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Halbseitenzwitter eines Huhnes

Halb Männchen, halb Weibchen

Eine Chimäre stellt die traditionelle Theorie der Geschlechtsentwicklung infrage: Versuche an einem halbseitig männlichen bzw. weiblichen Huhn zeigen, dass Hormone eine geringere Macht besitzen als bisher geglaubt.

Biologie 11.03.2010

"Gynandrische" Vögel

In der Experimentalwissenschaft gilt: Das Normale fügt dem Status quo selten grundlegend Neues hinzu, das Anormale hingegen ist ausgesprochen erkenntnisfördernd, Mosaiktiere beispielsweise, "Gynander", deren Körperseiten unterschiedliche Geschlechter haben. Solche bizarren Fehlbildungen entstehen entweder durch anormale Befruchtungen oder durch fehlerhafte Zellteilungen zu Beginn der Embryonalentwicklung.

Bei Insekten und Krustentieren sind sie relativ häufig, mitunter kommen solche Fälle auch bei Vögeln vor. Eine solche Henne/Hahn-Chimäre hat nun Debiao Zhao vom schottischen Roslin Institute unter die Lupe genommen, an jenem Institut also, wo 1996 das Schaf "Dolly" als erstes Säugetier geklont wurde.

Erst Gene, dann Hormone

Halbseitenzwitter eines Huhnes.

Halbseitenzwitter eines Huhnes. Die weiße, männliche Seite zeigt den typischen Gockel-Habitus: Beinsporn, langer Kehllappen, voluminöse Brustmuskulatur.

Hintergrund der Untersuchung war die Frage: Wer oder was entscheidet das Geschlecht eines Tieres? Bei den meisten Wirbeltieren gilt die Regel, dass Geschlechtschromosomen die Entscheidungshoheit besitzen, wobei bei uns Menschen und anderen Säugetieren (Beuteltiere ausgenommen) das Gen SRY eine Schlüsselrolle spielen dürfte. SRY ist quasi der unbewegte Beweger der Embryonalentwicklung: Wird es in den undifferenzierten Gonaden aktiviert, entstehen Hoden. Das funktioniert auch dann, wenn man das Gen in ein X-Chromosom eines weiblichen Embryos einsetzt.

Die Entwicklung der restlichen Körperteile indes ist der bisherigen Ansicht zufolge nicht direkt von den Genen abhängig, sondern von Hormonen, die Hoden und Eierstöcke an ihre Umgebung abgeben. Im Prinzip sollte es bei Vögeln ganz ähnlich ablaufen, dort heißen die Geschlechtschromosomen eben nicht XX und XY sondern ZW (weiblich) und ZZ (männlich).

Autonome Körperzellen

Das stellen Zhao und seine Kollegen nun in ihrer in "Nature" veröffentlichten Studie aber in Frage: Sie haben die Körperzellen des Gynanders genauer untersucht und herausgefunden, dass auf der weiblichen Seite vor allem ZW-Chromosomen vorkamen, auf der männlichen mehrheitlich ZZ-Chromosomen. Nachdem sich die Anwesenheit von Hormonen nicht auf eine Körperhälfte beschränkt, ihre Konzentration auch früher auf beiden Seiten gleich hoch sein musste, liegt die Vermutung nahe, dass jede Körperzelle des Huhnes ihr "Geschlecht" autonom bestimmt - und zwar über die Gene.

Zhao und sein Team haben das überprüft, indem sie künstliche Chimären durch Gewebstransplantationen herstellten. Das Resultat bestätigte die Vermutung: Die Fremdzellen passten sich nicht an ihre hormonelle Umgebung an, die Gene behielten die Oberhand.

Synthese gesucht

Dennoch dürfte die Angelegenheit komplizierter sein. Tiermediziner wissen nämlich aus jahrzehntelanger Praxis, dass man das Geschlecht von Hühnern umpolen kann, sofern man männlichen Embryonen zusätzliches Östrogen verabreicht (bzw. es weiblichen vorenthält). Auf den ersten Blick ein glatter Widerspruch, doch wie die beiden Biologinnen Lindsey Barske und Blanche Capel in einem Kommentar betonen, bietet sich durchaus ein Ausweg an.

Hormonell umgepolte Hähne vermännlichen nämlich in der Pubertät, wenn sie nicht kontinuierlich Östrogen erhalten. Möglicherweise können hohe Hormongaben in frühen Entwicklungsstadien das Parlament der Gene überstimmen - aber eben nicht dauerhaft. Um das Verhältnis der beiden Kräfte zu klären, schlagen die beiden Biologinnen Versuche mit kastrierten Hähnen vor. Sie sollen zeigen, ob es eine sexuelle Identität auf Ebene der Zellen gibt.

Robert Czepel, science.ORF.at

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Forum

 
  • TIERQUÄLERREI??

    onilat, vor 704 Tagen, 2 Stunden, 38 Minuten

    Wo bleiben unsere Grünen jetzt nun??? Wo der WWF??? Ist ja ein Versuch! Das Tier quält sich ja voll ab. Wenn es da keinen Einspruch gibt, dann wieder ab mit den Schweinen in den ScHNEE!!!

    • der

      biomechanoid, vor 704 Tagen, 2 Stunden, 19 Minuten

      wwf ist keine tierschutzorganisation sondern eine artenschutzorganisation warum sollte der irgendwas dazu sagen??

    • Wo bleiben unsere Grünen jetzt nun???

      sowas11, vor 704 Tagen, 2 Stunden, 12 Minuten

      die sind mit wichtigerem beschäftigt:

      z.b. wo die rathausfrau aufgestellt wird, wie man noch mehr kriminelle ausländer nach ö bringen kann, und solche sachen...

    • @sowas11

      clemens65, vor 704 Tagen, 1 Stunde, 48 Minuten

      freundlich formuliert:
      "Hupf in Gatsch und ..."

    • Dieses Lebewesen hat die Natur selbst vervorgebracht...

      fuchsrob, vor 704 Tagen, 1 Stunde, 30 Minuten

      ..und ist nicht durch Menschenhand entstanden!

  • Im PNAS 2003

    allgeier, vor 704 Tagen, 3 Stunden, 56 Minuten

    http://sciencev1.orf.at/sciencev1.orf.at/science/news/71307.html "We analyzed the sexual phenotype of the brain of a rare gynandromorphic finch in which the right half of the brain was genetically male and the left half genetically female."
    Welche "traditionelle Theorie" wird, bitte, infrage gestellt? Schlimmstenfalls eine Vorstellung, die die Autoren sich irgendwie angelesen haben. Vielleicht wird das Wort "Theorie" doch zu lasch verwendet.

  • molekühl, vor 704 Tagen, 4 Stunden, 46 Minuten

    Den Abstract des Nature-Artikels verstehe ich jedenfalls so, dass die "traditionelle Theorie der Geschlechtsentwicklung" ohnehin nur für Säuger als gut gesichert gilt, für andere Wirbeltiere wurde sie bisher nur vermutet. Die hier beschriebenen Ergebnisse zeigen nur, dass das für Vögel offenbar nicht stimmt - was uns Säugetieren wiederum relativ wurscht sein kann.

  • Klarstellung zur Evolutionstheorie

    gorith, vor 704 Tagen, 5 Stunden, 35 Minuten

    "Und das steht im widersprich zu Darwin, für den ja alles einen Sinn haben muß, die Natur macht nichts sinnlos,"

    Oh Mann... du hast die Evolutionstheorie aber wirklich überhaupt nicht verstanden. Darvin sagt nämlich das genaue Gegenteil von dem, was du ihm da unterstellst. Darvin sagt, dass in der Natur zufällige Mutationen (also nicht zielgerichtete Entwicklungen) zu Veränderungen im Genpool führen. Von diesen Veränderungen setzen sich aber nur jene durch, die einen Vorteil im Konkurrenzkampf um die beschränkten Ressourcen haben. Dieses Huhn widerspricht in keiner Weise der Wvolutionstheorie. Und dass es sich vermutlich nicht als Vorteil im Kampf ums Überleben erweisen wird, halte ich für ziemlich offensichtlich.

    Abgesehen davon: Wenn du ein Argument brauchst, watrum freie Liebe und Bisexualität etwas natürliches sind google mal nach Bonobos ;) Da kriegste dein natürliches Beispiel auch ohne genetische Anomalie.

    • solala, vor 704 Tagen, 5 Stunden, 5 Minuten

      Ich mag in Darwin persönlich net, und da ist es mir dann jedes Mittel recht ihn in den Dreck zu ziehen, wenn ich vieleicht auch in dem einen Punkt vieleicht falsch liegen möge...

      Zum letzten Absatz, Du brauchst es mir nicht zu sagen den Bericht kenn ich im übrigen aus Spektrum und ist nur iner von vielen Beispielen, es ging nicht um meine Wertevorstellung sondern jene die uns von verschiedenen Seiten aufs Auge gedrückt werden!

  • Unterschied: Einst - jetzt.

    broadarrow, vor 704 Tagen, 7 Stunden, 1 Minute

    Jetzt: Das Huhn ist eine Meldung in der Science wert.
    Damals: Es landete ohne Umwege und unpopulär im Kochtopf.

    • gorith, vor 704 Tagen, 5 Stunden, 36 Minuten

      "Und das steht im widersprich zu Darwin, für den ja alles einen Sinn haben muß, die Natur macht nichts sinnlos,"

      Oh Mann... du hast die Evolutionstheorie aber wirklich überhaupt nicht verstanden. Darvin sagt nämlich das genaue Gegenteil von dem, was du ihm da unterstellst. Darvin sagt, dass in der Natur zufällige Mutationen (also nicht zielgerichtete Entwicklungen) zu Veränderungen im Genpool führen. Von diesen Veränderungen setzen sich aber nur jene durch, die einen Vorteil im Konkurrenzkampf um die beschränkten Ressourcen haben. Dieses Huhn widerspricht in keiner Weise der Wvolutionstheorie. Und dass es sich vermutlich nicht als Vorteil im Kampf ums Überleben erweisen wird, halte ich für ziemlich offensichtlich.

      Abgesehen davon: Wenn du ein Argument brauchst, watrum freie Liebe und Bisexualität etwas natürliches sind google mal nach Bonobos ;) Da kriegste dein natürliches Beispiel auch ohne genetische Anomalie.

  • solala, vor 704 Tagen, 8 Stunden, 12 Minuten

    Das Vich kann gar nicht Hetrasexuell sein, es ist nur der Zustand Schwul oder Lesbisch möglich...

    Damit kommt mal Darwin und seine Anhänger in Erklärungsnotstand auch die Kirche wird wird wenig Freude haben mit dem Satansbraten...

    • wollt nur anmerken...

      engineeringgirl76, vor 704 Tagen, 7 Stunden, 25 Minuten

      ... das dieses kommentar entweder ziemlicher nonsense ist oder ich einfach nicht klug genug bin, das zu verstehen. Tipp aber stark auf ersteres. Hetrasexuell? schwul/lesbisch? darwin? kirche. wie jetzt.

    • ich als biologe

      mantispa, vor 704 Tagen, 7 Stunden, 6 Minuten

      komm auch nicht mit. außer zur not mit "satansbraten". ich denke nicht, dass so ein unfall der natur irgendwie erfolgreich sexuell tätig werden kann.

    • Ich kenn Menschen eindeutigen Geschlechts,...

      loveissuicide, vor 704 Tagen, 6 Stunden, 48 Minuten

      ...die keine Chance haben, erfolgreich sexuell tätig zu werden *gg*

    • solala, vor 704 Tagen, 5 Stunden, 53 Minuten

      Es ging mir um die brüde Sexualmoral in unserer Gesellschaft.

      Alles was wiedernatürlich ist wird Verteufelt, das Huhn kann aber nur wiedernatürlich seine sexualität ausleben.

      Und das steht im widersprich zu Darwin, für den ja alles einen Sinn haben muß, die Natur macht nichts sinnlos, als auch im Wiederspruch zur kirchlichen Lehre und ihrer Moralvorstellung.

      Und weil das derartig im wiederspruch zu dieser Moral steht nannte ich es Satansbraten als Ding das nur vom Teufel kommen kann mit dem Zweck die Heilige Moral und Ethik der Menschen so zu unterwandern.

    • Ich kenn die Wörter nicht, also:

      xype, vor 704 Tagen, 5 Stunden, 43 Minuten

      Was ist "brüde"? Und was ist "wiedernatürlich"?

  • neu ist das

    mantispa, vor 704 Tagen, 9 Stunden, 10 Minuten

    aber auch nur für ideologisch jahrzehntelang ,umgepolte' biologen.