
Planeten, die wie Geisterfahrer kreisen
"Das ist eine Herausforderung für die konventionelle Lehrmeinung, wonach sich die Planeten immer nach der Drehrichtung ihrer Sonne orientieren", meinte der Astronom Andrew Cameron von der schottischen Universität St. Andrews am Dienstag bei einer Tagung der Royal Astronomical Society.
Widerspricht Standardmodell
Planeten außerhalb unseres Sonnensystems wurden erstmals 1995 entdeckt. Inzwischen haben Astronomen 452 Exoplaneten aufgespürt. Forscher vom Genfer Observatorium und der Universität St. Andrews im schottischen Edinburgh untersuchten mit dem Teleskop der Europäischen Südsternwarte in Chile im Rahmen des Projekts "Superwasp" 27 Exoplaneten genauer. Dabei stellten sie verblüfft fest, dass sechs der Planeten in Gegenrichtung um ihre Sonne kreisen.
Eine bemerkenswerte Erkenntnis, wenn man davon ausgeht, dass sich Sterne und Planeten gleichzeitig bilden, wie es Ernst Dorfi vom Institut für Astronomie der Universität Wien einschätzt. "Das Standardmodell der Planetenentstehung geht von einer rotierenden interstellaren Wolke aus, die sich langsam verdichtet. Dabei passieren zwei Dinge: Zum einen wandert der größte Teil der Masse ins Zentrum, zum anderen wird der Drehimpuls nach außen übertragen. Das definiert den Gleichsinn von Stern und Planeten", erklärte er gegenüber science.ORF.at.
Ein Tauziehen von Sternen und Planeten?
Bei den nun entdeckten Himmelskörpern auf Gegenkurs handelt es sich um "heiße Jupiter", Planeten, die mindestens so groß sind wie der Jupiter in unserem Sonnensystem und sehr nahe an ihrem Mutterstern vorbeiziehen. Die Forscher vermuten, dass sie in ihrer Entstehung nicht nur der Schwerkraft ihrer jetzigen Sonne ausgesetzt waren.
Es könne "eine Art Tauziehen" mit weiter entfernten Planeten oder anderen Sonnen gegeben haben. Dies könne den Planeten auf "eine geneigte und langgestreckte Umlaufbahn bugsiert haben", die erst allmählich über Millionen Jahre durch die Schwerkraft des Muttersterns annähernd kreisförmig werde.
Für Ernst Dorfi sind Erklärungen, die Gravitationswirkungen anderer Sterne heranziehen, allerdings nicht besonders plausibel. "Denn in der Regel verlässt ein Planet durch solch massive Störungen seine Bahn."
science.ORF.at/AFP
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