
2.000 Gene prägen Muskulatur der Fruchtfliege
Flugtests zur Muskelfunktion
Die Studie in "Nature": "Systematic genetic analysis of muscle morphogenesis and function in Drosophila" (sobald online) von F. Schnorrer et al.
Fruchtfliegen (Gattung: Drosophila) gehören zu den sogenannten Modellorganismen der Genetiker. Bereits im Jahr 2000 wurde die Aufschlüsselung der Erbsubstanz (DNA) bekanntgegeben, langsam können die einzelnen Buchstaben auch bestimmten Funktionen zugeordnet werden. Anhand der am Forschungsinstitut für Molekulare Pathologie (IMP) in Wien von Wissenschaftlern um Barry Dickson betriebenen Fliegen-Bibliothek haben sich die Wiener Forscher gemeinsam mit ihren Kollegen vom Max-Planck-Institut für Biochemie bei München den gesamten Muskelapparat der Insekten angesehen.
Die spezielle Bibliothek beinhaltet rund 20.000 Fliegenstämme, in denen sich jeweils ein unterschiedliches, einzelnes Gen abschalten lässt. Nun wurden erstmalig alle 12.000 Gene der Fruchtfliege (Drosophila melanogaster) systematisch auf ihre Rolle bei der Muskelentwicklung und Muskelfunktion untersucht. Dazu wurden über 25.000 Flugtests durchgeführt, berichteten die Wissenschaftler.
Vorbild für Bodybuilder
Ähnlich wie der Mensch besitzt die Fruchtfliege verschiedene Typen von Muskeln; etwa langsam arbeitende für das Kriechen von Fliegenlarven oder blitzschnell agierende Hochleistungsmuskeln für die Bewegung der Flügel von erwachsenen Tieren.
So unscheinbar Fruchtfliegen aus sein mögen, ihre Leistungen können sich sehen lassen. Sie können bis zu 100 Watt pro Kilogramm Muskelmasse erzeugen und das über einen langen Zeitraum. Davon können Bodybuilder oder auch Ausdauersportler nur träumen, sie schaffen dauerhaft etwa 30 Watt pro Kilogramm Muskelmasse.
Die Erkenntnisse der Fliegenforscher sind dabei auch für die Medizin relevant. Viele der gefundenen Fliegen-Gene sind auch im Menschen vorhanden und werden dort jedenfalls zum Teil für die Muskelfunktion benötigt. Eine Veränderung solcher Gene kann bei Fliege wie bei Mensch zu Muskelerkrankungen führen.
science.ORF.at/APA


