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Rauchender Mann mit Schnurrbart

Tabaksucht: Herkömmliche Theorie widerlegt

Das besonders hohe Suchtpotenzial von Zigaretten hat man bisher mit sprunghaften Anstiegen der Nikotinkonzentration im Hirn erklärt. Forscher widerlegen diese Theorie nun – alternative Erklärungen können sie aber nicht anbieten.

Medizin 09.03.2010

„Eine chronische Störung“

„Mit dem Rauchen aufzuhören ist kinderleicht. Ich habe es schon hundertmal geschafft.“ Nicht ganz so amüsant wie Mark Twains Bekenntnis liest sich eine Beurteilung des Rauchens aus der Feder von Medizinern: „Das Rauchen von Tabak ist eine chronische Störung mit hoher Rückfallquote. Sie stellt eine der wichtigsten vermeidbaren Todesursachen in Industrienationen dar.“ Der Satz stammt aus einer Studie von Jed E. Rose und Mitarbeitern, die soeben in den „Proceedings of the National Academy of Sciences" veröffentlicht wurde.

Darin ging der Forscher vom Duke Center for Nicotine and Smoking Cessation Research auf die Suche nach der Signatur der Sucht im Gehirn von Rauchern. Hintergrund der Untersuchung war die Erkenntnis, dass offenbar die Konsumform des Nikotins bei der Entstehung von Abhängigkeit eine Schlüsselrolle spielt. Von Nikotinkaugummis und -pflastern, das zeigen Untersuchungen, geht eine deutlich geringere Suchtgefahr aus als von Zigaretten.

Die „Nikotin-Boli-Theorie“

Bislang erklärte hat man diesen Unterschied mit einer Theorie, die auf den südafrikanischen Mediziner Michael Anthony Russell zurückgeht. Russell war ein Pionier auf diesem Gebiet, er verhalf in den frühen 1970ern der Ansicht zum Durchbruch, dass die hauptsächlich süchtig machende Substanz des Tabaks das Nikotin sei.

Und er war an der Entwicklung eines wichtigen Substituts zur Entwöhnung, dem Nikotinkaugummi, beteiligt. Russells „Theorie der hohen Nikotin-Boli“ aus dem Jahr '78 besagt, dass nach jedem Zug an der Zigarette eine Art Nikotinschwall durch das Gehirn laufe - diese Spitzen der Nikotinkonzentration seien letztlich der Grund für die besondere Suchtpotenz von Tabakrauch.

Flacher Anstieg, keine Spitzen

Mehr als 40 Jahre hat es gebraucht, bis Russells Theorie überprüft wurde, was vor allem an der dafür notwendigen Methodik liegt. Schließlich muss man in kurzer Zeit mit guter räumlicher Auflösung zeigen, was vor sich geht, wenn das Nikotin von den Lungen über das Blut ins Nervensystem gelangt, wo es an spezielle Rezeptoren andockt und den Erregungslevel von Nervenzellverbänden ändert. Jed E. Rose und seine Mitarbeiter haben das mit einer Kombination von Positronen-Emissions-Tomographie und chemisch präparierten Zigaretten geschafft – letztere enthielten Nikotin, dessen Kohlenstoff durch das Isotop C11 ersetzt worden war.

Diese Zigaretten mussten 13 süchtige und 10 (noch) nicht süchtige Raucher inhalieren, das Resultat war einigermaßen überraschend, wie Rose in einer Aussendung schreibt: „Früher hat man geglaubt, die durch die Inhalation erzeugten Nikotinspitzen im Gehirn erklären, warum Zigaretten süchtiger machen als beispielsweise Pflaster oder Kaugummis. Unsere Arbeit stellt das nun in Frage.“

Rose und Kollegen fanden im Gehirn der Raucher nämlich gar keine Zacken, was die Nikotinkonzentration betrifft. Letztere stieg relativ kontinuierlich an, und an der Physis der Süchtigen war nichts zu erkennen, was ihre Abhängigkeit erklärt hätte. Wie die US-Forscher zeigen, stieg bei den abhängigen Rauchern der Niktotinlevel im Gehirn sogar langsamer als bei der zweiten Testgruppe an: „Diese geringere Anstiegsrate stammt vom längeren Verbleib des Nikotins in der Lunge“, so Rose. „Das könnte ein chronischer Effekt des Rauches in der Lunge sein.“

Suche nach Rezeptortypen

Nachdem auch der Absolutwert des Nikotins bei beiden Gruppen in einem vergleichbaren Bereich lag, wirft die Studie mehr Fragen auf als sie Antworten liefert. Russell: „Wir können nicht erklären, warum die zweite Probandengruppe rauchen konnte ohne dabei abhängig zu werden.“ Prinzipiell unerklärbar ist der Unterschied nicht, aber aus der erhofften simplen Begründung wird wohl nichts werden.

Nachdem die für das Nikotin empfänglichen Rezeptoren aus fünf Untereinheiten bestehen von denen insgesamt neun Varianten bekannt sind, machen sich die Forscher nun auf die Suche nach der 'smoking gun' auf molekularer Ebene. „Verschiedene Rezeptortypen reagieren unterschiedlich stark auf Nikotin“, sagt Rose. „Nachdem wir jetzt die exakte Nikotinkonzentration im Gehirn kennen, können wir auch herausfinden, welche Rezeptoren am wahrscheinlichsten mit der Entstehung von Sucht zu tun haben.“

science.ORF.at

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Forum

 
  • Die Studie

    fettinger, vor 706 Tagen, 13 Stunden, 37 Minuten

    mit 13 Rauchern und 10 Nichtrauchern ist für den Hugo. Keinerlei Aussagewert und reif für den Papierkorb.

    • Ich glaube du irrst dich...

      wilf123, vor 706 Tagen, 4 Stunden, 46 Minuten

      das ist keine Studie die statistische Zusammenhänge aufzeigen möchte. Die Raucher wurden genau untersucht. Die 23 Raucher wählte man um einen gewissen Querschnitt durch verschiedene Rauchertypen zu haben. Ich glaube diese Stude wäre auch aussagekräftig wenn es noch weniger Probanden gewesen wären.

  • ohne, vor 706 Tagen, 16 Stunden, 18 Minuten

    Mit dem Rauchen aufzuhören, ist ganz einfach. Man muss nur wollen. Hilfsmittel zur Abgewöhnung Kaugummi, Pflaster,… sind gar nicht nötig. Ich selber, hab vor ca. 8 Jahren damit aufgehört. 14 Tage lang hatte ich noch die angefangene Schachtel Zigarette bei mir. Wenn ich in dieser Zeit wieder eine Zigarette gebraucht hätte, hätte ich nur in die Hosentasche greifen müssen. Es ist gar nicht so schwer um damit aufzuhören.

    • jeder reagiert anders..

      woody999, vor 706 Tagen, 16 Stunden, 3 Minuten

      bei mir wars zwar ähnlich, aber so einfach wars nicht.

      und bei sucht ist wollen eine sehr relative angegelegenheit....

    • Stimmt - ist ganz leicht.

      saurod, vor 706 Tagen, 15 Stunden, 31 Minuten

      Hab auch aufgehört seit 1 Monat schon, einfach so. ...hat mich eh schon länger gestört.

      Und wie gut es einem dann gleich geht - man wird viel leistungsfähiger und riecht und schmeckt wieder viel feiner - Rauch stinkt einem dann.

    • bei mir sind schon 11 jahre (nach 20 jahren rauchen)

      youko, vor 706 Tagen, 15 Stunden, 30 Minuten

      und es war wirklich nicht schwer (ca 1 woche)

    • anmerkung, vor 706 Tagen, 15 Stunden, 11 Minuten

      Ich rauche seid 9 Monaten nicht mehr, hab aber nach wie vor manchmal den Drang eine mit zu rauchen. Ich denke es hängt sehr stark ab in welchem Umfeld man sich befindet. Wenn man ständig ans rauchen erinnert wird, ist das Aufhören viel schwerer, als wenn man aus seinen Gewohnheiten ausbricht, bis die "Sucht" vorbei ist....

      Gratulation aber an alle die es geschafft haben!!