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Ozonloch über der Antarktis

25 Jahre Ozonloch

Vor genau 25 Jahren haben drei britische Forscher die ersten Belege für die Existenz eines Ozonlochs in der Atmosphäre veröffentlicht. Eine Rückschau zeigt: Auf dem Weg zu dieser Erkenntnis führte vor allem der Zufall Regie.

Umwelt 06.05.2010

Ein Forscherleben mit O3

Heute ist Jonathan Shanklin ein arrivierter Wissenschaftler mit grauem Bart und Brille. Er leitet eine Abteilung des "British Antartic Survey" (BAS) der Universität Cambridge - jene Abteilung, an der er 1977 als frisch graduierter Jungforscher anheuerte, um seine ersten wissenschaftlichen Sporen zu verdienen.

Der studierte Physiker wurde zunächst mit nicht sonderlich aufregenden Tätigkeiten betraut. Er schrieb Computerprogramme, die Rohdaten eines Messgeräts in physikalisch verwertbare Einheiten umrechnen sollten. Das Messgerät war ein Spektrometer, seine Aufgabe bestand darin, den Ozongehalt der Atmosphäre in der Antarktis zu bestimmen.

Rasche Reaktionen

"Large losses of total ozone in Antarctica reveal seasonal ClOx/NOx interaction", "Nature" (Bd. 315, S. 207).

"Nature" hat zu diesem Thema auch einen Schwerpunkt mit weiterführenden Artikeln eingerichtet.

O3 - das ist das Molekül, das Shanklins Karriere entscheidend prägen und ihn in Fachkreisen berühmt machen sollte. Im Jahr 1985 veröffentlichte der Brite mit seinen zwei Landsleuten Joseph Farman und Brian Gardiner ein Paper im Fachblatt "Nature", das einen entscheidenden Wendepunkt markierte - wissenschaftlich und umweltpolitisch: Die Arbeit zeigte, dass die Ozonschicht über der Antarktis zwischen den 70er und 80er Jahren deutlich an Substanz verloren hatte.

Ein Jahr später bestätigten NASA-Forscher die Messungen durch Satellitendaten. Und bereits 1987 trat das sogenannte Montreal-Protokoll in Kraft - ein multilaterales Abkommen zum Schutz der Ozonschicht, das die für die Misere verantwortlichen Substanzen aus der Industrie verbannte. Zu diesen gehören Bromide, Halone und nicht zuletzt die bekannten halogenierten Kohlewasserstoffe (FCKWs), die seinerzeit als Kältemittel in Kühlschränken und als Treibgase in Sprühdosen verwendet wurden.

"Ich hatte keine Ahnung"

"Reflections on the ozone hole", "Nature" (Bd. 465, S. 34).

Der Weg dorthin war keineswegs so geradlinig, wie es retrospektiv erscheinen mag. Ursprünglich sollte Shanklin mit seinen Ozon-Messungen die Wettervorhersage verbessern. Langfristiges Ozon-Monitoring indes gehörte nicht zu seinen Aufgaben. Die langfristige Perspektive war ein Zufall, sie "passierte" ihm. Und zwar durch einen voluminösen Arbeitsrückstand, der bei seiner Arbeit angewachsen war, wie Shanklin nun in einem Aufsatz im Fachblatt "Nature" schreibt.

"Als ich 1977 ans BAS kam, hatte ich keinerlei meteorologischen Hintergrund und keine vorgefertigten Ideen über das Verhalten der Atmosphäre. Die damals verbreitete Meinung war, dass die chlorierten Kohlenwasserstoffe zu einem Ozonabbau führen könnten und dass diese Reaktion vor allem in der tropischen Stratosphäre ausgeprägt sei. ... Niemand suchte daher nach langfristigen Daten in der Antarktis. Aber ich hatte von diesen Theorien keine Ahnung."

Evolution einer Grafik

1983 fand in Cambridge ein Tag der offenen Tür statt, der über die Aktivitäten am BAS informieren sollte. Shanklin bekam den Auftrag, die Arbeit im antarktischen Forschungszentrum gegenüber Pressevertretern zu erläutern - "vermutlich, weil ich Erfahrung im Physik-Unterricht hatte." Das Ganze war damals schon ein kleines Politikum, weil die Presse mutmaßte, Gase aus Spraydosen und Flugzeugtriebwerken könnten die Ozonschicht schädigen.

Grafik zeigt fallende Ozon- und steigende FCKW-Werte in der Atmosphäre.

Die Abnahme des Ozons von den 60ern bis in die 80er-Jahre (Balken, linke Achse) und die Zunahme atmosphärischer FCKWs (Kreise, rechte Achse).

So bot sich ein guter Anlass, jene Messwerte zu präsentieren, die Shanklin mit Hilfe von Computern bearbeitet hatte. "Ich wollte die Öffentlichkeit beruhigen und zeigen, dass sich die Ozon-Daten in den letzten 20 Jahren nicht geändert hatten. Das war im Großen und Ganzen auch richtig - aber es schien, als seien die Werte im Frühling von einem Jahr zum nächsten geringer geworden."

Anfangs war es also nur ein leiser Zweifel, der Shanklin zu weiteren Erkundungen ermutigte. Etwas prononcierter wurde die Abnahme der Ozonschicht, als er und seine Kollegen später eine Grafik mit 11-Tages-Durchschnitten anfertigten. Sie legte bereits einen systematischen Abfall während der Frühjahrsmonate nahe. Und wirklich effektvoll, man könnte auch sagen: suggestiv war dann die endgültige grafische Ausformulierung, die Farman, Gardiner & Shanklin in ihrer vielzitierten 1985er-Studie verwendeten (Bild links).

Hier stellten sie einen Zusammenhang zwischen der Ausdünnung der Ozonschicht und dem Ausstoß von halogenierten Kohlenwasserstoffen her. Es wurden Achsen gespiegelt und Skalen angepasst, sodass die intendierte Deutung ("FCKWs sind der Grund") ins Auge springen musste. Shanklin: "Ich war selbst überrascht, dass wir es auf diese Weise präsentieren durften."

Zwei Debatten: Ozon und Klima

In diesem Zusammenhang drängt sich ein Vergleich mit dem vieldiskutierten Hockey-Stick des US-Klimaforschers Michael E. Mann auf, der den (anthropogenen) Klimawandel veranschaulichen sollte - und unter Klimawandel-Leugnern und manchen Forschern stark in die Kritik geraten ist.

Der Unterschied zwischen beiden Grafiken dürfte nicht im Grad ihrer Subtilität liegen. Beide zeigen ihre Botschaft überdeutlich. Der wesentliche Unterschied dürfte eher darin bestehen, dass die Botschaft im einen Fall sofort zu einem gesellschaftlichen Konsens, im anderen Fall hingegen zu Kontroversen geführt hat.

Der Vergleich mit der aktuellen Klimawandeldebatte bietet sich auch aus einem anderen Grund an: Das Montreal-Protokoll hat für das Weltklima in der Praxis mehr erreicht, als es das Kyoto-Protokoll selbst in der Theorie hätte tun können, wie Klimaforscher vor drei Jahren berechnet haben. Der Grund ist simpel: FCKWs sind potente Treibhausgase.

"Das Loch war bedrohlich"

Aber warum kam es beim Ozonloch innerhalb kürzester Zeit zu einem weltweiten Schulterschluss, während sich die Politik beim Klimawandel national wie international von einer Farce zur nächsten verhandelt? Ein Faktor ist zweifelsohne der Einfluss der betroffenen Industrien, nicht unterschätzen sollte man jedoch auch die psychologische Ausgangslage.

Im Fall des Ozons "waren die Hinweise stark und eindeutig", schreibt Shanklin. "Das Loch war bedrohlich und es gab eine direkte Verbindung zwischen dem Ozonverlust und Krebs. Niemand fühlte sich bedrängt, und niemandem wurde erzählt, man müsse den Lebensstil komplett umstellen."

Beim Klimawandel verhält es sich genau umgekehrt: Die Evidenz des Problems ist für viele keineswegs so klar - und aus der Komfortzone bewegt sich der Durchschnittsbürger auch nicht freiwillig. So gesehen: "Kein Wunder, dass es Verwirrung und Widerstände gibt."

Robert Czepel, science.ORF.at

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Forum

 
  • Die Bewirtschaftung des Ozons und ihren Löchern

    rwmeilen, vor 1138 Tagen, 19 Stunden, 47 Minuten

    Das Ozonloch über der Antarktis wurde nach allgemein zugänglicher Fachliteratur von Dobson im Jahr 1956 entdeckt, dasjenige über der nördlichen Halbkugel spürten in den dreissiger(!) Jahren unabhängig voneinander Tönsberg und Hamilton auf. Beide Phänomene wurden schon damals als Ozonlöcher bezeichnet, und die heute als Verursacher der Ozonlöcher hingestellten FCKW hatten damals noch keine grosse Bedeutung. Warum eigentlich werden diese Tatsachen verschwiegen? Vielleicht damit die medial sehr aktive Ozonlochlobby ihre Daseinsberechtigung weiterhin mittels zweimal jährlichen Einschüchterungsaktionen untermauern kann?

  • solala, vor 1139 Tagen, 15 Stunden, 13 Minuten

    Vor 25 Jahrne wurde das Loch endeckt, was davor war, weis kein Mensch...

    Die Dachstein-Rieseneishöhle wurden 1897 Endeckt, angeblich sind sie aber schon etwas älter...

    • Magnetische Anomalien abseits der Erdpole?

      neutrino, vor 1139 Tagen, 12 Stunden, 22 Minuten

      ...zum Ozonloch weiss ich jetzt nicht´s neues aber zur Erderwärmung hab ich zufällig was gefunden,...und zwar unter: ...magnetische Anomalie des Erdmagnetfeldes,...
      http://science.orf.at/stories/1646650/

      ...in dynamisch sich verändernden magnetischen Strömungen steckt nämlich auch eine gewaltige Energie vor allem wenn sie von der Sonne kommt, daher der Erdkern reagiert bestimmt mit Wirbelströmen darauf welches nun die Erdkerntemperatur zusätzlich steigert,...das Ozonloch hingegen betrifft ja (vorerst) eher nur die Erdpole, (vermehrt die Antarktis - Region) wo auch das Erdmagnetfeld sich jeweils fokusiert,...aber eine starke magnetische Anomalie ausgelöst durch die Magnetfelder der Sonne könnten weitab von den Polen der Erde nun bald zusätzliche Ozonlöcher entstehen lassen,...od. irre ich mich?,...
      .:.

  • die grafik links oben

    iggi, vor 1139 Tagen, 19 Stunden, 13 Minuten

    ist natuerlich schon ein witz. ozonwerte reichen nur bis 1990, FCKW daten nur bis 1980 und nur das kurze stueckl wo der zusammenhang mit lochwerten klar herauskommt ist abgebildet.

    nachdem wir aber vor wenigen jahren trotz abnahme der FCKWs immer noch rekordloecher verzeichnete haben (ebenso wie perioden der abnahme) ist der zusammenhang zwischen den beiden groessen aber anscheinend nicht so direkt.

    • conlib, vor 1139 Tagen, 17 Stunden, 54 Minuten

      Soweit man sich zurückentsinnt dauert es Jahre bis Jahrzehnte bis das FCKW in die relevanten Atmospherenschichten gelangt. Der Effekt stellt sich inzwischen wohl durch eine geminderte Abnahme langsam ein, es wird aber noch Jahrzehnte dauern bis es zu einer maßgeblichen Rückentwicklung kommt.

    • allgeier, vor 1139 Tagen, 16 Stunden, 23 Minuten

      machs nicht so kompliziert, conlib ;-)

    • @conlib: jaja die geschichte wird schon stimmen aber

      iggi, vor 1139 Tagen, 4 Stunden, 27 Minuten

      wir wollen trotzdem die datenpunkte sehen! mittlerweile ist der graph zugunsten eines unverfaenglichen bunten bildchens aus dem blickfeld gerutscht worden und stoert niemanden mehr.

  • allgeier, vor 1139 Tagen, 19 Stunden, 32 Minuten

    Es wurde kein allgemeiner Zusammenhang mit dem Lebensstil hergestellt, das stimmt. Die liebe Industrie konnte FCKW reduzieren ohne Umstrukturierung von Macht, und damit eine spezielle Krebsgefahr wieder eindämmen, alles harmonisch.

    Beim durch Verbrennen fossiler organischer Stoffe erhöhten Treibhauseffekt zahlen "die Falschen", jedenfalls in erster Näherung. Für Genaueres müsste das Thema "Lebensstil" herangenommen werden, aber dabei rühren sich tiefsitzende Ängste vor Veränderungen - vor aufgezwungenen Änderungen, die sogar Streß und Trauer auslösen können. Was aber nicht zugegeben werden darf, sachlich bleiben ;-) Das alles kann nur höchst unharmonisch laufen, das ist eben so.

    • es darf durchaus zugegeben werden dass

      iggi, vor 1139 Tagen, 19 Stunden,

      'aufgezwungene aenderungen stress und trauer" ausloesen - und hoffentlich auch widerstand - denn wer laesst sich schon gerne knechten, vor allem ohne ersichtlichen guten grund, und ohne moeglichkeit, die knechtschaft auf demokratischem wege zu enden, wenn sie zu viel werden sollte.

    • allgeier, vor 1139 Tagen, 16 Stunden, 24 Minuten

      Demokratie? Das gibt es nicht in der Natur, und der Mensch ist Teil der Natur. Doch abgesehen davon bin ich viel zu relativ und fühle mich daher relativ wenig geknechtet, so im geschichtlichen und internationalen Vergleich, irgendwie.
      Schön. Wie lautet noch die gute alte Keynesche Prophezeiung? "In the long run we are all dead."

    • allgeier, vor 1139 Tagen, 16 Stunden, 9 Minuten

      In irgendeinem US-Bundesstaat (19. Jahrh.) wollten sie es unkompliziert haben und legten per Abstimmung fest, pi = 3. Ich erinnere mich nicht an die Quelle, ist auch wurscht.
      "Die Natur" (also wer, bitte?) zwingt uns jedenfalls Sachen auf. Oder man nennt es anders, darüber ließe sich reden. Reden ist menschlich.

  • Auch den Theologen

    rohestoerung, vor 1139 Tagen, 20 Stunden, 18 Minuten

    fällt immer wieder etwas ein, um einen vermeintlichen Nachweis für die jungfräuliche Geburt Jesu erbringen zu können.