
Saurier-Vegetarier leben länger
Explodierende Vielfalt
"Jeder liebt Dinosaurier. Unser Fund zeigt, dass sie nur eine von ganz verschiedenen und nahe verwandten Tiergruppen waren, deren Vielfalt im Trias förmlich explodierte. Darunter etwa die Flugsaurier, die Krokodil-Verwandten und die sogenannten Silesaurier", sagt Sterling Nesbitt von der Columbia University. Der US-amerikanische Paläontologe und seine Kollegen haben 2007 in Tansania Knochen von 14 Sauriern ausgegraben, die alle zu einer neuen, bislang unbekannten Art gehören und zusammen ein fast komplettes Skelett ergeben.

Das Fossil im Größenvergleich - sowie der Link zur Studie: Ecologically distinct dinosaurian sister group shows early diversification of Ornithodira
Nun stellt Nesbitt das Reptil namens Asilisaurus kongwe ("asili" heißt Urahn auf Swahili, "kongwe" bedeutet altertümlich) im Fachblatt "Nature" offiziell vor, sein Steckbrief enthält folgende Einträge: Die neue Art lebte vor rund 240 Millionen Jahren auf dem Superkontinent Pangaea, lief auf vier Beinen, war bis zu einen Meter groß, maximal drei Meter lang und wog 10 bis 30 Kilogramm.
"Sieht anders aus als erwartet"
Bei Asilisaurus kongwe handelt es sich um keinen Dinosaurier, sondern einen nahen Verwandten aus der Kategorie der Silesaurier. Letztere sind erst seit dem Jahr 2003 bekannt, mittlerweile wurden acht Vertreter dieser Gruppe entdeckt.


Nachdem die ältesten bekannten Dinosaurier 230 Millionen Jahre alt sind, schließen die Forscher, dass die Trennung dieser beiden Gruppen deutlich früher stattfand als bisher gedacht.
"Das Verrückte an diesem Fund ist, dass er ganz anders aussieht, als wir es erwartet haben", sagt Randall Irmis vom Utah Museum of Natural History, ein Co-Autor der Studie. "Das gilt speziell für die Tatsache, dass der Saurier auf allen Vieren lief und ein Pflanzenfresser war."
Die Ernährungsweise leiten die Forscher in ihrer Arbeit von der Morphologie des Fundes ab. Dreieckige bis blattförmige Zähne und ein spitzer, schnabelförmiger Kiefer würden stark für eine vegetarische Kost, zumindest für pflanzendominierte Mischkost sprechen.
Nachdem die Vorfahren von Asilisaurus kongwe Fleischfresser waren, sei es offenbar zu einem evolutionären Übergang gekommen - und zwar nicht nur bei den Silesauriern, wie Nesbitt und Co. in ihrer Studie schreiben, sondern ebenso bei zwei Dinosauriergruppen, den Vogelbeckensauriern ("Ornithischia") und den Vorfahren der großen, langhalsigen Pflanzenfressern ("Sauropodomorpha", siehe Grafik links).
Pflanzenkost macht flexibler
Warum sich die Saurier mehrmals und unabhängig von Fleisch- zu Pflanzenfressern entwickelt haben, ist noch nicht hinlänglich klar. Fest steht jedenfalls, dass Ökosysteme damals wie heute ungleich mehr Pflanzenfresser ernähren konnten, möglicherweise förderte der diätische Umstieg die räumliche Verbreitung der Tiere.
"Diese drei Übergänge fanden innerhalb von weniger als 10 Millionen Jahren statt, was nach geologischen Maßstäben ein relativ kurzer Zeitraum ist", sagt Irmis. "Wir glauben, dass die zu den Silesauriern und Dinosauriern führenden Stammbaumlinien eine große Flexibilität bei der Ernährung aufwiesen. Das könnte der Grund für ihren evolutionären Erfolg gewesen sein."
Doch auch das beste Erfolgsrezept hat ein Ablaufdatum. Im Fall der Dinosaurier lässt sich dieses relativ genau festmachen: Am Ende der Kreidezeit, nach mehr als 150 Millionen Jahren Regentschaft, beendete ein Meteoriteneinschlag die Ära der Riesenechsen.
science.ORF.at
Mehr zu diesem Thema:


