 Tagen, 17 Stunden, 23 Minuten

      bis sie bekannte / neu entdeckte Phänomene nicht mehr erklären können, erheben also NIE den Anspruch, die Wirklichkeit abbilden zu können.

    • skorp, vor 760 Tagen, 17 Stunden, 15 Minuten

      Auch wenn schon längst nicht mehr die Meinung herrscht, dass die Erde der Mittelpunkt des Universums ist, ist es trotzdem einfacher für unserer Denkweise, die Erde als "Ausgangspunkt" zu definieren :)

      Und es ist auch so leichter verständlich, dass sich die Erde aus Ihrer "Heimat" (dem Sonnensystem) verabschiedet, als eine astronomisch korrektere Definition zu verwenden.