Standort: science.ORF.at / Meldung: ""Geschmackstraining" für Beuteltiere"

Der Nördliche Beutelmarder knabbert an einem Blatt

"Geschmackstraining" für Beuteltiere

Der Verzehr der giftigen Agakröte zählt zu den häufigsten Todesarten des Nördlichen Beutelmarders in Australien. Ökologen ist es nun gelungen, den Geschmack des vom Aussterben bedrohten Tiers so zu trainieren, dass es angesichts der Amphibie einfach nur "die Nase rümpft".

Biodiversität 14.04.2010

Das Verhaltensprogramm könnte eine wertvolle Waffe im Kampf gegen die eingewanderte Art sein.

Giftige Kröten bedrohen den Kontinent

Die eigentlich in Süd- und Mittelamerika heimische Agakröte (Bufo marinus) ist sehr groß und hochgiftig. In den 1930er Jahren wurde sie im nordöstlichen Australien angesiedelt, um eine Käferplage auf Zuckerrohrplantagen zu bekämpfen. Seitdem hat sich die Art auf dem gesamten Kontinent ausgebreitet, da die eingeborenen Räuber ihr Gift nicht vertragen.

Agakröte von vorne
Die Agakröte bedroht die australische Tierwelt.

Mittlerweile bedroht sie die Existenz von Schlangen, Krokodilen und fleischfressenden Beuteltieren, wie etwa den katzengroßen Nördlichen Beutelmarder (Dasyurus hallucatus), der in manchen Gegenden bereits ausgerottet ist. Dieser ernährt sich von Früchten, Insekten, kleinen Säugetieren und Fröschen. Schon jetzt bevölkern die Kröten 60 Prozent seines Habitats. Schätzungen gehen davon aus, dass sie sich in den nächsten 20 Jahren in sein gesamtes Heimatgebiet ausbreiten werden.

Zum Schutz wurden einige der Marder bereits auf krötenfreien Inseln ausgesiedelt. Es wird aber dringend nach neuen Maßnahmen zur Erhaltung der bedrohten Art gesucht.

"Märchenlösung"

Das Hauptproblem ist laut den Forschern rund um Jonathan K. Webb von der School of Biological Sciences in Sydney, dass die Beutelmarder vor allem die großen Krötenexemplare essen. Diese enthalten genug Gift, um die Räuber auf der Stelle umzubringen. Folglich können die Beuteltiere niemals lernen, dass sie das todbringende Mahl besser vermeiden sollten.

Eine Lösung wäre es, den Tieren beizubringen, das Gift zu erkennen und abzulehnen. Auf die Idee kam Webb angeblich, als er seinen Kindern eine moderne Version von "Rotkäppchen" vorlas. Darin näht die Großmutter dem Wolf rohe Zwiebeln in den Magen. Als er aufwacht, ist ihm übel und er will die Großmutter gar nicht mehr essen. "Man müsste dem Beuteltier einfach beibringen, Übelkeit und Unwohlsein mit der Agakröte in Verbindung zu bringen", so die Überlegung des Forschers. Diese Konditionierung sollte sie vom Verzehr abhalten.

Überlebenszeit steigt deutlich

Ein junger und ein erwachsener Nördlicher Beutelmarder
Junger und erwachsener Nördlicher Beutelmarder

Um den Ansatz in die Tat umzusetzen, nahmen die Forscher 62 Jungtiere aus dem Brutprogramm des "Territory Wildlife Park" unter ihre Fittiche. Die Hälfte davon sollte trainiert werden, eine Abneigung gegenüber dem giftigen Beutetier zu entwickeln.

Die sogenannte "krötenschlaue" Gruppe erhielt zu diesem Zweck kleine tote Kröten mit einem Schuss Thiabendazol. Das weniger als zwei Gramm schwere Opfer enthielt nicht genug Gift, um die Marder umzubringen, aber die zugesetzte Chemikalie verursachte ihnen Übelkeit.

Um zu überprüfen, ob das Geschmackstraining funktioniert hat, erhielten beide Gruppen vorerst eine kleine lebendige Agakröte "serviert". Tatsächlich attackierten die "krötenschlauen" Beuteltiere das Opfertier weitaus seltener. Im nächsten Schritt wurden die Versuchstiere dann mit einem Sender versehen in die Wildnis entlassen. Laut den Forschern überlebten die trainierten Marder fast fünf Mal länger als ihre unbedarfte Vergleichsgruppe.

Bedrohliche Arten austricksen

Wenn sich dieser Trainingserfolg auf größere Populationen ausweiten ließe, könnten die Beutelmarder in Zukunft auch in krötenverseuchten Gebieten überleben. Möglicherweise könnte man eine ähnliche Maßnahme auch bei anderen bedrohten Räubern anwenden, wie etwa Waranen oder bestimmten Eidechsenarten.

"Zuerst allerdings müssen wir herausfinden, ob die Aversion gegenüber der Agakröte auch langfristig anhält", so Koautor Richard Shine. Danach müsste man sich überlegen, wie man das Training unter die Massen bringt. Eine Möglichkeit wäre, in noch unverseuchten Gebieten Kröten-Köder auszulegen, an welchen die Tiere die Abneigung erlernen könnten, bevor die Invasion droht.

Die bedrohte Biodiversität Australiens braucht laut den Forschern jedenfalls dringend neue und unkonventionelle Ansätze. Denn besonders auf großen Inseln richten feindliche Arten nicht wieder gut zu machende Schäden an. Immerhin stammt etwa die Hälfte aller in den letzten zwei Jahrhunderten ausgestorbenen Säugetierarten von diesem Kontinent.

Eva Obermüller, science.ORF.at

Mehr zum Thema:

Die ORF.at-Foren sind allgemein zugängliche, offene und demokratische Diskursplattformen. Die Redaktion übernimmt keinerlei Verantwortung für den Inhalt der Beiträge. Wir behalten uns aber vor, Werbung, krass unsachliche, rechtswidrige oder beleidigende Beiträge zu löschen und nötigenfalls User aus der Debatte auszuschließen. Es gelten die Registrierungsbedingungen.

Forum

 
  • Bravo an das "Genie" das die Kröte überhaupt erst eingeführt hat.

    cyberman, vor 767 Tagen, 15 Stunden, 48 Minuten

    Jedes Gift und vermutlich sogar nukleare Bomben wären für die Umgebung langfristig wohl weniger schädlich gewesen.

    • mr. achmaddineshad

      mantispa, vor 767 Tagen, 1 Stunde, 52 Minuten

      wird sich durch deine erkenntnis beruhigt fühlen.

  • Herausforderung

    karl273, vor 767 Tagen, 16 Stunden, 47 Minuten

    Die wirklich große wissenschaftliche Herausforderung wäre es, einen genetisch veränderten Beutelmarder zu züchten, der die Gifte Bufotenin, Dimethyltryptamin (DMT), 5-MeO-DMT, Bufotalin, Bufotoxin und Katecholamine (Adrenalin und Noradrenalin) aushält.

    Nach kurzer Zeit wird man dann nur noch ein Tier züchten müssen, das den genetisch veränderten Beutelmarder frisst.

  • "Giftige Kröten bedrohen den Kontinent"

    xx13, vor 767 Tagen, 20 Stunden, 54 Minuten

    im besten fall, freddy (hitchcock) läßt grüßen, oder drittklassige C- oder splatter-movies a la killerkröten...

    ich hoffe das jahr der biodiversität geht ohne psychische und intellektuelle schäden für alle menschen vorüber.

    • allgeier, vor 767 Tagen, 12 Stunden, 37 Minuten

      keine Sorge, außer dir fürchtet sich niemand :o)

    • eben,

      xx13, vor 767 Tagen, 10 Stunden, 53 Minuten

      die biodiversitätsdiskussion (siehe beiträge hier auf science.orf.at) ist ein perfekter boden für weitere volksverblödung. und vor der fürchte ich mich schon, und sollten sich auch andere menschen mit restverstand fürchten...

    • sonderbar nihilistische auffassung

      mantispa, vor 767 Tagen, 48 Minuten

      - auch wenn du bei manchen postern recht haben magst (aber spinner gibts überall).

    • allgeier, vor 766 Tagen, 23 Stunden, 21 Minuten

      Man kann im übertragenen Sinne eine Biodiversität für dieses Forum definieren, Vielfalt an Typen. Da alle diese jeweils aufeinander angewiesen sind, kann man Wechselwirkungen wie in Ökosystemen beschreiben. Naja, vereinfacht, weniger Dimensionen.