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Historiker kritisieren Staatsbürgerschaftstest

Zuwanderer, die die österreichische Staatsbürgerschaft erhalten wollen, müssen neben dem Nachweis von Deutschkenntnissen eine "Staatsbürgerschaftsprüfung" absolvieren. Ein Historiker sieht nun gravierende inhaltliche Mängel in den Lernunterlagen.

Geschichte 05.02.2010

Nikolaus Reisinger vom Institut für Geschichte der Universität Graz spricht sich generell für die Streichung des Prüfungsverfahrens aus.

Kaiser Karl I. hat gar nicht auf Thron verzichtet

"Am 28. Juni 1914 wurde der österreichische Thronfolger Franz Ferdinand in Sarajevo ermordet. Der Erste Weltkrieg brach aus, der 1918 mit der Niederlage Deutschlands und Österreich-Ungarns endete": So wird in den vom Innenministerium zur Verfügung gestellten Lernunterlagen für den im Jahr 2006 eingeführten Einbürgerungstest beispielsweise der Erste Weltkrieg behandelt.

Im Anschluss ist zu lesen, dass Kaiser Karl I. "auf den Thron verzichtet" habe - wiewohl er tatsächlich nur auf die Teilnahme an den Regierungsgeschäften verzichtet hat.

Verkürzungen und Monokausalitäten

"Verkürzung, begriffliche Fokussierung und die daraus folgende monokausale Erklärung des 'Ausbruchs' des Ersten Weltkrieges spiegeln in dieser Form ein Geschichtsbild wieder, das eindeutig einer überholten Geschichtsauffassung verpflichtet ist und als Erklärungsmodell in keiner Weise dem rezenten Forschungsstand entspricht. Der 'Thronverzicht' ist schlichtweg falsch", so Reisinger.

Er hat gemeinsam mit Andrea Stangl, Michael Hauer, Alexander Berghold und Maria Scheer die Lernunterlagen - 14 Seiten für die Geschichte Österreichs vom Jahr 996 bis heute - analysiert und ist auf eine ganze Reihe inhaltlicher Mängel gestoßen.

Alternatives Lernsystem vorgelegt

Nach Ansicht der Grazer Historiker und Historikerinnen ist das bestehende Testsystem eine "Missachtung sämtlicher lernpsychologischer, pädagogischer und didaktischer Erkenntnisse. Ein historisches Verstehen kann so wohl kaum erreicht werden".

Sie haben eine Alternative zum derzeitigen System, das in einem Multiple-Choice-Test endet, entworfen: In einem modular aufgebauten, halbjährigen Kurs sollen die Teilnehmer staatsbürgerliche Grundkenntnisse erwerben aber auch ihre Erfahrungen im Integrations-und Einbürgerungsprozess kritisch reflektieren können. Am Ende steht kein Test, sondern ein Abschlussgespräch.

science.ORF.at/APA

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Forum

 
  • solala, vor 736 Tagen, 14 Stunden, 25 Minuten

    Man kann einen Menschen nicht Umerziehen gegen seinen willen und seinen inneren Einstellungen.

    Dabei ist es ab einem gewissen Alter dann egal ob die Herkunft nun aus Österreich oder einem der vielen anderen Länder ist.

    Und es ist sogar schwierig ohne Sprachhindernisse, wie die Einwanderngen aus Deutschland nach Österreich zeigen, jene Probleme die man sehr ungern nennt.

  • Schon die Einleitung vom Artikel stimmt doch gar nicht

    hosenbeisser, vor 738 Tagen, 6 Stunden, 15 Minuten

    Nicht alle Zuwanderer müssen zur Erlangung der Staatsbürgerschaft eine "Staatsbürgerschaftsprüfung" absolvieren. Auch Deutschkenntnisse sind keine notwendig.

    Ein Beispiel: Anna Netrebko. Die gute Dame konnte bei der Staatsbürgerschaftsverleiehung defakto kein Wort Deutsch. Den Test musste sie definitiv nicht absolvieren. Siehe ORF-Meldungen dazu:

    http://wien.orf.at/stories/125089/

    Die tollen Scheuch-Brüder in Kärnten kennen sicher auch noch Namen weiterer (ehemaliger) Ausländer welche sich ohne diesen Test die AT-Staatsbürgerschaft erkauft haben. Mit dicken Geldbörserl und den richtigen politischen Beziehungen geht alles ganz ohne Test.

    • naja.. wie wärs mit einer Gratiseinbürgerung

      fprint, vor 737 Tagen, 20 Stunden, 11 Minuten

      im Schnellverfahren als tausch gegen die Steuersünden CD ?!

      so aufgrund von "Verdienste um die Republik Österreich", in den meisten Ländern isser ja eh sicher nicht mehr willkommen, oder des lebens nicht mehr sicher (oder gibts deshalb keine Daten über Italien?!)

    • balon, vor 737 Tagen, 1 Stunde, 25 Minuten

      Merke: die Mitglieder der "elite" sind immer von allem Ausgenommen, was für Normalbürger zu gelten habe.

      Und merke: Gehts Deiner "elite" gut, dann gehts auch Dir gut.

  • Überholtes Geschichtsbild

    kurtoc, vor 738 Tagen, 9 Stunden, 32 Minuten

    ob wohl die neu eingebürgerten mit-staatsbürger russischer herkunft (frau netrebko, "neo kärntner", etc.) ebenfalls diesen test bestehen mussten?

    • Scheuchs "Investor"

      macindd, vor 738 Tagen, 9 Stunden, 4 Minuten

      Ob da der hirnrissige Test auch "part of the game" war?

  • Das Ganze hat ja auch nicht den Zweck,

    macindd, vor 738 Tagen, 9 Stunden, 52 Minuten

    dass die zuwanderungswilligen Leute was lernen, sondern nur den, sie mit dieser depperten Prüfung zu schikanieren und ihnen das Leben schwer zu machen.

    Den ganzen Schmarrn, der da gefragt wird, weiß doch kein Schw3in. Auf die Antworten wäre ich gespannt, würde man dazu eine Straßenumfrage machen.

    • Natürlich dient das nur der Schikane

      hosenbeisser, vor 738 Tagen, 6 Stunden, 8 Minuten

      Das gemeine ist aber: Schikaniert werden eben nicht *alle*.

      Wenn alle von rechts wegen mit diesen Unfugtest schikaniert werden, also auch die Neureichen Russen, dann ist das eben Ausdruck, dass man keine Ausländer einbürgern will. Warum auch immer das einbürgern "man" nicht will.

      Wenn aber einige Oligarchie-Russen sich einfach so Staatsbürgerschaften defakto kaufen können, dann ist das die eigentliche Frechheit da eben ungerecht und unfair. Das ist Schlimmer als diese dummen Fragen im Test.

    • Dass manche "gleicher" sind,

      macindd, vor 738 Tagen, 4 Stunden, 46 Minuten

      ist in Österreich halt "part of the game".

  • solidstate, vor 738 Tagen, 11 Stunden, 36 Minuten

    Wird den Erstellern des Tests bzw. der Lernunterlagen jetzt die Staatsbürgerschaft aberkannt, oder sind die Fragen darin sowieso so irrelevant und nur als Schikane gedacht, sodass sie die Staatsbürgerschaft behalten dürfen?

    • djfamc, vor 738 Tagen, 9 Stunden, 47 Minuten

      Dreimal darfst du raten. Dieser Test dient dazu, Rassisten unter den Wählern zu signalisieren: "Seht her, wir machen jetzt einen Test, damit die heilige Staatsbürgerschaft nicht so leicht vergeben wird."
      Da es sowieso sinnlos ist, Leuten, die schon seit vielen Jahren in Österreich leben (denn nur die bekommen die Staatsbürgerschaft), etwas "Heimatkunde" beizubringen, wird eben auch nicht auf inhaltliche Richtigkeit und methodische Sinnhaftigkeit geachtet. Es würde ja nur Geld kosten, wenn der Test von Fachleuten entwickelt werden würde.

      Der gewünschte Effekt bleibt natürlich aus: Die FPÖ fordert noch strengere Regeln, die Rassisten sind unzufrieden, die Einbürgerungswilligen nehmen den Test als weiteres bürokratisches Hindernis wahr und lernen die Fragen einfach auswendig, fühlen sich aber weniger willkommen. Die Glaubwürdigkeit von ÖVP und SPÖ sinkt weiter. Fazit: Wieder ein Schritt nach unten.

  • ihaul, vor 738 Tagen, 12 Stunden, 8 Minuten

    da gab's doch vor wochen schon eine sendung im report, wo auch wer im ministerium dazu stellung genommen hat - bzw dem ausgewichen ist.

    die kritisierten mängel waren jedenfalls die selben.

    • bueffeline, vor 738 Tagen, 9 Stunden, 52 Minuten

      Das war die Sendung "Hohes Haus", inzwischen sind weit mehr äußerst peinliche Fehler in der Lernunterlage aufgelistet worden: www.oedaf.at
      Der Skandal dabei ist, dass das BM.I. Dinge prüft, die die eigenen Leute, die diese Lernunterlage fabriziert haben, nicht beherrschen und das dann unter dem Titel "Integrationsförderung" verkauft.

  • Da gehts gar nicht darum

    chrilly, vor 738 Tagen, 12 Stunden, 23 Minuten

    dass die Neoösterreicher irgendwas lernen. Sondern es wird nur geprüft, dass sie bereit sind alles zu tun, um den Pass zu bekommen. Man könnte genausogut die ersten 100 Stellen von Pi verlangen. Da gäbs dann wenigstens keine inhaltliche Diskussion.
    Im Grunde ist das auch die Funktion der Schule. Wenn jemand die Matura macht, hat er bewiesen, dass er zu jeden Unsinn - wie z.B. Latein lernen - bereit ist.

    • wired, vor 738 Tagen, 12 Stunden, 1 Minute

      Naja, wir wollen doch mal hoffen dass Inhalte wie "Was ist ein Textverarbeitungsprogramm und wie benutze ich es", "Wo liegt Italien", "Was ist unsere Regierungsform", "Wie funktioniert Fortpflanzung" etc. bei den Schülern zumindest ansatzweise gespeichert werden, statt nur als Beweis zu dienen, dass man sie kurzfristig auswendig lernen konnte.

  • 1/2 jahr schulung

    lollibast, vor 738 Tagen, 12 Stunden, 52 Minuten

    wenn die einbürgerungswilligen bereit sind dafür zu blechen würden neue jobs geschaffen werden.

    positiver nebeneffekt: eingebürgerte österreicher wüssten danach sicherlich besser über die geschichte österreichs bescheid als der "durchschnittsbürger"