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Ein moderner Trawler auf hoher See.

Fischfang: Das Meer ist leer

Mit dem weltweiten Fischbestand geht es rapide bergab. Wie eine Studie zeigt, ist selbst mit höchstem technischen Aufwand nicht mehr viel aus dem Meer zu holen: Zu Zeiten der Segelschifffahrt waren die Erträge britischer Flotten viermal so groß wie heute.

Umwelt 05.05.2010

Systematischer Kahlschlag

Quizfrage: Wann wurde das erste Schleppnetz für den Fang von Scholle, Seezunge und Hummer eingesetzt? Antwort: im Jahr 1376. Heute ist der Fischfang mit Grundschleppnetzen Standardtechnologie eines industriellen Gewerbes. Er ist in allen Weltmeeren verbreitet - und ebenso umstritten.

Naturschützer kritisieren, er erzeuge hohe Kollateralschäden in der marinen Fauna, hinterlasse irreparable Habitate und Unterwasserwüsten. Dieser Einwand ist keineswegs neu: Als im Zuge der industriellen Revolution die ersten Dampfmaschinen-Trawler in See stachen, dauerte es gerade einmal ein paar Jahre, bis die britische Regierung die neue Methode auf ihre ökologische Wirkungen hin untersuchen ließ.

Denn bereits 1885 wurde gemutmaßt, die Schleppnetze könnten den Fischbestand über Gebühr beanspruchen und dessen natürlichen Lebensraum zerstören. Heraus kam bei der Untersuchung allerdings nicht sehr viel - bis auf die Empfehlung, man solle doch Fangstatistiken führen, um derlei Fragen in Zukunft beantworten zu können.

"Schlimmer als die pessimistischsten Schätzungen"

Die Studie "The effects of 118 years of industrial fishing on UK bottom trawl fisheries" ist im neuen Online-Journal des britischen Wissenschaftsverlags "Nature" erschienen: "Nature Communications" (doi: 10.1038/ncomms1013).

Genau diese historischen Statistiken haben nun drei Umweltforscher für eine Bestandsaufnahme verwendet. Callum Roberts, einer der drei Autoren, resümiert: "Unsere Studie zeigt, dass der Zustand der britischen - und implizit der gesamten europäischen - Fischerei viel schlimmer ist, als selbst die pessimistischsten Schätzungen zeigen."

Eine historische Aufnahme zeigt gestapelte Fische auf einem Fischmarkt
Als die Meere und Fischernetze noch voll waren: Der Fischmarkt der englischen Hafenstadt Grimsby im Jahr 1905.

Die Lage in Zahlen: Der Fischbestand in den Weltmeeren wurde seit 1900 durch die kontinuierliche Überfischung massiv reduziert, Forscher gehen von einem Rückgang von 90 bis 95 Prozent aus. In Einzelfällen, etwa bei großen (zwischen 16 und 66 Kilogramm schweren) Fischen in der Nordsee, ist die Situation noch dramatischer. Laut Berechnungen würden in dieser Gewichtsklasse 100 Mal mehr Fische existieren, wenn es im nordeuropäischen Schelfmeer keine Fangindustrie gäbe.

Fall eines Gewerbes

Die ökologische Krise manifestiert sich mittlerweile auch in ökonomischer Hinsicht. Wie die britischen Statistiken zeigen, stieg die Masse der gefangenen Fische von 1889 bis in die 40er und 50er Jahre rasant an. Ausnahmen dieses Trends gab es lediglich während der Weltkriegsjahre. Nach den 50ern indes ging es mit den Fängen der britischen Flotte ebenso schnell wieder bergab - ihre Fangquote liegt heute deutlich unter dem Niveau von 1889.

Historische Aufnhame von Segelbooten im Hafen
Fischerboote im Hafen von Brixham zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

"Wir waren erstaunt festzustellen, dass England und Wales damals etwa die vierfache Menge Fisch an Land brachten, als sie es heute tun", sagt Ruth Thurstan von der University of York, die Erstautorin der Studie. "Trotz des technischen Fortschritts und des steigenden Energieeinsatzes sind die modernen Fangflotten weniger erfolgreich als Segelschiffe des späten 19. Jahrhunderts. Schuld ist der rapide Rückgang des Fischbestandes."

Aufwand stieg um Faktor 17

Die deutlichste Sprache spricht der Quotient zweier Größen, nämlich Fischfang relativ zum technisch-energetischen Einsatz. Um ein Kilogramm Heilbutt zu fangen, muss man heute den 500-fachen Aufwand treiben als es 1889 der Fall war. Bei anderen Arten ist der Wandel laut den britischen Forschern zwar nicht ganz so dramatisch, groß ist er dennoch.

Schellfisch wird mit 100 Mal größeren Ressourcen als anno dazumal an Land gebracht, auf alle Arten hochgerechnet ist heute das 17-fache Investment notwendig, um den Fisch aus dem Meer auf den Teller zu kriegen. Tendenz: wohl steigend.

Robert Czepel, science.ORF.at

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Forum

 
  • solala, vor 658 Tagen, 15 Stunden, 24 Minuten

    blöde Frage, um wievielsinkt der Meeresspiegel eigentlich, wenn man alle Fische daraus entfernt?

    Könnt mir vorstellen das das ein sehr nütlicher Beitrag ist das dieser durch die CO2 Wirtschaft so nicht ganz so schnell steigt.

    Die Amis haben ja auch ein sehr gute Methode gefunden Ölsardinen direkt aus dem Fischfang zu gewinnen, ein paar Monate noch das Leck, und wir bekommen die Fischstäbchen auch gleich fertig für die Bratpfanne geölt.

    Außerdem ist das Abfischen unter diesen Bedinungen ja auch ein aktivr Umweltschutz, die Biomasse sinkt so nicht sinnlos zu Boden, sondern kann noch Gewinnmaximierend vermarktet werden.

    Setzt aber voraus das BP diese Methode nicht Patentieren läßt...

  • nur mehr teure aquakultur

    rayoflight, vor 659 Tagen, 1 Stunde, 18 Minuten

    dann bleibt nur mehr die aquakultur als letzte möglichkeit fisch als nahrungsmittel anzubieten. allerdings ist aquakultur teuer und umweltschädlich und die öko-aquakultur gibt es zwar bereits, sie ist aber nochmal teurer. was heißt das für die zukunft: fisch wird's nur mehr für die reichen industrieländer geben (und auch dort nur mehr für die besserverdiener). all das weil es immer billiger und immer mehr sein muss - die menschheit wird's echt nimmer lernen.

  • Räuber-Beute-Zyklen sind so alt wie das Leben.

    bildschnitzer, vor 659 Tagen, 2 Stunden, 9 Minuten

    http://tinyurl.com/3957nwy
    Sieht man in jedem Gartenteich. Wechselspiel zwischen grünlich trübem und klarem Wasser. Im Frühjahr nach der Schneeschmelze ist das Wasser klar. Ein paar hungrige Wasserflöhe ziehen ihre Runden. Dann vermehren sich die Algen und das Wasser wird trüb. Die algenfressenden Wasserflöhe werden dick, fett und kriegen viele Kinder. Diese wachsen heran und fressen die "Algensuppe" leer---das Wasser wird wieder klar. Viele Wasserflöhe verhungern mangels Algenfutter. Die überlebenden kriegen kaum Nachwuchs.---Die Algen werden nicht mehr weggefressen--das Wasser wird wieder trüb.----Und so weiter.
    Der Mensch als Lebewesen ist nur ein Teil dieses Zyklussystems. Wenn der Mensch die Welt leergefressen hat, wird er sich selbst im Hungerkampf gegenseitig dezimieren,---und die Resourcen können wieder nachwachsen.

    • dermarvin, vor 658 Tagen, 22 Stunden, 18 Minuten

      Bei deiner Milchmädchenrechnung werden aber nicht ganze Arten ausgerottet und Lebensräume zerstört.

      Klar wird sich alles wieder einpendeln, spätestens wenn's keine Menschen mehr gibt, aber wen interessiert das?

  • nur eine signifikante dezimierung der spezies mensch

    vinotinto, vor 659 Tagen, 2 Stunden, 55 Minuten

    gewährleistet eine nachhaltige erholung unserer umwelt.

    • "Zynismus" danebengegangen.

      allgeier, vor 659 Tagen, 2 Stunden, 53 Minuten

      Denn dann ist es nicht u_n_s_e_r_e Umwelt.

    • holdudiladio, vor 659 Tagen, 1 Stunde, 49 Minuten

      Doch allgeier, ist es. Daher kommt auch das Wort, die Welt um uns herum = Umwelt! Mag sein, dass es nicht "unsere Natur" ist, "unsere Umwelt" ist es allemal!

    • allgeier, vor 659 Tagen, 1 Stunde, 17 Minuten

      Ich bin immer viel zu relativ *seufzer* und habe gedacht, Schwefelwasserstoffbazillen hätten eine andere Umwelt als Menschen. Aber intergalaktisch gesehen hast du recht.

    • funkelfels, vor 658 Tagen, 6 Stunden, 52 Minuten

      Deswegen ist "Umweltschutz" ein schlechtes Wort, es geht um "Lebensweltschutz" des Menschen, wir wollen ja *unsere* Umwelt so erhalten, das *wir* darin gut leben können.

      Um Nur zu zitieren: "Wen der Meeresspiegel steigt, dann ist das zwar schade für Holland, aber dem Meer ist das doch egal"

    • allgeier, vor 658 Tagen, 6 Stunden,

      Zum gut leben, finde ich, gehört nicht nur die menschliche Kultur, sondern wesentlich das, was sich unabhängig vom Menschen auf der Erde entwickelt hat. "Artenvielfalt" sagt zu wenig, es geht um die Ökosysteme, die sich in faszinierend unterschiedlichen Formen ausbilden.
      Inzwischen denke ich, der Mensch braucht das, um es wahrzunehmen, sich, wie soll ich sagen, geistig damit zu befassen. Denn sonst gibt es zwei Extreme, entweder man dreht sich "philosophisch" im Kreis und debattiert nur noch über Einbildungen, oder man verliert alles Interesse und verblödet in Konsumverhalten.
      Beides ist nicht neu.
      "Nur" die technischen Dimensionen sind neu. Auf die Gefahr hin, etwas gefühlig zu wirken: es bedeutet etwas, dass inzwischen echte Menschen die Erde als Planeten sehen können, vor Jahrzehnten sogar vom Mond aus. Wer damit aufgewachsen ist, möge sich bitte nicht aufführen, als ob er "wirtschaftliche" Maßstäbe aus der Steinzeit nötig hätte.

  • "Erst wenn der letzte Baum gerodet,

    theimmortal1970, vor 659 Tagen, 3 Stunden, 15 Minuten

    der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werden die Menschen feststellen, dass man Geld nicht essen kann"
    Die Worte stammen aus einer Prophezeiung des kanadischen Stammes der Cree. Wir haben diesen Punkt ja schon erreicht, bzw. überschritten.

    • Diese "Prophezeiung"

      seeigel, vor 659 Tagen, 3 Stunden, 5 Minuten

      ist zwar eine Fälschung, trifft aber doch ziemlich genau.

    • rayoflight, vor 659 Tagen, 1 Stunde, 16 Minuten

      dazu brauchts keine prophezeiung um das vorherzusehen - wir stehen bereits knapp davor.

  • Weniger ist mehr

    rawspi, vor 659 Tagen, 3 Stunden, 18 Minuten

    Eine verringerte Befischung würde zu höheren Erträgen führen und dabei die Gefährdung der Meereslebewesen verringern.
    Ein simpler Vergleich macht das deutlich:
    Wird ein Waldbestand alle 10 Jahre abgeerntet ist der Ertrag an Holz sehr gering, da der Wald nie in eine Wachstumsphase gelangt an dem die Produiktivität am höchsten ist. Zusätzlich können die Bäume sich nicht natürlich vermehren, da sie nie das Alter erreichen in denen sie Samen bilden können. Genauso verhält es sich mit der Überfischung.

    • Im Prinzip ist es so,

      allgeier, vor 659 Tagen, 2 Stunden, 33 Minuten

      und nun, wie umsetzen? Wirtschaft wird offiziell "rational" betrieben. Mit "rational" ist aber das Gefühlsleben gemeint. Es sind psychologische Hemmnisse. Ich mag das Wort "psychologisch" eigentlich nicht mehr, da es ausgeleiert bis zur Beliebigkeit ist.

  • Idioten!

    kaharatschonbonatschon, vor 659 Tagen, 3 Stunden, 21 Minuten

    Das kommt vom vielen Fisch Mac und Fisch King fressen! Das verdammte Fast Food gehört verboten und die elendigen kapitalistischen Großindustriefischereien liquidiert! Aber nicht nur die verdammte Fischerei, auch das verdammte Plastik im Meer und das ausgeronnenen Öl bringt die Fische um!

    • Naja...

      phips2, vor 659 Tagen, 3 Stunden, 10 Minuten

      ...am Fishmac wird's wohl nicht liegen...keine Ahnung über genaue Zahlen, aber ich gehe mal davon aus, dass er eher zu den weniger verkauften Burgern bei der Fastfoodkette mit dem güldenen M gehört...

    • tomschi, vor 659 Tagen, 3 Stunden, 5 Minuten

      Was ist an Fast Food Ketten, die heimisches Rindfleisch verkaufen, so schlimm, dass sie so eine Pauschalverurteilung verdient haben?

    • Ein Hoch auf Fischpressprodukte!

      kiwi73, vor 659 Tagen, 1 Stunde, 42 Minuten

      Gerade billiges Fastfood (wozu McD ja nicht gehört) verwertet Teile von Fischen, die man früher nicht einmal der Katze vorgesetzt hätte und die jetzt zu einer undefinierbaren Masse gepresst immerhin noch Leute sättigen. Die letzten Fusserl werden zu Fischmehl verarbeitet und ebenfalls zur Nahrungsmittelproduktion eingesetzt. So effizient wie heute wurden die Viecher eh noch nie verwurstet. Leider ist das auch ein Grund, warum mit immer feinmaschigeren Netzen auch immer jüngere und kleinere Fische gefangen werden und daher erst gar nicht mehr heranwachsen können...

    • @kiwi

      iggi, vor 658 Tagen, 8 Stunden, 53 Minuten

      leider scheinen die allermeisten gutmeinenden natureschuetzer meilenweit entfernt davon, so logisch, informiert und ausgewogen denken zu koennen oder wollen wie du bez. fischresteverwertung. die jammern lieber ihre antikapitalistischen endzeitphrasen herab. von sensationsreportern, gruensubventionsprofiteuren und anderem riffraff gar nicht zu reden.

  • Von den schwindenden Nahrungsmitteln

    seeigel, vor 659 Tagen, 3 Stunden, 23 Minuten

    über die Energieproblemtik bis zur Umweltbelastung - alles geht auf eine Ursache zurück: wir sind schon zu viele. Doch von den Linksgrünen über die Wirtschaftsbosse bis zu den Religionsführern sind alle für Wachstum und Geburtenprämien. Wenn wir es nicht schaffen ein System ohne Wachstum zu entwickeln wird die Natur das Problem auf wenig humane Weise lösen.

    • Vergiß es!

      walkoffame, vor 659 Tagen, 3 Stunden, 21 Minuten

      Genau das Predige ich schon seit 20 Jahren. Nicht einmal in meiner unmittelbaren Umgebung nimmt das auch nur irgendwer ernst.

    • smith, vor 659 Tagen, 3 Stunden, 13 Minuten

      es kommt weniger auf die zahl, als auf den lebesstandard an, wenn die konsumenten bereit wären mit dem überleben und einem minimalen komfort auszukommen wäre alles bestens, aber alle wollen mehr, tausendfach mehr...

    • Die Zahl ist der konkreteste Faktor

      seeigel, vor 659 Tagen, 3 Stunden, 3 Minuten

      alles andere ist Wunschdenken, Religion, Ideologie.

  • das ist aber marktwirtschaftlich sehr bedenklich

    totorohime, vor 659 Tagen, 3 Stunden, 41 Minuten

    kein wachstum in der fischfangbranche

    • smith, vor 659 Tagen, 3 Stunden, 35 Minuten

      dann wird eben staatlich gefördert...

  • Ein Glück

    dermarvin, vor 659 Tagen, 3 Stunden, 49 Minuten

    dass der schrullige Kätpt'n Iglu mit seiner fröhlichen Kindermannschaft auf einem Segler unterwegs ist und ohne solche Nebenwirkungen laut den neuesten Modeschlagworten super gesundes Zeug auf den Teller bringt, wie gut dass die Werbung ein Bild der Realität vermittelt....

    Wurscht, Fisch kommt eh aus dem Tiefkühler bei Nordsee - genauso wie Strom aus der Steckdose, diese ganze Umweltjammerer sollten sich das mal vor Augen führen.