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Hand mit Akupunkturnadel

Warum Akupunktur Schmerzen lindert

Stiche mit Akupunkturnadeln ziehen laut einer Studie messbare körperliche Wirkungen nach sich: Sie führen zur Ausschüttung der Substanz Adenosin - einem natürlichen Schmerzmittel.

Medizin 31.05.2010

Clash of Concepts

Fast 4.000 Jahre wird die Akupunktur im fernen Osten praktiziert, als fixer Bestandteil der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) hat sie sogar die Kulturrevolution und die darauf folgende Modernisierung des chinesischen Gesundheitswesens überlebt. Und sie wird wohl auch die Skepsis westlicher Mediziner überdauern, die bemängeln: Randomisiert und doppelblind lasse sich häufig kein Unterschied zum klassischen Placebo nachweisen.

Die Ablehnung ist allerdings keine totale, in Einzelfällen sind West und Ost durchaus vereint, zumindest auf praktischer Ebene. So etwa in Bezug auf Migräne und Kopfschmerzen - hier wirke die Akupunktur, lautet das Fazit einer Metastudie der Cochrane Collaboration aus dem Jahr 2009. Ob die laut TCM vorgegebenen Akupunkturpunkte tatsächlich die einzigen richtigen (sprich: wirksamen) Einstichorte für Nadeln sind, bleibe aber offen. Was auf ein grundsätzliches Problem hinweist: Welche molekularen Mechanismen hinter der schmerzlindernden "Therapie mit Nadeln" stehen, ist noch keineswegs geklärt.

Aktiviertes Adenosin

Zur Studie: Adenosine A1 receptors mediate local anti-nociceptive effects of acupuncture, "Nature Neuroscience" online (doi:10.1038/nn.2562)

Licht ins mechanistische Dunkel bringt nun eine Studie aus dem Fachblatt "Nature Neuroscience". Darin berichtet ein Team um die Neurowissenschaftlerin Maiken Nedergaard von Versuchen mit Mäusen, bei denen das Molekül Adenosin die Hauptrolle spielte. Adenosin ist an sich durch seine Fähigkeit bekannt, mittels Phosphatbindungen, "ATP", chemische Energie in paketierter Form dorthin zu transportieren, wo sie im Körper dringend gebraucht wird.

Abseits seiner Beteiligung an der Einheitswährung der Energie agiert Adenosin auch als Botenstoff, hat in Sachen Schlaf und Immunreaktionen etwas mitzureden. Und nicht zuletzt ist Adenosin auch ein natürlicher Schmerzhemmer, der, wie nun Maiken Nedergaard nachgewiesen hat, durch Akupunktur aktiviert werden kann.

Historische Zeichung mit Akupunkturpunkten

Akupunkturpunkte auf dem menschlichen Körper: Darstellung aus der Ming-Periode.

Akupunkturtherapie für Mäuse

Die Forscherin von der University of Rochester behandelte Mäuse mit einer schmerzenden Pfote, und zwar genauso, wie man auch Menschen in diesem Fall behandeln würde. Sie wurden am "Zunsanlipunkt", einem bekannten Akupunkturpunkt nahe des Knies genadelt. Die Sitzung dauerte 30 Minuten und beinhaltete etwa auch die übliche Drehung der Nadeln mit der Hand - eine Maßnahme, die laut TCM die Wirkung des Eingriffs verstärkt.

Ob verstärkt oder nicht, eine Wirkung war jedenfalls da. Nedergaard fand heraus, dass in unmittelbarer Nähe der Nadelstiche der Adenosin-Level im Gewebe um das 24-fache gestiegen war. Die dergestalt behandelten Mäuse empfanden auch um rund zwei Drittel weniger Schmerzen, wie Verhaltenstests nahelegen.

Und: Adenosin vermittelt seine schmerzlindernde Wirkung durch Bindung an ein einen speziellen Rezeptor. Mäuse, denen das Gen für den sogenannten A1-Rezeptor aus dem Erbgut entfernt worden war, sprachen auch nicht auf die Therapie an.

Medikament verstärkt Wirkung

Nedergaard und ihre Kollegen suchten später nach Substanzen, die den physiologischen Effekt der Akupunktur verstärken könnten. Und wurden beim Wirkstoff "Deoxycoformycin" fündig, der bislang vor allem in der Krebstherapie eingesetzt wurde. Der Stoff hemmt den Abbau von Adenosin im Gewebe, Versuche zeigen, dass dadurch der Adenosin-Level in den Muskeln drei Mal so hoch steigt. Dementsprechend hält auch die schmerzlindernde Wirkung drei Mal so lange an.

Josephine Briggs, eine Spezialistin für Komplementärmedizin von den National Institutes of Health, kommentiert die Studie folgendermaßen: "Die sehr sorgfältig ausgeführten Versuche zeigen, dass es mit Adenosin einen neuen Player in diesem ganzen Prozess gibt. Das ist ein interessanter Beitrag für unser wachsendes Verständnis der Akupunktur und ihrer komplexen Wirkungen."

Implizit ist damit auch gesagt: Adenosin dürfte nicht der letzte Player gewesen sein, den es in diesem Zusammenhang zu entdecken gibt. Ob das auch jemals zu einer Annäherung von östlicher und westlicher Theorie - von Meridianlehre und molekularer Medizin - führen wird, bleibt aber abzuwarten.

Robert Czepel, science.ORF.at

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Forum

 
  • zuerst sollte die Diagnose stehen

    xcountry, vor 623 Tagen, 12 Stunden, 1 Minute

    ich habe unzählige Patienten operiert, die z.Teil jahrelang mit Schmerzen herumliefen, weil die richtige Diagnose nicht gestellt wurde. Damit fängt das ganze Dilemma an. Dazu gibt es halt Spezialisten, klinisch und apparativ am neuesten Stand der Diagnostik sind.

    • haben diese Spezialisten ...

      selbsteinwitz, vor 623 Tagen, 11 Stunden, 50 Minuten

      doch hoffentlich nicht vergessen dass der
      Mensch keine Maschine ist?
      Das Eigenlob bedürfte auch einer Therapie!

    • schreib nicht so dämlich, wenn du keine Ahnung hast

      xcountry, vor 623 Tagen, 5 Stunden, 43 Minuten

      in vielen Fällen handelt sich um Nervenengpasssyndrome, die relativ einfach operativ zu beheben sind, da sind wir halt wie Maschinen. Und wie es den Patienten geht, die da ganzheitlich behandelt werden sehe ich immer wieder. Haben viel Geld bezahlt und weiterhin Schmerzen.

  • wir können davon ausgehen...

    selbsteinwitz, vor 623 Tagen, 13 Stunden, 52 Minuten

    dass die Schmerzlinderung ein gutes Geschäft
    ist. Und so ist zu hoffen dass der Klient mit
    seiner Suggestion Erfolg hat. Dabei unterstützt
    er den möglichen Misserfolg des Therapeuten
    und wird die Experten im Regen stehen lassen;
    sie wissen von nichts.
    Nebenbei sei angemerkt dass der Schmerz dem
    Körper als Signal dient. Ihn zu beseitigen kommt
    in vielen Fällen einer groben Fahrlässigkeit
    gleich. Darüber sollten wir nachdenken, besonders
    die Therapeuten.

    • ja und nein

      paranoidboxdroid, vor 623 Tagen, 13 Stunden, 39 Minuten

      chronische schmerzzustände als solche bestehen zu lassen, obgleich KEIN phyisches korrelat für die schmerzquelle besteht, DAS ist grob fahrlässig.

    • da spricht der Experte...

      selbsteinwitz, vor 623 Tagen, 13 Stunden, 5 Minuten

      erklär mir bitte mal was ein Physisches
      Korrelat ist? Seit wann sprechen wir von
      Soma, der Einheit, doch nicht erst seit
      heute? Eines soll mal klargestellt werden,
      dass beinahe jeder chronische Schmerz
      geheilt werden kann, und dazu brauchen
      wir ihn nicht zu unterdrücken, im
      Gegenteil.

    • "dass beinahe jeder chronische Schmerz geheilt werden kann"

      benaja, vor 623 Tagen, 12 Stunden, 23 Minuten

      Einen "Schmerz" kann man nicht "heilen", sondern nur ausschalten oder unterdrücken.
      Geheilt im eigentlichen Sinn kann nur die Ursache werden.

  • Es wirkt zwar

    omen, vor 623 Tagen, 16 Stunden, 12 Minuten

    (die Punkte sind sogar exakt auffindbar - es ändert sich dort der Differenzwiderstand der Haut), aber die Technologie ist die selbe, als ob wir einen Rechner mit Hammer und Nägel reparieren möchten (geht manchmal auch :)

    • hahahah

      kampftux, vor 623 Tagen, 15 Stunden, 14 Minuten

      also wenn du akupunktur mit hammer und nägel vergleichst, wie findest du dann die methode unserer westl. medizinder? wenn du mit kopfschmerzen zu einem arzt gehst, dann sagen die 99%, ok friss das pulver xy und wenns nach 5 tagen nicht weg ist, dann komm wieder. das ist als ob du deinen zitierten rechner mit einer dampflokomotive reparierst!!!

  • thebard, vor 623 Tagen, 17 Stunden, 10 Minuten

    Wenn da auch Schmerzen behandelt wurden, würde das dann wieder die Studie bestätigen. Denn egal ob richtig oder falsche eingestochen, würde Adenosin ausgeschüttet.
    Interessant wäre für mich die Frage, warum die mit den zu behandelnden Schmerzen verbundenen Punkte so stark arbeiten wenn sie eingestochen werden!

    • thebard, vor 623 Tagen, 17 Stunden, 9 Minuten

      Hm, sollte eigentlich eine Antwort sein. Hat irgendwie nicht geklappt...

  • die ergebnisse

    poiuqwerty, vor 623 Tagen, 17 Stunden, 35 Minuten

    dieser studie fallen vermutlich in die kategorie des berühmten "homöopathie-papers" von benveniste. viel lärm um nichts.
    des weiteren ist die aussage der cochrane-metastudie völlig anders als in den medien dargestellt wurde. tatsächlich wurden mit echter akupunktur keine besseren ergebnisse erzielt als mit sogenannter scheinakupunktur bei der dem patienten die akupunktur nur vorgetäuscht wurde. (die patienten wurden dabei mit den nadeln nur oberflächlich irgendwo gepiekst statt sie an den "richtigen" akupunkturpunkten hineinzustechen)

    • thebard, vor 623 Tagen, 17 Stunden, 9 Minuten

      Wenn da auch Schmerzen behandelt wurden, würde das dann wieder die Studie bestätigen. Denn egal ob richtig oder falsche eingestochen, würde Adenosin ausgeschüttet.
      Interessant wäre für mich die Frage, warum die mit den zu behandelnden Schmerzen verbundenen Punkte so stark arbeiten wenn sie eingestochen werden!

    • die einstichorte sind

      iggi, vor 623 Tagen, 16 Stunden, 49 Minuten

      aus der sicht des artikels irrelevant fuer das resultat. belegt ist nur die wirkung des adosins... die ganze chinesische komponente (einstichspunkte, meridiane etc) haben damit nichts zu tun.

      weiters: die im artikel angefuehrte metastudie findet akupunkturerfolge nur fuer eine beschraenkte anzahl von konditionen. Bestaetigend dazu das urteil von Ernst&Singh 2008: je besser die studien sind, desto weniger belege fuer die effektivitaet von akupunktur in den meisten faellen gibt es.

      http://en.wikipedia.org/wiki/Acupuncture#Singh2008

    • jedi, vor 623 Tagen, 16 Stunden, 48 Minuten

      wenn das placebo besser wirkt als so manches medikament und noch dazu keine nebenwirkungen hat, dann nehme ich gerne das "placebo".

    • jedi, um sein

      iggi, vor 623 Tagen, 16 Stunden, 39 Minuten

      eigenes geld soll sich jeder selbst die heilmethode aussuchen. die frage ist nur, ob die allgemeinheit fuer krankenscheinbehandlung zur scheinbehandlung von kranken aufkommen soll.

    • jedi, vor 623 Tagen, 15 Stunden, 46 Minuten

      Ich kann nur sagen, dass mir persönlich noch nie aufgefallen wäre, dass homöopathische mittelchen geholfen hätten, akupunktur sehr wohl.
      Meine persönliche erfahrung bei z.B. massiven halsschmerzen: halzschmerztabletten helfen wenig, dafür ist der gesamte rachenraum taub, der geschmackssinn nicht mehr existent; akupunktur und ich bin nahezu schmerzfrei ohne taubheit - wirkt aber leider nur einen halben tag auch wenn (und jetzt wirds subjektiv) danach die gesundung schneller geht. Wobei man einräumen muss, dass die betäubungstabletten auch mit höchstens 3-5 pro tag verabreicht werden.
      Ob dafür die KK zahlen soll? Naja, für die breitbandbetäubung zahlts auch, da könnte man so gesehen auch die frage stellen warum - wenn die wirkung marginal über der von 0,1l schnaps liegt.
      Ich will da nichts in den himmel loben, aber wenn es leute gibt die mit richtigen schmerzen rumlaufen und nach jahren erfolglosen (teuren) therapierens mit ein paar nadelstichen endlich wieder senkrecht laufen können - dann sollte man imho den stolz mal zurückstellen und denen das zahlen - ob der schmerz nur eingebildet war oder echt bzw. ob akupunktur ein placebo ist oder einfach noch nicht richtig verstanden sollte da mal zweitrangig sein.
      Und meine kritik richtet...

    • jedi, vor 623 Tagen, 15 Stunden, 43 Minuten

      ...richtet sich vor allem an leute wie poiuqwerty die studien, welche eine wirkung belegen grundsätzlich (!) mit dem argument "das ist eh nur wieder eine miststudie" ablehnen. Mag schon sein, dass es ein solche ist (von denen es auch genug gibt) aber die kritik ist auch nicht besser!

    • WENN es hilft

      iggi, vor 623 Tagen, 14 Stunden, 31 Minuten

      dann gerne auch oeffentlich dazufinanziert aber wir sollten halt nicht vergessen dass die alternativwelle ein idealer naehrboden fuer scharlatanerei ist. und die ist privatsache ;-)