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Telefonierender Mann.

Handybeziehungen sind oft einseitig

Gegenseitige Aufmerksamkeit ist eine Grundlage unserer Beziehungen zu anderen Menschen. Laut einer Studie zum Handytelefonieren ist sie aber gar nicht so stark verbreitet: Vier von fünf Anrufen stammen bei mehr als einem Viertel von nur einem der beiden Gesprächspartner.

Netzwerkforschung 10.02.2010

Besonders gilt das für Besitzer von Wertkarten-Handys, berichten der Netzwerkforscher Kimmo Kaski von der Aalto Universität im finnischen Helsinki und seine Kollegen. Sie haben knapp fünfeinhalb Millionen Gespräche mit Mobilfunktelefonen untersucht.

"Wie du mir, so ich dir"

"Handle so, dass die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könne", lautet eine der Versionen des Kategorischen Imperativs vom Philosophen Immanuel Kant.

"Wie du mir, so ich dir", die folkloristische Version dieses ethischen Grundsatzes, stellt auch so etwas wie das Fundament von Gesellschaften im Allgemeinen dar. Kooperation und gemeinschaftliches Handeln kann nur dort entstehen, wo Individuen nicht nur aus Eigeninteresse, sondern nach dem Prinzip der Reziprozität handeln - oder besser: wo Eigen- in Fremdinteresse umschlägt.

Reziprozität in der Gesellschaft und in der Liebe

Der amerikanische Biologe Robert Trivers hat dieses Konzept "reziproken Altruismus" genannt. Ein Beispiel für eine derartige gegenseitige Unterstützung ist der "Generationenvertrag": Gleichgültig, ob innerhalb der Familie oder gesellschaftlich über entsprechende Institutionen vermittelt, helfen die Älteren den Jüngeren bei ihrer Aufzucht, umgekehrt werden sie im betagten Alter von den Jüngeren unterstützt.

Bei diesen und anderen Beispielen gibt es keine 100-prozentige Reziprozität, denn eine Seite engagiert sich zumeist stärker als die andere. Gibt es da Ausnahmen? In der aktuellen Studie greifen Kimmo Kaski und seine Kollegen für ein Beispiel tief in die Romantikkiste und ziehen "Romeo und Julia" heraus. Bei dem Paar scheint es tatsächlich einen hohen Grad an Reziprozität ihrer Beziehung gegeben zu haben, wenn auch nicht allzu lange.

Liebe dürfte abgesehen von arrangierten Ehen, Stalking-Attacken und "Familientragödien" eine relativ reziproke Angelegenheit sein, für eine konkrete und empirische Untersuchung hat sie sich dennoch nicht geeignet.

Handytelefonate eignen sich besser als SMS

Die Studie "Reciprocity of mobile phone calls" von Kimmo Kaski et al. ist bisher auf dem Preprint-Server arXiv publiziert und soll später in der Fachzeitschrift "Dynamics of Socio-Economic Systems" erscheinen.

Die Forscher haben Reziprozität stattdessen als "die Kommunikationsakte, die zwischen Menschen stattfinden", definiert und untersucht. Da sich die Welt seit der Zeit Shakespeares geändert hat, fiel die Wahl nicht auf Sonette, sondern auf Handygespräche. Sie bieten sich auch besser an als E-Mails oder SMS, denn bei diesen entspinnt sich meistens nach einem ersten Versenden eine Reihe von Folgenachrichten: Es geht oft lange hin und her.

Bei Telefonaten hingegen gibt es einen eindeutigen Beginner des Kommunikationsaktes, er oder sie investiert Zeit und meistens auch Geld in den Anruf und somit in die Beziehung, üblicherweise folgt aus einem Telefonat nicht zwingend ein weiteres. Die Gegenseitigkeit von Beziehungen ist über einen längeren Zeitraum somit besser zu erforschen.

350 Millionen Gespräche untersucht

Deshalb haben Kaski und seine Kollegen die Daten von 350 Millionen Handygesprächen analysiert, die von 5,3 Millionen finnischen Konsumenten in einem Zeitraum von 18 Wochen durchgeführt worden waren. Die Anrufe stammten von einer finnischen Mobilfunkgesellschaft und machten ungefähr ein Fünftel des nationalen Marktes aus. Aus prinzipiellen Gründen wurden zwei Gruppen unterschieden: Postpaid-Telefonate (Besitzer eines normalen Handyvertrags) und Prepaid-Telefonate (Wertkarten-Besitzer).

Wertkartentelefonier haben kleineren Kreis

Der erste auffällige Unterschied betrifft die durchschnittliche Anzahl der Kontakte. Bei Postpaid-Telefonaten sind es 5,41 Menschen, bei Prepaid-Telefonaten 3,41. Generell rufen Postpaid-Kunden zehnmal öfter jemanden an als Prepaid-Konsumenten (was kein Wunder ist, da letztere einen höheren Tarif bezahlen). Prepaid-Kunden werden auch eher angerufen, als dass sie selbst anrufen, in der aktivsten Gruppe der Postpaid-Konsumenten ist das umgekehrt.

Ein Hauptunterschied betrifft die Reziprozität selbst: Bei mehr als einem Viertel aller Prepaid-Telefonate ist sie nämlich komplett abhanden gekommen, die Anrufe stammen in diesen Fällen zu 80 Prozent von nur einem der beiden Gesprächspartner. Bei Postpaid-Kunden sind die Zahlen geringer, aber "einseitige Beziehungen sind auch bei ihnen noch immer höher, als man meinen sollte", wie die Forscher berichten.

Eine Frage des Alters

Obwohl sie keine Soziologen sind, vermuten sie hinter ihren Resultaten soziologische Ursachen: Wertkarten-Telefonate werden üblicherweise von Kindern und Jugendlichen geführt, da diese weniger Geld haben und ihnen die Telefone samt Karte mit fixem Gesprächsvolumen oft von ihren Eltern zur Verfügung gestellt werden. Jüngere Menschen, das ist aus anderen Studien bekannt, neigen zu weniger reziproken Beziehungen.

Eine Untersuchung unter 7.000 US-Studenten zeigte z.B., dass sich nur 35 Prozent wechselseitig als "einer der fünf besten Freunde" bezeichneten. Dagegen nimmt sich die schwache Beziehungsreziprozität der Handy-Telefonate vergleichsweise bescheiden aus.

Lukas Wieselberg, science.ORF.at

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Forum

 
  • schwache beziehungsreziprokität...

    effeminator, vor 733 Tagen, 3 Stunden, 41 Minuten

    aha...

  • Also bei DER Überschrift hab ich mir dacht:

    manfredvogl, vor 733 Tagen, 6 Stunden, 14 Minuten

    Ja genau! Mein Handy erwidert meine Liebe auch nicht!

    (-;

    • boern87, vor 733 Tagen, 4 Stunden, 58 Minuten

      das selbe hab ich mir bei der überschrift auch gedacht

    • mein rasierapparat

      eminence, vor 733 Tagen, 3 Stunden, 47 Minuten

      ruft mich auch nie zurück ...

  • na und?

    kaharatschonbonatschon, vor 733 Tagen, 6 Stunden, 45 Minuten

    solang´s Mädi sich die Hallofonrechnung selber brennt, darfs mich anrufen, so oft´s will. Nichts dagegen!

    • :-)

      inhale, vor 733 Tagen, 4 Stunden, 5 Minuten

      http://tiny.cc/pfolx

    • topmodel - the next challenge :

      eminence, vor 733 Tagen, 3 Stunden, 45 Minuten

      haar föhnen im tauerntunnel !

    • wired, vor 733 Tagen, 2 Stunden, 51 Minuten

      Echt? Also ich schätz es nicht sehr, wenn ich dauernd angerufen werde, auch nicht von meinem Freund.

    • dann hast vielleicht in falschen Freund....

      kaharatschonbonatschon, vor 732 Tagen, 3 Stunden, 33 Minuten

      schon 1x daran gedacht?

  • Handybeziehungen ...

    futura, vor 733 Tagen, 6 Stunden, 56 Minuten

    ... können nur einseitig sein, denn es lässt sich zum Handy auch schwer eine Beziehung aufbauen.

    Das Handy wird mir ja schon gar nicht antworten, wenn ich mit ihm (od. is es vielleicht eine Sie) rede - es kommt einfach keine menschliche Wärme zurück.

    Oder geht es da am Ende darum, wenn ein Handy mit einem anderen Handy eine Beziehung eingehen möchte? Fragen über Fragen, die diese Wissenschaftler mal beantworten sollten, wenn sie mit den anderen unnötigen Studien fertig sind.

    • die Wissenschaftler....

      ironimo, vor 733 Tagen, 5 Stunden, 23 Minuten

      würden wohl eine Beziehung erkennen, so
      es sich um Materie handelt, noch dazu wo
      es sich auf der elektromagnetischen Welle
      ganz schön abspielt. Von den Milliarden von
      Elektronen gar nicht zu reden und sie umarmen
      sich immer mal und werden zu Protonen die
      sich in allen Richtungen bewegen, gar mit den
      Worten wandern um dann im Ohr des anderen
      auf eine kreative Rückreise zu warten.
      So lebt die tote Masse wie es scheint ein Leben
      dass sich von uns nicht wirklich unterscheidet,
      nur es fehlt was, das Organische, und mehr noch,
      der Geist. Oder wohnt der Geist auch schon oder
      immer noch, im Iphon.

    • die überschrift stimmt schon

      justwatching, vor 733 Tagen, 3 Stunden, 2 Minuten

      "fernbeziehungen" sind auch nicht beziehungen zur ferne, sondern beziehungen über größere ferne.
      "liebesbeziehungen" sind auch nicht beziehungen zur liebe, sondern beziehungen mit liebe.
      ...

  • na bumm

    ignaz9, vor 733 Tagen, 7 Stunden, 4 Minuten

    des is wieda amol a gaunz a wichtige Studie waun i an Huat auf hät, dät i eam obanehma chapeau chapeau

    • > ignaz9 - Spitzenkommentar ! Gschamstadeana ;-)

      luaginsland, vor 733 Tagen, 4 Stunden, 45 Minuten

  • überdenkerin, vor 733 Tagen, 7 Stunden, 42 Minuten

    Wie sieht es eigentlich mit dem finnischen Datenschutz aus..?! Wurde nur das finnische Telefonier-Verhalten untersucht? Wenn nein, warum lesen wir dann hier darüber - eine journalistische Analyse der größeren Sinn-Zusammenhänge bleibt uns der Artikel schuldig...

  • Im Regelfall wird das Gespräch von der Seite...

    eudiktator, vor 733 Tagen, 8 Stunden, 17 Minuten

    ...aufgebaut, die entweder gar nichts dafür bezahlen muss oder einen nidrigeren Tarif. Oft ausgelöst durch einmal klingeln lassen von der teureren Seite oder ein SMS. Unter Berücksichtigung dieser Tatsache kann man diese Studie - die ja das Sozialverhalten untersuchen sollte - sofort rund ablegen.

    • Ist richtig.

      denkerin, vor 733 Tagen, 7 Stunden, 14 Minuten

      Ich habe Anrufer, die ich (nach der "Besetztmeldung") sofort zurückrufe, weil ich einen guten Tarif habe.
      Sehr einseitig also.

  • gibt es einen noch sinnloseren Zeitvertreib...

    ironimo, vor 733 Tagen, 8 Stunden, 34 Minuten

    als stundenlang nur Ohr an Ohr mit einem
    Phantotum, mit halbtoten Sinnen, Triviales,
    Banales, Überflüssiges auszutauschen, und
    dabei die Fantasie zu töten.

    • ja, nach "Phantotum" suchen

      sceptic, vor 733 Tagen, 8 Stunden, 24 Minuten

      und wie vermutet gibts des net. Wohl Phantom gemeint und mit Faktotum, was ganz etwas anderes ist, verwechselt.
      Ansonsten richtig: Handytelefoniereri ist die Geissel der Gegenwart.
      Unwichtige telefonieren mit Unwichtigen über Unwichtiges. Aber mit 96db.

    • als Schreiberling...

      ironimo, vor 733 Tagen, 8 Stunden, 12 Minuten

      schreibe ich, was mir beliebt, und für das Läuse suchen
      ist das Netz nicht der rechte Ort. Ich hätte da in meinen
      Parabeln noch ganz andere Wortfindungen anzubieten.
      So nehmen wir die Kunst, wo selten am Bildrand steht,
      wie jeder das Werk deuten soll. So ist auch im Geschreibe
      das Denken und Deuten erlaubt. Aber, es freut mich,
      wenn es hinsichtlich der Handy-Manie zur Einstimmung
      kommt. So üben wir die Kreativität.

    • @sceptic,

      denkerin, vor 733 Tagen, 7 Stunden, 29 Minuten

      wer @ironimo kennt, weiß, dass er seine Wortschöpfungen in vollem Bewusstsein kreiert...
      Mir gefällt das "Phantotum", es ist sogar das "tot" drinnen...*g*

    • hab nicht gewusst dass ich es mit einem Douglas Adams...

      sceptic, vor 733 Tagen, 6 Stunden, 52 Minuten

      ...zu tun habe

      bin sehr für eigenen Wortgebrauch.
      und
      hatte nicht erwartet das in diesen Foren für Unbedarfte vorzufinden.

    • bin auch ein Unbedarfter....

      ironimo, vor 733 Tagen, 6 Stunden, 42 Minuten

      und es werden mir doch nur die Worte
      in den Mund gelegt, die andere nicht
      aussprechen wollen.

    • versteh i net

      sceptic, vor 733 Tagen, 4 Stunden, 33 Minuten

      klingt so passiv.
      Ich jedenfalls bekomme angesichts des hier oft Dargebotenen häufiger Depp-ressionen.

  • freiwelt, vor 733 Tagen, 9 Stunden, 20 Minuten

    zur ethik des handys, frei nach kant: handyphonieren in oeffis und oeffentlichkeit bitte leise. danke

    • allgeier, vor 733 Tagen, 4 Stunden, 13 Minuten

      ich unterschreibe!

  • schon mal draufgekommen...

    palimpsest, vor 733 Tagen, 9 Stunden, 32 Minuten

    ...dass sehr oft der grund auch daran liegt, dass einer der anrufer nichts dafür zahlt, weil er/sie freiminuten hat, u die andere person sehr wohl zahlt?
    eieiei, traue keiner statistik, die du nicht selbst gefälscht hast! (oder unterschlägt uns der orf wieder einmal die berücksichtigung dieses nicht ganz unwichtigen faktors in der studie?)

    • no na net

      sceptic, vor 733 Tagen, 8 Stunden, 19 Minuten

      Die Studie versucht, Differenzierteres aufzudecken, als diese "Erkenntnisse".