
Lagen die Magnetpole einst am Äquator?
Geologen verwenden die Magnetisierung von Gesteinen, um deren Herkunft zu bestimmen. Das funktioniert in der Regel recht gut, bisweilen führt diese Methode jedoch zu Widersprüchen. Gesteine aus Laurentia, dem alten Nordamerikanischen Kontinentalschild, sowie aus dem Baltikum weisen nämlich magnetische Muster auf, die auf eine Lage in Pol- und in Äquatornähe hinweisen. Traditionellerweise wird das durch die Wanderung der Kontinente erklärt - die dafür notwendige Geschwindigkeit betrüge 45 Zentimeter pro Jahr.
Drehung um 90 Grad
Die Studie "Incompatible Ediacaran paleomagnetic directions suggest an equatorial geomagnetic dipole hypothesis" ist auf der Website der "Earth and Planetary Science Letters" erschienen.
Dieser Wert ist aber äußerst unrealistisch, schreiben nun Alexandra Abrajevitch und Rob van der Voo in einer Studie. Weder die Kontinentaldrift noch eine natürliche Verschiebung der geografischen Pole ("True polar wander") könnten ein solches Tempo erreichen. Die beiden Geologen schlagen stattdessen ein recht ungewöhliches Szenario vor: Die magnetischen Pole hätten im Lauf der letzten 600 Millionen Jahre eine 90-Grad-Drehung vollzogen und seien vom Äquator in die (geografische) Polregion gewandert.
Das Magnetfeld wird durch die Ströme flüssigen Eisens im äußeren Erdkern erzeugt. Wanderungen der magnetischen Pole könnten durch Änderungen der Dicke, Zähigkeit und Leitfähigkeit des äußeren Erdkerns verursacht worden sein.
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