
Das Erdinnere macht sich bemerkbar
Island liegt genau auf dem Mittelatlantischen Rücken, wo die nordamerikanische und die eurasische Platte auseinanderdriften. Zusätzlich liegt die Insel genau über einem sogenannten Hotspot: Dort drängt Magma tief aus dem Erdinneren, man vermutet aus etwa 3.000 Kilometern, nach oben. Die Kombination von Plattenbewegung und Hotspot führt zu dem starken Vulkanismus auf Island, der sich mit dem Ausbruch des Eyjafjalla nun massiv bemerkbar macht.
Viele Vulkanzonen durchziehen das Land
Die besondere geologische Situation zeigt sich in mehreren Vulkanzonen, welche die Insel durchziehen, und mehr als 100 aktiven Vulkanen auf Island. Dabei zählte der Eyjafjallajökull bisher nicht zu den bekanntesten Feuerbergen des Landes, spektakulärer waren in der Vergangenheit Ausbrüche von Askja oder Hekla. Vom Eyjafjalla waren laut Universität von Island in den vergangenen 1.100 Jahren drei Ausbrüche bekannt. Der bisher jüngste ereignete sich 1821 und dauerte mehr als ein Jahr lang.
Das besondere an Island seien die Vulkanzonen mit wandernden Aktivitäten und sogenannte Spaltenbrüche mit vielen Minivulkanen, die sich entlang einer Linie bilden. "Auch der Eyjafjalla könnte sich zu einem solchen Spaltenbruch erweitern", sagte Roman Leonhardt von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) in Wien. Unter Umständen könnte auch einer der aktivsten Vulkane Islands, die Hekla, wieder ausbrechen. In den vergangenen 50 Jahren habe diese Vulkanspalte alle neun bis zehn Jahre Aktivität gezeigt, zuletzt war das 2000.
Kein Zusammenhang mit Erdbeben
Die Vulkanasche entsteht, wie der Geophysiker erklärte, bei der Reaktion der glühend heißen Magma mit dem im Gestein gebundenen Wasser. Dabei entstünden "Mikroexplosionen", die das Material in staubförmige Partikel zerlegen. In Verbindung mit dem Wasserdampf kann diese Vulkanasche dann sehr hoch in die Atmosphäre aufsteigen.
Diese Vulkanasche besteht also aus den Bestandteilen der Magma, und das seien im Falle Islands vor allem Silikate in Form von Feldspat und Olivin sowie Eisentitanoxide. "Giftiges ist nichts dabei", im Gegenteil, das Vulkanmaterial sei sehr fruchtbar.
Auch wenn die zeitliche Abfolge schwerer Beben wie in Chile oder China und starker Vulkanausbrüche wie nun auf Island einen Zusammenhang möglich erscheinen lassen, gibt es diesen nicht, wie der Leiter der Erdbebenforschung an der ZAMG, Wolfgang Lenhardt betonte. Bei den jüngsten Beben seien völlig andere Platten involviert gewesen und Vulkanismus gebe es die ganze Zeit: "Wir haben weltweit jeden Tag etwa 60 Vulkane, die aktiv sind." Lenhardt spricht von einer "zufälligen Häufung", es gebe keine Zyklen. Sogenannte Erdbebenjahre wie 1976, 1985, oder 1994/95 mit einer extremer Häufung von Beben seien Zufall, "wenn man oft würfelt, wird man auch immer wieder Extremwerte haben".
science.ORF.at/APA


