Lehrer schlecht auf Migrantenkinder vorbereitet
So lautet das Urteil einer Studie der Wiener Pädagogin Elisabeth Furch zum Thema "Migration und Schulrealität".
Verzerrtes Selbstbild
Das Gros (86,2 Prozent) der 315 befragten Volksschullehrerinnen - die Fragebögen wurden ausschließlich von Frauen ausgefüllt - hält eine Anpassung des Unterrichts an die Bedürfnisse von Migrantenkindern für notwendig. Die meisten glauben auch, über die im Schulunterrichtsgesetz vorgesehenen Integrations- und Fördermaßnahmen gut Bescheid zu wissen.
In der Praxis zeigt die Studie allerdings einen "geringen tatsächlichen Wissensstand" über Integrations- und Fördermaßnahmen, obwohl 43 Prozent der Befragten laut eigenen Angaben eine Ausbildung im Bereich "Interkulturelles Lernen" absolviert haben.
Sprachbarrieren Im Unterricht
"Besonders gravierende Defizite bestehen bei der geringen Kenntnis fremdsprachiger Unterrichtsmaterialien und beim äußerst seltenen Einsatz solcher Unterlagen im Unterricht", so das Urteil der Studienautorin. 79 Prozent haben bisher "eher keine" oder "überhaupt keine" Erfahrung mit mehrsprachigen Unterrichtsmaterialien gemacht. Es herrsche wohl "unbewusst" die Meinung vor, dass Migrantenkinder möglichst schnell Deutsch lernen müssen und dass sie dabei durch Unterrichtsmaterialien in Deutsch besser unterstützt werden als durch muttersprachliches Material.
Die Bereitschaft eine Migrantensprache zu lernen, ist nur bei vier von zehn Lehrerinnen vorhanden. Aber auch jene, die dazu bereit wären, möchten von einem zeitweisen Unterricht in der jeweiligen Muttersprachen der Kinder absehen. Mehr als sechs von zehn Befragten geben an, dass Migrantensprachen bei ihnen "eher nicht" oder "gar nicht" im Unterricht vorkommen.
Interkulturalität bleibt ein Schlagwort
Im Schulunterrichtsgesetz ist das Unterrichtsprinzip "interkulturelles Lernen" festgeschrieben. Ziel ist es, die Sprachen, Werte und Kulturen von Migrantenkindern im Unterricht aufzugreifen und als Teil der Normalität anzuerkennen. Die meisten Befragten verbinden damit allerdings idealistische, von Stereotypen geprägte Vorstellungen.
Im Zentrum ihres Denkens steht der Unterschied zwischen regionalen Kulturen, Integration der Migrantenkinder inner- oder außerhalb des Schulalltags spielen kaum eine Rolle. Obwohl jüngere Lehrerinnen deutlich häufiger eine Ausbildung im "Interkulturellen Lernen" gemacht haben, sind sie weder engagierter bei der Umsetzung dieses Unterrichtsprinzips, noch setzen sie häufiger Unterrichtsmaterial in Migrantensprachen ein oder beschäftigen sich mit diesen Sprachen.
Diese Mängel im Unterricht könnten laut der Autorin auch einer der Gründe sein, warum Schüler mit Migrationshintergrund im Vergleich zu Schülern mit österreichischen Wurzeln verhältnismäßig früh aus dem Bildungssystem ausscheiden.
science.ORF.at/APA


