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Ein Sparschwein auf einem Taschenrechner, das einen Doktorhut auf dem Kopf trägt

Vom "geistigen Flanieren" zum Kostenfaktor

Bessere Vergleichbarkeit von Studien, mehr Mobilität und mit dem Bachelor ein neuer Studienabschluss, der Berufsbefähigung vermitteln soll: Das waren die Ziele des Bologna-Prozesses. Sie wurden alle nicht erreicht, meint der Philosoph Konrad Paul Liessmann anlässlich der Zehnjahres-Jubiläumskonferenz von Bologna diese Woche in Wien.

Studieren heute 10.03.2010

Liessmann vermisst die Möglichkeit wie früher, interessegeleitet und "flanierend" studieren zu können. Profitiert von Bologna hätten vor allem die Bürokratien, die Studenten als Kostenfaktoren berechnen, und Studierende, die gerne nach strikten Plänen studieren.

In einem science.ORF.at-Interview verrät Liessmann auch, wie er seinen eigenen Studienbeginn erlebt hat - und warum das heute in der Form nicht mehr möglich wäre.

science.ORF.at: Wie lautet Ihr Resümee nach zehn Jahren Bologna-Prozess?

Porträtfoto des Philosophen Konrad Paul Liessmann

Konrad Paul Liessmann ist Professor für Philosophie und Vizedekan der Fakultät für Philosophie und Bildungswissenschaft an der Universität Wien. Als Studienprogrammleiter für Philosophie war er vier Jahre lang für die Bologna-Umsetzung in seinem Bereich zuständig.

Konrad Paul Liessmann: Die selbstgesteckten Ziele sind offenbar nicht erreicht worden. Den europäischen Hochschulraum gibt es nicht, die Mobilität der Studierenden ist entweder zurückgegangen oder wird – wie im Falle der deutschen Studenten in Österreich – mit Entsetzen beobachtet, die Vergleichbarkeit der Studien ist ein formalbürokratischer Nonsens, der die Konzeption sinnvoller Studienpläne blockiert, aber nichts erleichtert.

Und da der Bachelor am Arbeitsmarkt noch nicht angekommen ist und sehr viele weiterstudieren, haben sich insgesamt die Studienzeiten nicht wie erhofft verkürzt, sondern verlängert. Und um das zu erreichen, hat man in Gesamteuropa mit unglaublichem Aufwand über Jahrhunderte gewachsene Strukturen in wenigen Jahren zerschlagen.

Konkret eingeführt hat Bologna die ECTS-Punkte, die Studienleistungen international vergleichbar machen sollen. War diese Standardisierung nicht notwendig?

Konrad Paul Liessmann: Es war doch auch früher so, dass jemand nach einem Studium in Frankfurt, Paris oder Cambridge in Salzburg oder Graz weiterstudieren konnte. Natürlich sind diesen Studenten ihre Leistungen angerechnet worden: aber nach inhaltlichen Kriterien. Das ECTS-System misst nichts anderes als die vermeintliche durchschnittliche Arbeitszeit eines durchschnittlichen europäischen Studenten, egal was er studiert. Das ist eine Absurdität der Sonderklasse. Wenn ich heute Studien sinnvoll anrechnen möchte, muss ich das gleiche machen wie zuvor: Die Studenten fragen, was sie eigentlich gemacht haben.

Sie erwecken den Eindruck, dass Bologna die Vergleichbarkeit von Studien sogar eher reduziert hat?

Zehn Jahre Bologna-Prozess

Juni 1999 wurde die Bologna-Erklärung unterschrieben, für Österreich vom damaligen Wissenschaftsminister Caspar Einem. Am 11. und 12. März treffen sich 46 europäische Bildungsminister zur - etwas verspäteten - Zehnjahres-Jubiläums-Konferenz.

Die zentralen Punkte der Bologna-Erklärung:
- Schaffung eines europäischen Hochschulraums,
- Einrichtung eines vergleichbaren Leistungspunktesystems (ECTS),
- Förderung der Mobilität,
- europaweite Qualitätssicherung und
- ein neues System von Studienabschlüssen.

Konrad Paul Liessmann: Das ist auch die Realität. Gesamteuropäisch schwebt zwar das Phantasma der Anrechenbarkeit und Vergleichbarkeit irgendwo herum, de facto ist es aber schon unglaublich schwierig, von Klagenfurt nach Innsbruck zu wechseln. Das liegt daran, dass unter dem Druck der "Profilbildung" und "Autonomisierung" jede Studienrichtung ihre inhaltliche Akzentuierung ohne jede Koordination vorgenommen hat, bis hin zur inflationären Etablierung neuer, oft nur kurzlebiger Bachelorstudien, die es dann nur an wenigen, vielleicht gar nur an einer Universität gibt. Mittlerweile hat man verstanden, dass die rein formale Anrechnung nach ECTS nicht funktioniert. Will man seriös sein, muss man nicht nur Studienleistungen, sondern die konkreten Studienpläne vergleichen, und wenn diese inkompatibel sind, wird es schwierig.

Der Wunsch der Politik ist es, mehr Studierende in kürzerer Zeit auszubilden. War Bologna da nicht eine notwendige Reform?

Konrad Paul Liessmann: Ich würde mal die Kirche im Dorf lassen. Die Universitäten sind in Dauerreform, die uns alle als unbedingte Notwendigkeiten verkauft wurden. Das "Busek'sche Jahrhundert-Reformgesetz" von 1993 wurde in Wien 2000 implementiert. Es war genau zwei Jahre in Kraft, ehe das UG 2002 mit völlig neuen Strukturen und Studienplänen gekommen ist. Gleich darauf folgte Bologna, die wie keine Reform zuvor von oben oktroyiert wurde.

Innerhalb von zwei, drei Jahren mussten alle Studienrichtungen umgestellt werden: Gleichgültig ob vier- oder fünfjährige Diplomstudien, gleich ob natur- oder humanwissenschaftliche Studien, alle wurden in die neuen drei Phasen - drei Jahre Bachelor, zwei Jahre Master, drei Jahre Doktorat - geteilt. Es gab zum Teil keine Zeit, über die Frage nachzudenken, wie das inhaltlich sinnvoll geschehen soll.

Gerade der dreijährige Bachelor macht uns nun im internationalen Vergleich große Probleme, weil in vielen Ländern außerhalb Europa der vierjährige Bachelor, mit der Möglichkeit, ein Doktoratsstudium unmittelbar anzuschließen, üblich ist. Das alte Diplomstudium ist hier anschlussfähiger gewesen! Und insgesamt dürften sich die Studienzeiten nach Bologna eher verlängern.

Einige Studienrichtungen haben sich gegen den dreijährigen Bachelor ja mit Erfolg gewehrt ...

Radio-Hinweis

Dem Thema "Studieren heute - zehn Jahre nach Bologna" widmen sich auch die Ö1 Dimensionen: am Mittwoch, 10.3, 19.05 Uhr, Radio Österreich 1.

Konrad Paul Liessmann: Ja, die Mediziner etwa sagen wohl mit Recht, dass ein Bachelor nichts bringt: Da kommt höchstens ein Laborassistent heraus, von dem sich niemand operieren lassen würde. Bei den Juristen ist das ähnlich, auch die Psychologen haben sich bislang gewehrt, ebenso die Kunsthochschulen, wo die Protestbewegung ja entstanden ist, weil auch diese dem BA/MA-Modell unterworfen werden sollten.

Und als nächstes steht uns die Reform der Lehramtsstudien ins Haus. Wird diese, wie manche meinen, in der Weise durchgeführt, dass nach einem allgemeinen pädagogischen Bachelor nur mehr eine zweijährige Fachausbildung in einem Masterstudium folgt, dann würde das den endgültigen Ruin des Höheren Schulwesens bedeuten.

Warum, so frage ich mich, kann man Studiendauern nicht nach sinnvollen sachlichen Parametern festlegen? Es ist ja ein Unterschied, ob jemand z.B. Englisch in der Schule gelernt hat und dann Anglistik studiert, oder ob jemand eine Sprache studieren will, die er erst mit Beginn des Studiums kennenlernt, wie z.B. Japanisch, oder ob jemand ein Lehramt mit zwei Fächern studiert. Bologna aber bedeutet in Österreich: Gleichgültig, was jemand studiert, der Bachelor dauert drei Jahre.

Wenn Sie sich in Studierende von heute hineinversetzen: Was hat sich für sie im Vergleich zurzeit vor Bologna am meisten verändert?

Konrad Paul Liessmann: Dass sich zumindest das Grundstudium tatsächlich immer mehr einem Schulbetrieb angenähert hat. Akademische Freiheit ist nur noch am Rand zu finden. Wer heute zu studieren beginnt, bekommt einen klaren Stundenplan, er weiß, wo er wann zu sein hat, was er zu machen hat, die Wahlmöglichkeiten sind sehr begrenzt. Lehrveranstaltungen zu besuchen, die mit dem eigentlichen Studium vielleicht nur am Rande zu tun haben, aber interessieren, ist fast unmöglich geworden. Ein suchendes und flanierendes Studieren gibt es nicht mehr.

Verbirgt sich dahinter nicht ein bisschen die Sehnsucht nach der "guten alten Zeit"? Wie sind die Erinnerungen an Ihren eigenen Studienbeginn?

Konrad Paul Liessmann: Wenn alte Zeiten besser waren, warum darf man sich nicht danach sehnen? Das Neue ist nicht deshalb, weil es neu ist, immer auch schon das Bessere. Als ich zur Studienberatung gegangen bin, war ich frisch nach Wien gekommen und hatte keine Ahnung. Ich traf auf einen ältersemestrigen Studenten und fragte ihn: Womit soll ich beginnen? Seine Antwort: Es ist nicht so in der Philosophie, dass man mit irgendetwas beginnt, man kann mit allem beginnen. Mir hat das gefallen, ich bin dann gleich in eine Lehrveranstaltung gestolpert, in der ich nichts verstanden habe, das hat mich sicher ein Semester gekostet. Aber es war eine wertvolle Erfahrung – das "philosophische Staunen" -, die man heute so nicht mehr machen kann.

Wer heute mit einem Studium beginnt, muss sich als Input verstehen, dann als Kostenfaktor, dann als Output. Wenn er länger braucht, ist er eine Belastung für das System, die die Leistungsbilanz negativ beeinflusst. Und solch ein Denken hält man in Europa für einen Fortschritt.

Diese symbolische Ebene wirkt sich noch schlimmer aus als die rein administrativen Gegebenheiten: Studienpläne hat es immer gegeben, sie waren immer schon problematisch, wurden immer schon reformiert, und es ist trotzdem immer studiert worden. Heute jedoch wird nur noch gezählt und berechnet. Die Studenten fragen sich nicht, was sie interessiert, sondern als erstes lernen sie, wie sie zu ihren ECTS-Punkten kommen, welches Modul sie besuchen müssen, um in das nächste zu kommen und kein Semester zu verlieren: Dieser kleinkrämerische Geist erschüttert mich am meisten. Ich bekomme E-Mails von Studierenden, die mir schreiben, dass sie aus Interesse gerne in meine Vorlesung kämen, aber leider haben sie für den entsprechenden Studienplanpunkt schon ihre ECTS-Punkte und müssen deshalb darauf verzichten. Ich finde das traurig.

Können Sie Bologna gar nichts Positives abgewinnen?

Konrad Paul Liessmann: Wo viel Schatten, da muss doch auch ein Licht sein – oder? Vorab: Vieles, was unter "Bologna" läuft und zu kritisieren ist, hat mit Bologna wenig bis nichts zu tun: etwa die Modularisierung, die Vorstellung, die Unis seien Unternehmen, die gewinnorientiert arbeiten müssen, oder die schleichende Einführung von zwei Klassen von Hochschulen: Ausbildungsanstalten und Forschungsanstalten, das ganze Gerede von Exzellenz und Elite.

Abgesehen davon: Die strengere curriculare Ordnung hat sicher bessere Möglichkeiten der Leistungskontrolle mit sich gebracht. Die gegenwärtige Studentengeneration ist fleißiger als vergangene. Sie lesen und produzieren wirklich brav, hin und wieder schreiben sie aus dem Internet ab, aber dieses Problem hat sich mittlerweile entspannt. In meinem Bereich hat es früher viel öfter Debatten in den Lehrveranstaltungen gegeben hat, die mit den Seminarthemen gar nichts zu tun hatten.

Wenn jetzt nicht gerade eine Demonstration ist, und ein Aktivist höflich bittet, ob er fünf Minuten darüber sprechen darf, teilen alle das Interesse, mit dem Stoff weiterzukommen. Die Stimmung ist konzentriert, erfolgsorientiert. Ich schätze das, weil man wirklich gut arbeiten kann. Aber es fehlt ein bisschen das Widerständige und die Provokation, was auch zum Studieren gehört.

Auch diese Antwort klingt nicht sehr positiv: Wer hat Ihrer Ansicht nach von Bologna profitiert?

Konrad Paul Liessmann: Jene, die mit der Umsetzung des Prozesses beauftragt worden sind, keine Frage. Profitiert haben die Uni-Leitungen, die maßgeblich an Einfluss und Macht gewonnen haben, profitiert haben die Bürokratien, die Agenturen, die ständig messen, erheben, vergleichen, profitiert haben auch jene Studenten, die gerne klar konzipierte Richtlinien haben.

Ob die Wirtschaft davon profitieren wird, weil sie nun viele akademisch zumindest vorgebildete Bachelors für Maturantengehälter einstellen kann, weiß ich nicht zu sagen. Profitiert haben aber auch diejenigen, die nach dem Bachelor in qualifizierte Master- oder Doktorats-Programme hineinkommen, in denen sich die wissenschaftsorientierte Ausbildung wirklich verbessert hat.

Das Paradoxe: Bologna ist mit dem Leitziel der Berufsorientierung gestartet. Genau dort, wo man sich von diesem Ziel abgekoppelt hat, und die Unis das bieten, was sie immer gemacht haben - eine wissenschaftliche Berufsvorbildung bzw. weiterführende wissenschaftliche oder wissenschaftsorientierte Ausbildung -, dort sind nun die größten Erfolge zu verzeichnen.

Interview: Lukas Wieselberg, science.ORF.at

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Forum

 
  • atws, vor 703 Tagen, 14 Stunden, 9 Minuten

    durch das Bachelor und Mastersystem braucht man gleich länger zum Studieren als mit dem vorherigen Diplomstudium. Und mehr Akademiker werden wir dadurch auch nicht erhalten.

  • längst fällig, so ein kommentar.

    frizzdog, vor 704 Tagen, 12 Stunden, 25 Minuten

    leider kuschen aber alle unileute, weil ihre jobs wackeln.
    das wrd übrigens der nächste schritt sein, daß das anstellungsritual der lehrenden an die scheiß usa-verhältnisse angeglichen wird.

    • burnside, vor 704 Tagen, 2 Stunden, 24 Minuten

      Und dann hinkt man endgültig den USA hinterher, anstatt auf leistungsfaehigerere auf Europa angepasste ALternativen zu setzen. Man will lieber ein schlechtes zweites Amerika werden.

      Moeglicherweise ist eine der Ursachen, dass viele der derzeit leitenden MBAs und LLMs der Europa-Buerkokratie frueher in den USA waren und in ihrem Job einfach (und billig!) das dortige System widerkaeuen wollten, anstatt selber von den europaeischen Gegebenheiten ausgehend zu denken und europaeisch-kreativ zu sein.

  • freiwelt, vor 704 Tagen, 14 Stunden, 50 Minuten

    wer sich nicht verwalten/managen lassen will, wer nicht selbst zum systemerhalter verkommen will, der muss diese logik des systems eben durchbrechen: wissen, bildung gezielt eben nicht als zweck zur heiligen effizienzsteigerung (von maerkte, unteraltung, wissenschaft, verwaltung ...) einsetzen, sondern GEGEN diese logik: eigenstaendigkeit, kreativitaet und kritik muessen (wieder) als tugenden anerkannt werden!

    • freiwelt, vor 704 Tagen, 14 Stunden, 45 Minuten

      joessas ein linkslinker retro. che die 375 oder was? die "kritischen" 68er sind aber jetzt schon in pension - welche den stoehenden jungen heute uebrigens die lebenschancen raubt. die demonstrieren doch auch nicht, weil sie das "system aendern" wollen, sondern eine antaendige ausbildung.

    • freiwelt, vor 704 Tagen, 14 Stunden, 40 Minuten

      das system knechtet uns! bologna macht aus europa einen zulieferer willfaehrigiger, uniformer, mobil-flexibler, hochmotivierter konzernsklaven.

    • freiwelt, vor 704 Tagen, 14 Stunden, 40 Minuten

      na sollen lieber die chinesen das rennen machen?

    • nasserfetzn, vor 704 Tagen, 13 Stunden, 33 Minuten

      die chinesen machen das rennen sowieso...jedenfalls wenn es um das kopieren und billig nachbauen geht. wir können nur vorne bleiben, wenn wir bereiche bedienen, die eben eine höhere ausbildung voraussetzen. das ist unser einziger vorteil, nämlich, dass wir genug geld zur verfügung hätten um im bildungsbereich vorne bleiben zu können. die chinesen machen das nicht, sie setzen eben auf quantität. da können wir ganz bestimmt nicht mithalten.

    • nasserfetzn, vor 704 Tagen, 13 Stunden, 3 Minuten

      und dabei haben wir noch die möglichkeit uns einen staat zu erhalten, der sich nicht komplett der wirtschaft unterordnet und zur knechtschaft verkommt (china) sondern kultur, geisteswissenschaften, eben einen umfassend entwickelten staat behält und damit einfach menschlicher bleibt als andere länder. wir entfernen uns immer mehr von diesem ziel, aufgrund von neid und mißgunst, welche ausgenutzt werden für opportunistische manipulationen, was dazu führt, dass manche leute negative entwicklungen gutgläubig verteidigen und nicht durchschauen, wohin die resise geht.

  • was er vergisst

    albundyfan, vor 704 Tagen, 15 Stunden, 4 Minuten

    daß das "geistige flanieren" hauptsächlich von den einfachen arbeitern bezahlt wurde...denn irgendwer muß ja den betrieb der uni bezahlen und das passiert mit dem geld, das den arbeitenden menschen abgenommen wird.

    ich finde es einfach nur egoistisch für eine kleine menge von der gesamtmenschheit ein "geistige flanieren" zu ermöglichen, während andere leute jahrzehntelang in knechtschaft schwerste arbeiten erledigen müssen um der minderheit das "geistige flanieren"(vulgo:faulheit) zu ermöglichen.

    wenn jmd.selbst genug geld hat um das zu finanzieren hab ich kein problem damit - aber nicht auf dem rücken der arbeitenden mehrheit.

    • student99, vor 704 Tagen, 14 Stunden, 40 Minuten

      [...]hauptsächlich von den einfachen arbeitern bezahlt[...]

      Wo hast du das her? Ich für meinen Teil sehe nur was ich an Steuerleistungen zu erbringen haben werde - ziemlich genau das, was ein 'einfacher' Arbeiter Brutto verdient.

    • nasserfetzn, vor 704 Tagen, 13 Stunden, 27 Minuten

      was für ein ideologischer schwachsinn, mit neid überzogen und egomanisch garniert...dir fehlt es eindeutig an durchblick, was wirtschaftliche zusammenhänge betrifft. im schnitt zahlt jeder student die gesamten kosten seiner ausbildung über progressiven steuersatz selbst wieder zurück. das ist für den staat eine reine gewinnsituation. unbeziffert bleibt da auch noch der volkswirtschaftliche wert von höherer bildung. der ist zusätzlich ein gewinn für den staat. der ach so arme arbeiter ist ein größerer kostenfaktor als der student. wenn man es über lebenszeit rechnet.

    • eben nicht jeder

      albundyfan, vor 703 Tagen, 15 Stunden, 15 Minuten

      die geistigen herumflanierer zahlen es nicht zurück....denn die studieren dann doppelt bis dreimal so lang wie der durchschnittsstudent, bekommen die guten jobs nicht(wenn der solange studiert hat dann ist irgendwas faul) und/oder können sich aufgrund der 15 jahre nichts tun nicht auf die arbeitswelt umstellen.

      erfolgreiche menschen, die die studienzeit dazu nutzen sich effizient selbst weiterzuentwickeln, neigen auch nicht zum geistigen herumflanieren sondern wollen im leben etwas erreichen.

    • nasserfetzn, vor 703 Tagen, 14 Stunden, 26 Minuten

      anscheinend hast du nicht viel ahnung, von dem, was du hier ablässt. jemand, der doppelt so lange braucht, bekommt vom staat keine unterstützung mehr sobald er die mindeststudienzeit um ein semester pro abschnitt (also insg. 2) überschreitet. das ist in relation gesehen ca. eine 20%ige toleranz (die meist schon aufgrund der organisatorischen probleme, vor allem wegen bologna, aufgefressen wird). da ist nichts mit flanieren mehr. außerdem zahlt man dann zusätzlich noch studiengebühren, wenn man überzieht. bitte zuerst informieren, dann maul aufreißen.

    • richtig...

      smrtnig, vor 703 Tagen, 14 Stunden, 22 Minuten

      ... ein Bummelstudent bzw. eine Aktenleiche kostet per se KEIN Geld.

    • nasserfetzn, vor 703 Tagen, 14 Stunden, 10 Minuten

      ich habe auch nicht behauptet, dass JEDER student später so viel verdient, dass er, zumindest monetär betrachtet, einen gewinn darstellen würde. ich rede vom durchschnitt. natürlich gibt es weniger wirtschaftsorientierte fächer. aber auch die muss es geben. wir riskieren ansonsten den kreislauf der vermehrung von wissen zu durchbrechen, indem wir uns nur auf wirtschaftlich verwertbares konzentrieren. dann werden wir einen großen teil der vielfältigkeit unserer gesellschaft und unserer menschlichkeit verlieren. wer das nicht sehen kann bzw. es auch noch verteidigt, muss durch seine gier schon erblindet sein.

    • @nasserfetzen

      smrtnig, vor 703 Tagen, 14 Stunden, 4 Minuten

      danke, für deine Worte, besser könnt ich's auch nicht sagen.

  • Was täte die

    duzur, vor 704 Tagen, 15 Stunden, 19 Minuten

    Politik bzw. die Gesellschaft wenn die ca. 300 000 Studenten keine Lust mehr hätten zu hören wie sehr sie die Steuerzahler belasten und einfach nach geeigneten Jobs rufen würden??? Ob das billiger wäre?
    Fraglich ist allerdings ob die Vorlesungen mit besserem Einsatz elektronischer Medien nicht auch einfacher und billiger organisiert werden könnten. Aber wo will sich schon die Belegschaft selbst wegrationalisieren?
    Es ist auch lächerlich überheblich zu meinen, dass die Europäer das Gehirn patentiert hätten? Auch interessant zu beobachten, dass in Japan wo sich die Studenten vor Ehrgeiz seit Jahrzehnten bis zum Selbstmord quälen, die Krisen sich nicht "wegbilden" lassen...

    • burnside, vor 704 Tagen, 2 Stunden, 36 Minuten

      Mehr elektronischer Einsatz fuehrt nicht zu mehr Bildung oder mehr Einsicht der Studierenden. Im Gegenteil: Er fuehrt zu mehr Selbstdarstellung der Vortragenden und zu einer noch staerkeren Reizueberflutung der Zuhoerer. "Haengen" bleibt an Fachwissen (und selbststaendig Erarbeitetem) wesentlich weniger, als bei einem traditionellen Tafelvortrag zum Mitschreiben.

      Die meisten jungen Studenten sind (wie die meisten Schueler) motorische Lerntypen. Die "visuellen" ueberwiegen erst ab einem Alter von ca. 30 Jahren.

  • Lächerliche Debatte

    nickname, vor 704 Tagen, 15 Stunden, 57 Minuten

    Ich hatte keinen einzigen Tag in meinem Informatik-Bachelor-Studium auch nur im geringsten Maße Stress oder war überlastet. Ich denke, dass die Mehrheit der Studenten nicht deshalb abbricht, sondern weil sie, wie ich, einfach nicht einer gewissen wissenschaftlichen Klasse entsprechen. Sie sind ganz einfach nicht intelligent genug für wahre wissenschaftliche Leistung. Und weil man das nicht wahrhaben will, gibt man dem System die Schuld. Steht zu den Gründen eures Versagens und macht nicht andere dafür verantwortlich.

  • wired, vor 704 Tagen, 17 Stunden, 18 Minuten

    Man kann auf der Uni nicht gratis nicht tun, es sei denn man ist Millionär und betreibt ein Studium ohne finanzielle Sorgen.

    In Wirklichkeit sind die meisten Studien nicht oder kaum in der gesetzlichen Studienzeit zu schaffen, auch wenn man total brav strebert.

    Und es gibt unzählige bürokratische Hürden, durch die man die Kinderbeihilfe verlieren kann, auch wenn man fleißig und schnell ist. Und wenn man die verliert, verliert man auch alle Stipendien, bis auf das Leistungstipendium, das man dafür aus anderen Gründen verlieren kann. (Beispiel: Ich habe mehrere Jahre kein Leistungsstipendium bekommen, obwohl ich mein Hauptstudium total schnell und mit Bestnoten vorangetrieben habe - weil mein parallel geführtes Zweitstudium nicht in der gesetzlichen Studienzeit war..)

    Übrigens kenn ich nur sehr wenige Studenten, die ihr Studium locker sehen, vielleicht 1 von 200. (Und die kriegen spätestens nach 4 Semestern Stress...) Alle anderen rennen gestresst ihren Zeugnissen nach und haben nicht mal mehr Zeit, Lehrveranstaltungen zu besuchen, die sie persönlich interessieren würden.

    • wired, vor 704 Tagen, 17 Stunden, 18 Minuten

      (Das sollte eine Antwort auf einen User weiter unten sein, der davon redet, dass die STudenten einfach nur gratis nichts tun wollen.)

  • huiii, vor 704 Tagen, 17 Stunden, 24 Minuten

    ich hab einen 40 wochenstunden job, ein kleines kind zuhause und bin daher froh in einem system studieren zu können, wo ich nicht um einen platz im hörsaal kämpfen muss (z.B. WU) bzw suchen muss wann ich welche vorlesung besuchen kann. ich finde eigentilch diese strukturierte form besser als wenn man planlos rumirrt.

    • solidstate, vor 704 Tagen, 15 Stunden, 30 Minuten

      Wenn man ohne verschultem System planlos herumirrt, dann sollte man sich fragen ob man reif ist zu studieren.
      Die fortschreitende Verschulung der Studien widerspricht dem Grundgedanken eines Studiums. Es werden nur noch einheitliche Fachidioten produziert, statt flexible, selbständige und unterschiedliche Wissenschaftler.

  • trotzdem, vor 705 Tagen, 30 Minuten

    Morgen um 15h Westbahnhof
    Gegen Bildungs- und Sozialabbau!

    Das NIG ist offenbar bereits wieder vorübergehend besetzt...

    • was ausser

      iggi, vor 705 Tagen, 5 Minuten

      gratis studieren wollt ihr eigentlich noch? aber was gratis ist, ist halt auch meist uebergenutzt, und der gratisbenutzer hat weniger macht und rechte als der zahlende. mehr privatuniversitaeten brauchen wir, frei von linken memmen, frei von flanierenden studenten und in ihren job einbetonierte akademiker.

    • nasserfetzn, vor 704 Tagen, 19 Stunden, 2 Minuten

      studieren wird vom staat deshalb ermöglicht, da er meist einen nicht nur einen finanziellen nutzen davon hat (progr. steuersatz), sondern auch einen viel bedeutenderen volkswirtschaftlichen effekt. über die qualität bildung kann man sich von billiglohnländern abheben. weniger qualifizierte arbeit wird durch globalisierung immer mehr konkurrenz bekommen, immer unbedeutender, und immer gleicher bezahlt werden. wir müssen uns auf die höchste bildung konzentrieren. sonst haben wir die zeichen der zeit verpasst und werden überholt. dann sieht's wirklich düster aus, denn jegliche maßnahmen hier haben eine vorlaufzeit von jahrezehnten. so lange wird es auch dauern bis das uni-sparprogramm unserer regierung erste effekte zeigt. aber dann sind sie alle längst in pension...und hinter ihnen die sintflut.

    • nasserfetzn, vor 704 Tagen, 18 Stunden, 58 Minuten

      studienbeihilfen sind übrigens seit längerem leistungsabhängig. gratis kann man das nicht nennen. die meisten studenten leisten in ihrem studium mehr als eine durchschnittliche bürokraft. und werden nicht dafür bezahlt, sondern bekommen netterweise eine 'beihilfe', die sofort abgedreht wird, wenn man länger braucht als die toleranzzeit, und abkassiert wird dann auch noch (studiengebühren sind dann zu zahlen). das als gratis zu bezeichnen ist eigentlich eine frechheit gegenüber allen studenten.

    • nasserfetzn, vor 704 Tagen, 18 Stunden, 48 Minuten

      studieren ist weniger privatvergnügen als eine volkswirtschaftliche notwendigkeit, und wir sollten froh sein, dass es menschen gibt, die sich trotz der bedingungen ein studium antun.

    • man muss unterscheiden studenten,

      mantispa, vor 704 Tagen, 17 Stunden, 46 Minuten

      die aus wissenschaftlichem interesse die knechtung durch bologna sachlich ablehnen (wie es liessm. treffend schildert: zum staunen kommen als philosoph)
      und jenen, die diese grauenhafte verschulung bloß ablehnen, weil sie auf der uni "nichtstun" wollen, noch dazu gratis - gegen die soll der strikte lehrplan abhelfen, weil ja kein staat der welt sich nichtstuende "studenten" auf dauer leisten kann.
      dass man diese studenten in ihrer ratlosigkeit auch verstehen sollte, steht freilich auf einem anderen blatt. da versagt eben der staat, weil er den leuten nicht von anfang reinen wein einschenkt - aus ideologischen gründen.

    • @nasserfetzen

      albundyfan, vor 704 Tagen, 15 Stunden, 12 Minuten

      wenn die durchschnittliche bürokraft länger braucht als nötig dann landet sie als arbeitslose auf der strasse....

      und das sind viel schlimmere konsequenzen als das verlieren der studienbeihilfe.

    • nasserfetzn, vor 704 Tagen, 13 Stunden, 42 Minuten

      verlieren der studienbeihilfe + zahlen der studiengebühren ist gleichbedeutend mit arbeitslosigkeit. und studenten haben selten rücklagen. also schlimmer als für die bürokraft.
      @mantispa: studenten, die nichts tun, bekommen ohnehin keine studienbeihilfe...verstehe das problem nicht.

  • danke für das Interview

    donotconform, vor 705 Tagen, 2 Stunden, 24 Minuten

    bis jetzt das Beste, was ich zum Thema gelesen habe - mit Abstand!