
Fragwürdiges Studien-Recycling
"Technischer Fehler"
Am 29. Dezember 2000 veröffentlichte das "New Journal of Physics" eine Studie mit dem Titel "On the role of energy conservation in high-energy nuclear scattering". Mehr als neun Jahre später wurde die gleiche Arbeit erneut abgedruckt - in einem Journal mit dem Titel "Journal of Modern Physics". Die Zeitschrift gehört zum Wissenschaftsverlag "Scientific Research Publishing " (SRP), der insgesamt 34 Journale produziert.
Laut einem Bericht in "Nature" (Bd. 463, S. 148) betreibt der Verlag seine Website von China aus, hat aber auch in den USA eine Niederlassung. Bei der Artikeldublette handle es sich um einen technischen Fehler, der mittlerweile bereinigt worden sei, sagte Huai-Bei Zhou gegenüber "Nature". Er sei Physiker und helfe dem Verlag ehrenamtlich bei seinen Geschäften.
"Ziemlich eigenartig"
Weitere Details deuten allerdings darauf hin, dass hinter dem vermeintlichen Lapsus System steckt. Denn die erwähnte Studie ist offenbar nicht die einzige, die von Journalen des "Scientific Research Publishing " kopiert wurde - im Bereich Physik gab es noch zwei Fälle dieser Art, im Bereich Biologie mindestens vier.
Unklarheit herrscht auch über die Zusammensetzung der jeweiligen Editorial Boards. "Nature" hat herausgefunden, dass viele Wissenschaftler von den Herausgeberlisten auf der SRP-Website gestrichen wurden, weil sie dieser Funktion niemals zugestimmt haben - oder geglaubt haben, die Herausgeberschaft gelte einem anderen Journal sehr ähnlichen Titels. Hier kam es mitunter zu recht eigenwilligen Zuordnungen. Thomas Schiano vom Mount Sinai Medical Center in New York wurde etwa im Editorial Board der SRP-Zeitschrift "Psychology" geführt. Leider ist Schiano Leberspezialist, seine lakonische Einschätzung: "Ziemlich eigenartig".
Unter den kopierten (und mittlerweile wieder gelöschten) Arbeiten befindet sich auch eine, die 2000 mit dem Ig-Nobelpreis ausgezeichnet wurde. Ihr Thema: Wie unreflektierte Inkompetenz zur Selbstüberschätzung führen kann. Ig-Nobel-Chef Marc Abrahams hat bereits bei SRP urgiert und kam dort ebenfalls mit Huai-Bei Zhou in Kontakt. Abrahams gegenüber bezeichnete sich Zhou diesmal als Geschäftsführer des Unternehmens.
Robert Czepel, science.ORF.at


